Annemarie-Schulz-Haus in Burg (Spreewald)

Einweihung & Dank durch die Burger Amtsverwaltung

Heiraten im ältesten Blockbohlenhaus der Niederlausitz

Ein wenig Aufregung gehört zu jeder Hochzeit. Das ist auch bei dem Krieschower Paar Rene Linn und Madlen Hanke nicht anders, doch zusätzlich zu aller Aufregung gesellte sich noch der Umstand, das erste Paar zu sein, das sich in der neuen Burger Trauungsstätte nahe des Bismarckturms das Ja-Wort gibt. Aufregung auch bei den Betreibern des Annemarie-Schulz-Hauses, der Interessengemeinschaft Bauernhaus e.V., die im Um- und Vorfeld alles getan hat, den „Tag der Tage“ im Leben eines jeden Paares unvergesslich zu machen. Ein kleines Hochzeitsgeschenk ist vorbereitet und wartet auf die Übergabe an das Brautpaar: Eine hölzerne Obstschale mit einem Holznagel, wie er auch im Haus zigfach verbaut wurde. Barbara Helbig von der IG Bauernhaus e.V.: „Damit symbolisieren wir den Zusammenhalt, den es im Leben bedarf, so wie unsere Balken dafür sorgen, dass das Haus ein Leben lang und länger hält!“

Das verfallsbedrohte Blockbohlenhaus stand einst am Burger Nordweg 33 und drohte zu verfallen. Fast 300 Jahre alt, wie verlässlich ermittelt werden konnte, diente es vielen Generationen als Wohnstätte, es war wie alle Bauernhäuser zugleich Wohnstatt und Stall, Vorratsraum für Futter- und Lebensmittel. Die letzte Bewohnerin war die ehemalige Burger Gemeindeschwester Gertrud Annemarie Schulz. Sie wurde 1927 in dem Haus in Burg-Kauper geboren, die Älteren kennen sie noch als couragierte Krankenschwester, die stets bereit war zu helfen und weder Aufwand und Mühe scheute.

Es waren engagierte Menschen, die den Verfall des Hauses nicht hinnehmen, es um jeden Preis für die Nachwelt erhalten wollten. Unter ihnen die Architektin Petra Schulz: „Unsere Fragestellung damals war: Kann man alte Häuser mit in die Zukunft nehmen?“ Eine Gruppe interessierter Akteure nahm sich des Problems an, einen Lösungsansatz sahen sie in der Gründung eines Vereins, damit finanzielle Mittel eingeworben werden konnten und um auch einen gewissen Rechtsstatus zu erlangen. Zugleich wurde die Idee geprüft, es auch ohne eignen Verein, aber mit einer Mitgliedschaft in bundesweiten Verein Interessengemeinschaft Bauernhaus e.V. zu schaffen, was so auch in die Tat umgesetzt wurde. Ab 2005 konnte mit der Sanierung begonnen werden, allerdings an einem anderen Ort, näher am Dorf. Als Standort bot sich dank der Unterstützung des Biosphärenreservates Spreewald der Burger Schlossberghof an, wo sich bereits ein Außensitz des Biosphärenreservats Spreewald befindet. In unzähligen freiwilligen Aufbaustunden wurde Stück für Stück umgelagert, was hinfällig war wurde erneuert und moderne Technik verbaut. Mit Mittel des Landes und der EU konnte finanziert werden, was angeschafft werden musste, etwa die Wärmepumpentechnik für die Wandheizung, die Sanitäranlagen und die Elektroinstallation. Ohne Eigenmittel auch keine Förderung, also mussten Gelder eingeworben werden, was durch viele Aktivitäten im Kleinen wie im Großen dank der Hausretter auch gelang. Die Fachwerkschornstein der ehemaligen Schwarzküche wurde originalgetreu eingebaut und durch moderne Küchentechnik ergänzt. Wohl niemand würde sich heute ans offene Feuer in einen völlig verrußten Raum stellen und Essen zubereiten wollen. „Aber eine Vorstellung davon, wie es früher war, das wollten wir durchaus vermitteln“, sagt Petra Schulz. 

Zu den Hinguckern des Hauses zählt auf jeden Fall der nach einem Original errichtete Kachelofen. Ofensetzer Hardy Zöllner stellte ihn auf, die Kacheln wurden in der Burger Töpferei Möbert nach den noch vorhanden Originalen hergestellt. Ilona Möbert: „Etwa ein halbes Jahr habe ich mich mit den Ofenkacheln befasst, die aus verschiedenen Formen und in verschiedenen Größen angefertigt werden mussten. Die Schüsselkacheln haben durch ihre Form eine vergrößerte Oberfläche, die der besseren Wärmeabgabe dient. Die Simskacheln tragen die Insignien FR (für Fridericus Rex), die ich ebenfalls erst einmal in Gipsformen überführen musste“. 

Am 11. November 2022 war es dann endlich so weit: Im Beisein des Burger Amtsdirektors Tobias Hentschel wurde das Trauzimmer im „Annemarie-Schulz-Haus“ der Öffentlichkeit übergeben – kurz vor der ersten Eheschließung. Der Einweihung wohnte auch die leitende Standesbeamtin Lysann Pehla bei. „Wir haben nun den 14. gewidmeten Trauort in unserem Verantwortungsbereich, einen, der der Tradition verpflichtet ist und die die vielen anderen Stätten ergänzt. Wir können nun auf nahezu jeden Individualitätswunsch eingehen, von mondän bis über Freilufttrauung – oder eben ganz traditionell in einem Bauernhaus wie diesem“, sagte sie zum neuen Trauort. Ihre Kollegin Manuela Mietzsch ist inzwischen eingetroffen und richtet sich um den Kachelofen herum ein, die alten Bauernstühle stehen um den Küchentisch gruppiert, die ersten Gäste warten schon vor dem Haus und nehmen die neuen Trauungsort in Augenschein, in dem die 1. Trauung gleich stattfinden wird, die 168. im laufenden Jahr.

Trauungstermine können über die Burger Amtsverwaltung angefragt werden. Das Haus steht jedes letzte Wochenende in den Monaten März bis Oktober zur Besichtigung frei.

Annemarie-Schulz-Haus
Byhleguhrer Straße 17
03096 Burg (Spreewald)

Ansprechpartner: Barbara Helbig, Marlis Pachael, Petra Schulz
E-Mail: p.schulz.ibs@gmail.com
Web: www.igbauernhaus.de
Telefon: +49 176-56954985, 065604-40584, 0170-3305519

Peter Becker, 12.11.22

Über Peter Becker 282 Artikel
Jahrgang 1948, Diplomlehrer, Freier Journalist und Fotograf

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