Wenn Vögel Hochzeit machen

Die Radduscher Kita zelebriert alljährlich den uralten heidnischen Brauch der Vogelhochzeit.

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„Eigentlich findet die Vogelhochzeit am 25. Januar statt, aber da so viele ‚Vögel‘ krank waren, mussten wir auf diesen Termin ausweichen!“ Mit diesen Worten begrüßte Kita-Leiterin Michaela Murrer die Eltern und Großeltern in der Radduscher Sport- und Kulturscheune, die den festlichen Rahmen für Vogelhochzeit bildete. Die WITAJ-Kita hat stilecht und traditionsgetreu die Hochzeit von Frau Elster und Herrn Rabe zelebriert, erstmals waren die Kleinsten aus der Krabbelgruppe mit einem kurzen Auftritt dabei. Viele Eltern und Großeltern haben sich Zeit genommen, um ihren Kindern zuzusehen und zuzuhören. So mancher wird stolz und staunend zugleich wahrgenommen haben, dass ihr Kind ein Sprache spricht und singt, welche sie selbst nicht verstehen, denn Teile des Programms waren in sorbischer Sprache.

Der Brauch der Vogelhochzeit, sorbisch Ptaškowa swajźba, ist in der Lausitz fest verwurzelt. Die Vögel, die eine schwere Zeit hinter sich haben, bedanken sich bei den Menschen für die Futtergaben im Winter. Meist handelt es sich dabei um Plätzchen in Vogelform mit Zuckerguss, den „Srokis“.

Die Vogelhochzeit steht für den Beginn neuen Lebens nach einem langen und harten Winter. Die schlimmste Zeit ist vorbei, nun geht es ans Hochzeitmachen. Bei der Vogelhochzeit heiraten Elster (sroka) und Krähe (wron), das Paar trägt ein entsprechendes Kostüm in Schwarz und Weiß, ganz einem realen sorbischen/wendischen Hochzeitspaar entsprechend. Oliver Fritsch, der Hochzeitsbitter, führte durch die Zeremonie. Eingeleitet wurde diese mit den überlieferten Sprüchen. Rabe: „Ach liebe Elster, du schaust so nett, so freundlich, höflich und adrett. Ich glaube, ja, ich liebe dich. Ach, liebe Elster, willst du mich?“ Elster: „Ach Rabe, du gefällst mir sehr. Komm schnell ganz dicht hier zu mir her! Sag, wollen wir Hochzeit halten, du und ich? Wir lieben uns doch inniglich!“  Hochzeitsbitter: „Der Póbratš bin ich, auch Hochzeitsbitter genannt und ziehe um im Spreewaldland. Hat sich ein Paar ganz frisch verliebt, dann sorge ich dafür, dass es eine fröhliche Hochzeit gibt!“

Peter Becker, 09.02.2024

Über Peter Becker 355 Artikel
Jahrgang 1948, Diplomlehrer, Freier Journalist und Fotograf

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