Aus der Radduscher Sportgeschichte – 100 Jahre Sportverein Raddusch

-Entwurfsstadium Broschüre –

 Hinweise, alte Fotos und Dokumente gern an mich!

Der Radduscher Chronist Manfred Kliche sammelt seit 60 Jahren unter Aufbringung von Zeit und Mühe alles zum Ort Raddusch und bis 2015 auch zum Sportgeschehen. Aus seinem umfangreichen Fundus zur Entwicklung des Sports in Raddusch stammen die unten aufgeführten Ereignisse.

Radsportbegeisterte Radduscher gründeten 1902 den Radfahrverein „Blitz“, den ersten Sportverein des Ortes. Die Radsportler hatten damals mit der Technik und den schlechten Straßen ebenso zu kämpfen, wie gegen sich selbst. Die etwas modifizierten Sportgeräte verfügten weder über eine Gangschaltung noch waren sie besonders leicht. In einem 1923 im benachbarten Kahnsdorf ausgetragenem Rennen belegte der Radduscher Paul Jänchen einen 3. Platz. Er benötigte für die 33 Kilometer lange Strecke knapp eine Stunde, was etwa einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 33 km/h entspricht. Damals sicher beachtlich, heute sind Geschwindigkeiten von etwa 40 km/h die Regel.

Bannerträger Reinhold Koalik vom Radfahrverein „Blitz“ mit Radduscher Trachtendamen.

Die Radduscher waren auf ihren Radsport fixiert und fieberten bei Wettkämpfen an der Strecke mit, denn andere organisierte Sportarten gab es damals noch nicht. Während des ersten Weltkrieges ruhte der Sportbetrieb, weil 36 Radduscher ihr Leben im Krieg für des Kaisers Wahnideen lassen mussten, darunter auch einige Radsportler.

1927: Radduscher feiern das 25-jährige Bestehen des Radfahrvereins.

Die Zeit zwischen den Kriegen

Erst 1924, sechs Jahre nach dem Ende des verheerenden Weltkrieges, begannen einige Radduscher sich mit Gleichgesinnten zusammenzutun und gründeten den SCR, den Radduscher Sportclub 1924, auch, um den in Mode gekommenen Fußballsport nachzugehen. Bis dahin bolzten in Erntepausen Knechte, Landarbeiter und Bauernsöhne auf einer Fläche hinter den Bahngleisen am Groß Lübbenauer Weg gegeneinander. In der Folge entstand bald ein richtiges Spielfeld, mit selbstgebauten Toren und von Radduscher Fischern gestrickten Tornetzen. Frauen nähten Trikots, Hosen und Stutzen sowie Eckfahnen, Lederbälle sponserten die Radduscher Schuster. Das Wettkampffieber war geweckt, denn in den Nachbarorten hatten sich ebenfalls Sportgruppen gebildet – ziemlich bald wurde jedoch klar, dass sich ein ordentlicher Wettkampfbetrieb nur unter Vereinsstrukturen bewerkstelligen lässt.

Am Sonnabend, dem 15.März 1924, gründeten im damaligen Wirtshaus „Zum Braukrug“ (Inhaber Hermann Böttcher) Radduscher den Radduscher Sportclub 1924 (SCR). Unter den Gründungsmitgliedern waren Reinhold Koalick, Heinrich Koschmann und August Parnack. Zum ersten Mannschaftsführer wurde Reinhold Koalick gewählt.

Zeitzeuge Nippraschk berichtete einst: „Die meisten von uns hatten kein oder nur ganz wenig Geld. Unterstützung von anderer Seite zum Kauf von Schuhen und Trikots gab es nicht. So legten wir alle unser mühsam erarbeitetes Geld zusammen und kauften uns einheitliche Trikots und Schuhe. Einige Frauen entwarfen unser Vereinsemblem und stickten es auf unsere Trikots. Wir waren voller Begeisterung und wollten unbedingt Fußball spielen. Also versuchten wir es mit den ersten Spielen gegen Mannschaften unserer Nachbarorte.“

Durch den beginnenden Tourismus kamen viele Berliner nach Raddusch. Es wurden erste Kontakte und Freundschaften zu den Berlinern geknüpft und so war es auch nicht verwunderlich, dass wir auch gegen Berliner Mannschaften spielten. Da wir aber nur wenig Geld hatten, um die Fahrt nach Berlin bezahlen zu können, wurden die Spiele in Raddusch ausgetragen. Als Gastgeschenk brachten die Berliner Sportler hin und wieder Fußbälle mit.“

Schon nach einem Jahr musste sich der SCR aus Geldnot, auch verursacht durch die allgemein schlechte wirtschaftliche Lage, wieder auflösen. Viele Fußballer traten dem 1925 gegründeten zweiten Radfahrverein „Solidarität“ bei oder dem 1926 gegründeten Radduscher Turnverein. Neben dem Turnen waren Leichtathletik, Handball und bald auch wieder Fußball ein beliebter Freizeitsport.

Turnerabteilung 1930 im Gasthaus Poetsch

Radduscher Sportgeschehen nach Ende des Zweiten Weltkrieges bis zur Wende 1990

Ein organisierter Sport war durch Krieg und Nachkriegsereignisse nicht möglich, auch weil die Menschen von zahlreichen Sorgen und Nöten gepeinigt waren. Wieder mussten 35 zumeist junge und sportliche Radduscher für deutschen Größenwahn ihr Leben lassen. Auf den Höfen fehlte der Mann, die Frauen waren oft auf sich allein gestellt. Doch auch der Drang nach einem friedlichen und ganz normalen Leben mit Alltagsfreuden im Vordergrund nahm zu. Wie schon reichlich 20 Jahre zuvor, kam es am 14. Mai 1947 an gleicher Stelle, dem „Braukrug“, zu erneuten Gründung eines Sportvereins. Der neue Verein sollte den Namen „Sportgemeinschaft Raddusch“ (SG Raddusch) tragen. Zu den Initiatoren gehörten Paul Noack, August und Erwin Parnack, Heinrich Koschmann, Erich Trebus, Fritz Nippraschk,  Albert Schröder, Werner Psaar, Willi Graß und Helmut Jäckel. Erster Vorsitzender wurde Paul Noack.

Zunächst galt es den alten Sportplatz, schon 1926 neben dem Friedhof angelegt, wieder so herzurichten, dass er für eine sportliche Betätigung genutzt werden konnte.

Die SG Raddusch hatte folgende Abteilungen:

  • Fußball, mit zwei Männermannschaften (Raddusch I und II)
  • Feldhandball Frauen und Männer
  • Turnen
  • Gymnastik
  • Tischtennis
  • Schach
  • Reiten
  • Laienspiel

Der alten Radduscher Sporttradition folgend, wurde die Abteilung Turnen wieder aktiviert.  Besondere Verdienste haben sich hier Werner Lehnigk aus Groß-Lübbenau und Werner Neumann gemacht. Bis 1960 ist der Turnsport aktiv betrieben worden.

Neben dem Turnen und nach der Auflösung der Frauenhandballmannschaft wurde extra für die Mädchen und Frauen eine Abteilung Gymnastik gebildet. Größter Erfolg der Radduscher Mädchen und Frauen war die aktive Teilnahme an der großen Sportschau im Leipziger Zentralstadion anlässlich des III. Deutschen Turn-und Sportfestes 1959 in Leipzig. Die Mädchen und Frauen trainierten in der Winterzeit im Saal des Gasthauses Poetsch.

In den Sälen beider Gaststätten wurde aktiv Tischtennissport betrieben. Albert Schröder und Reinhard Matschke gehörten zu den Initiatoren dieser Sportart.

Die Abteilung Schach wurde nur kurze Zeit betrieben. Meist wurden Schach und Tischtennis nebeneinander betrieben. Während einige Tischtennis spielten, spielten die anderen in dieser Zeit Schach, dann wurde gewechselt.

Besonders in Vorbereitung des jährlichen Stollenreitens ging es darum, die Reiter und Pferde auf das Rennen vorzubereiten. Die Abteilung Reiten wurde aber nach kurzer Zeit wieder aufgelöst.

Die Abteilung Laienspiel kam besonders in Vorbereitung auf das III. Deutsche Turn-und Sportfest in Leipzig 1959 zum Einsatz. Hauptziel der Laienspieltätigkeit war es neue Mitglieder für die Radduscher Sportgemeinschaft zu gewinnen.

Durch neue Festlegungen des DTSB (Deutscher Turn-und Sportbund der DDR) wurde am 1. Februar 1957 aus der SG Raddusch die Betriebssportgemeinschaft (BSG) „Empor Raddusch“. Der Konsum und die HO wurden neue Trägerbetriebe für die Sportgemeinschaft.

Die BSG Empor widmet sich jetzt überwiegend dem Fußballsport und leistete Beachtliches im Nachwuchsbereich.

Blick in die Sportchronik: 1961 erfolgte am damaligen Sportplatz neben dem Friedhof der Spatenstich für ein Funktionsgebäude; es ist aber nie fertig geworden.

1973 und 1975 wurde die Radduscher Elf Kreismeister. Hintere Reihe v.l.: Werner Dokter, (Mannschaftsbetreuer), Arno Neumann, Karl-Heinz Müller, Heinz Silz, Joachim Krocker, Manfred Richter, Gerhard Druschke, Günter Konzack, Rudi Graß (Vorsitzender des Vereins), Adolf Dahlitz, Willi Wassermann (Mannschaftsbetreuer), Kraus Sander (Sektionsleiter Fußball). Mittlere Reihe: August Nousch, Gerhard Konzack, Manfred Kliche. Vordere Reihe: Klaus Neumann, Hans Sattler, Gerd Richter, Hans Klann.

Dank der Initiative des damaligen Vorsitzenden Günter Duschka wurde 1969 damit begonnen, einen neuen Sportplatz am Groß-Lübbenauer Weg, dem heutigen Standort, zu bauen, 1973 wurde er eingeweiht. Bürgermeister Manfred Kliche übergab den Erweiterungsbau einschließlich eines beleuchteten Trainingsplatzes am 19.Mai 1973 seiner Bestimmung.

1977 wird die BSG Empor Raddusch in „Traktor Raddusch“ umbenannt. Trägerbetrieb ist nun der Landwirtschaftsbetrieb Kooperative Abteilung Pflanzenproduktion (KAP) Göritz.

Die Vereinsarbeit lag ab 1947 in den Händen folgender Vorsitzender:

Paul Noack (1947 – 1950, 1952 – 1959), Werner Psaar (1951 – 1955), Reinhard Matschke (1959 – 1960), Günter Duschka (1960 – 1970), Erwin Parnack (1970 – 1972), Rudi Graß (1972 – 1980), Michael Schmeck (1980 – 1985), Michael Zierold (1985 – 1988), Andreas Choschzick (1988 – 1991), Horst Friedrich (1992 – 1995), Hartmut Neumann (1995 – 1999), Wolfgang Konzack (1999), Peter Schapp (1999 – 2015), Matthias Hantscher (ab 2015).

Der Sportverein in der Nachwendezeit

Nach der politischen Wende bildete sich 1990 die „Spielvereinigung 1924 Raddusch e. V.“, der aktuell 115 Mitglieder angehören.

Horst Friedrich leitete den Verein von 1992 bis 1995 : „Nach der Wende musste sich der Sportverein an die gesellschaftliche Neuordnung anpassen. Als Erstes galt es eine Satzung zu erstellen und sie notariell bestätigen zu lassen und Sponsoren zu finden. Der Erhalt und der Ausbau des Mitgliederbestandes sowie die Absicherung des Spielbetriebes waren vorrangige Aufgaben. Innerhalb des Vorstandes mussten die Aufgaben neu verteilt werden. Mich unterstützten damals Jürgen Ternow (Kassenwart), Martin Emmerich (allg. Aufgaben), Klaus Sander (Spielbetrieb), Steffen Giedow (Trainer) und Andreas Choschzick (Schriftführer). Uns gelang es, eine Altligamannschaft aufzustellen, das 70. Vereinsjubiläum war ein weiterer Höhepunkt und unsere 1. Mannschaft wurde Kreispokalsieger.“

Unter ihrem Vorsitzenden Matthias Hantscher leistete der Sportverein Großes innerhalb und auch außerhalb des Sportbetriebes wie etwa durch den Umbau einer alten Scheune zur Sport- und Kulturscheune. Dort finden nahezu täglich Veranstaltungen statt. Seit 2022 wird einmal monatlich ein Back- und Kinotag angeboten.

Sport- und Kulturscheune mit Backport

Matthias Hantscher und … beim Bau des Backofens
Radduscher Kinotag – bei frischem Brot und Backschinken
Frank Zeugner richtet gemeinsam mit dem Sportverein den Kinotag aus.

Der Sportverein feiert sein hundertjähriges Bestehen

Wenn auch das ganze Jahr im Zeichen des Jubiläums steht, finden in der Zeit vom 28. bis 30. Juni 2024 die eigentlichen Feierlichkeiten statt.

(Festprogramm: folgt)

Aus der Radduscher Sportchronik

  • 1902 Gründung des Radfahrvereins „Blitz“
  • 1924 Gründung des Radduscher Sportclubs (RSC)
  • 1926 Gründung des Radduscher Turnvereins; Einweihung des Sportplatzes am Friedhof
  • 1947 Neuformierung und Neugründung des Radduscher Sportgemeinschaft
  • 1957 Gründung der Betriebssportgemeinschaft (BSG Empor Raddusch)
  • 1970 Neuer Sportplatz am Groß Lübbenauer Weg wird eingeweiht
  • 1973 Umkleide- und Sozialgebäude eingeweiht
  • 1976 Die BSG Empor wird in BSG Traktor umbenannt
  • 1990 Aus der BSG Traktor wird die Spielvereinigung Raddusch 1924 e.V.
  • 1994 Sportfest 70 Jahre Fußball
  • 2008 Gründung Sektion Volleyball
  • 2012 Radduscher Sport- und Kulturscheune eingeweiht
  • 2014 Trainingsbeginn Fußballkinder
  • 2016 Bauarbeiten an der Remise, Einweihung Ende 2017
  • 2019 Backport 1924
  • 2021 Umgestaltung Außenbereich (Hochbeete usw.)
  • 2022 Back- und Kinotag, Hopfenrabatte angelegt
  • 2023 Start Sektion Dart
  • 2023 Hopfengasse und erstes Radduscher Scheunenbier
  • Beachvolleyball?

Sportliche Erfolge:

1949, 1950 Vize-Feldhandballkreismeister der Männer

1959 Frauenriege im Turnen/Gymnastik nimmt am 3. Deutschen Turn- und Sportfest in Leipzig teil

1968, 1969, 1970, 1972, 1973, 1975 Traktor-Kreispokalsieger (Krs. Calau)

1959, 1960, 1973 FDGB-Kreispokalsieger

1973, 1975, 1994 Fußballkreismeister Männer

1997 A-Junioren Kreismeister, Aufstieg in die Brandenburgliga

1998 Fußball-Männerschaft wird DFB-Kreispokalsieger

2009 Aufstieg in die Kreisliga

Quellen:

Historische Fotos aus dem Archiv Manfred Kliche, sonstige Fotos: Peter Becker – bei einigen Fotos ist der Autor nicht mehr ermittelbar (Hinweise werden gern eingearbeitet)

Festschrift 70 Jahre Sportverein 1994

Kliche/Voigt; Raddusch im Wandel der Zeit, Bd. I und II, Geiger Verlag

Ich bedanke mich beim Ortschronisten Manfred Kliche, bei Matthias Hantscher und Horst Friedrich für die Zuarbeiten!

Weitere Informationen zur Geschichte und zu sportlichen Erfolgen finden sich auf der Webseite des Radduscher Sportvereins: https://www.raddusch1924.de/ueber-uns

Peter Becker, 10.03.24

Über Peter Becker 367 Artikel
Jahrgang 1948, Diplomlehrer, Freier Journalist und Fotograf

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