Der Spreewald in der Vor-Fotozeit

Christian Gottlob Hammer – ein Dresdener Maler im Spreewald

Wer den Spreewald so zeigen möchte, wie er in der Vor-Fotografiezeit war, muss auf die Werke der Maler zurückgreifen. Vorausgesetzt, sie pflegten einen dokumentarischen Stil und verzichteten auf künstlerisch-verfremdende Elemente – und sie waren auch wirklich vor Ort und ließen sich nicht nur auf Erzählungen ein!

Christian Gottlob Hammer, Bleistiftzeichnung Louise Gräfin zu Lynar, 1850

Die folgende Übersicht über seine Werke stammt aus verschiedenen Quellen und stellt nur einen Teil seiner „Spreewaldwerke“, zumeist Lithografien, dar:

Christian Gottlob Hammer – ein Dresdener Maler im Spreewald

Wer wissen möchte, wie der Spreewald in der Vor-Fotografiezeit war, muss auf die Werke der Maler zurückgreifen. Vorausgesetzt, sie pflegten einen dokumentarischen Stil und verzichteten auf künstlerisch-verfremdende Elemente.

Einer derjenigen Maler, die in diesem Sinne als Zeitzeugen herangezogen werden können, war Christian Gottlob Hammer. Er wurde 1779 in Dresden geboren und begann frühzeitig zu malen, seine Werke beeindruckten Künstlerkollegen wie Kunstinteressierte gleichermaßen. Zu Letzteren zählte die junge Gemahlin des Grafen Rochus August zu Lynar, Auguste Charlotte gebn. von Schönberg, die auf Gut Hermsdorf bei Dresden lebte. Sie war begeistert vom Malstil des gerade 21-jährigen Künstlers, sein biederer, gerader Sinn gefiel ihr. Sie sammelte eifrig seine Arbeiten, gab ihm Aufträge, zeichnete unter seiner Anleitung selbst und ließ später von ihm ihre Tochter Nathalie, aus ihrer zweiten Ehe mit dem Grafen Kielmannsegge, in dieser Kunst unterrichten. Hammer und die Gräfin sollen sehr vertraut miteinander gewesen sein. Dem Maler gefiel die schöne, wenn auch etwas exzentrische junge Frau, wie aus Tagebuchaufzeichnungen hervorgeht. Ihr Sohn Hermann Rochus zu Lynar übernahm 1817 die Standesherrschaft Lübbenau, er war es wohl auch, der den Maler in den Spreewald einlud. Hammer ist es zu verdanken, dass es eine Ansicht des Lübbenauer Schlosses vor seinem Umbau gibt. In seinem Aquarell von 1819 ist das alte Renaissance-Schloss als Wasserschloss mit Festungsgraben zu sehen. 

Christian Gottlob Hammer weilte noch mehrmals im Spreewald, so 1834, als er neben zahlreichen anderen Werken das Jagdschloss Groß Beuchow malte. Ihn beeindruckte das Leben der Spreewälder in ihrer isolierten Lage, welches er in seinen Bildern niederlegte. Um 1850 und inzwischen über 70-jährig, weilte er noch einmal im Spreewald. Besonders die Details in seinen Werken sind für die Nachwelt interessant, wie etwa die Kleidung der Bewohner, die Wohn- und Siedlungsformen im Spreewald oder die Bauform der Kähne. Gerade über deren Darstellung wird in Fachkreisen diskutiert: Es ist überliefert, dass erst 1850 die ersten Bohlenkähne gebaut wurden, vorher waren Einbäume das alleinige Transportmittel auf dem Wasser. Hammer malte seine Spreewaldszenen etwa zur gleichen Zeit (auf den Bildern ist 1851 vermerkt), seine „Kähne“ sind aber voller Ebenmaß, schwungvoll geformt und erinnern mehr an venezianische Gondeln als an die zu erwartenden etwas plump wirkenden Einbäume: Entweder wurden die ersten Bohlenkähne noch viel früher gebaut (wozu der Autor dieser Zeilen neigt) oder dem Künstler kam es an dieser Stelle nicht so sehr aufs Detail an, dafür mehr die Bildästhetik – mögen spätere Forschungen ihr Urteil fällen! Zu seiner Maltechnik ist überliefert, dass er zuerst Skizzen anfertigte, die er dann im Atelier mit Farben ergänzte.

Seine Spreewaldwerke lassen sich wie folgt zusammenfassen: Es entstanden Werke zum Lübbenauer gräflichen Erbbegräbnis, vom Schloss mit verschieden Schloss- und Parkansichten. Etwa die Hälfte der insgesamt 44 Stücke ist datiert. Bis auf sechs Zeichnungen aus dem Jahre 1850 handelt es sich um Lithografien im Kleinformat von etwa 31 mal 22 Zentimeter; nur das „Forsthaus Eiche“ und der „Blick vom Schloss auf die Orangerie“ sind erheblich größer. Von Bedeutung sind die Spreewaldlandschaftsbilder aus der Lübbenauer Umgebung wie Blick vom Fließ auf die Stadtkirche, Lehde, Wotschofska, Forsthaus Eiche sowie Fensterausblicke von beiden Etablissements und weniger örtlich genau zu bestimmenden Partien. Es gibt Ansichten vom Schloss Seese, von der Kirche in Groß Lübbenau und vom Ragower Weinberg. 

Neben zart und weich getönten Bildern gibt es auch stärker akzentuierte, auf denen Licht und Schatten mehr zur Geltung gebracht sind. In solchen, wie z. B. im „Forsthaus Eiche“, findet Hammer wohl den Weg aus dem mehr Handwerksmäßigen ins Künstlerische. Die Personen wie Kahnfahrende, Landleute, Jäger und Bauern sind etwas „unlebendig“, schematisch dargestellt, wie seine Kritiker sagen. 

Christian Gottlob Hammer starb am 7. Februar 1864 in Dresden. Er war Professor und Mitglied der Kunstakademie und traf im Künstlerkreis der „Dresdener Romantiker“ mit Caspar David Friedrich zusammen. Johann Wolfgang von Goethe zählte zu den Bewunderern des Reisemalers. Hammers Werke sind u.a. im Besitz der gräflichen Familie zu Lynar, im Wendischen Museum Cottbus und im Spreewaldmuseum Lübbenau. Christian Gottlob Hammer gilt als einer der ersten Maler, die den Spreewald malten und einer größeren Öffentlichkeit bekannt machten. Ihm folgten bald weitere Künstler, die ihre Wurzeln in der Region hatten, sie waren jedoch auch über ihre Ausbildung an der Dresdner Kunstakademie mit nationalen und internationalen Kunstströmungen vertraut. Der in Lübben geborene Julius Uschner (1805-1885), ausgebildet in Dresden und Düsseldorf, dann in Italien weilend, siedelte sich in Dresden an, besuchte aber immer wieder seine Spreewälder Heimat. Auch der Cottbuser Friedrich August Schmalfuß (1791 – 1874), aufgewachsen in Straupitz, hatte an der Dresdener Kunstakademie studiert. Aus Lübbenau gebürtig war Carl Max Krüger (1834 – 1880), in München und Weimar ausgebildet und in Dresden ansässig. Wegen seiner zahlreichen Landschaftsbilder aus seiner Heimat trug er den Beinamen Spreewald-Krüger. Seine Bilder waren so geschätzt, dass sie auch in die Sammlungen großer Museen aufgenommen wurden. Zu den ersten Berliner Malern im Spreewald gehörte neben C. G. Hammer Adolf Burger (1833 – 1876), in dessen Werken aus den 1860er und 70er Jahre noch die Romantik nachklingt. Insbesondere das großformatige Gemälde „Begräbnis bei den Wenden” (Nationalgalerie Berlin) ist ein herausragendes Beispiel für romantischen Geist einerseits und die Darstellung wendischer Befindlichkeit andererseits, ohne dass der Maler in Exotik abgleitet. Von der Vielzahl der Künstler, die zeitweise im Spreewald arbeiteten, seien nur genannt: Walter Moras (1856 – 1925), Curt Agthe (1862 – 1943) und Richard Eschke (1859 – 1944).

Peter Becker, 17.01.2021

Mein Dank geht an Hans-Joachim Nemitz (Arbeitsgruppe Stadtgeschichte Lübbenau)

Weitere Quellen:

  • Im Labyrinth der Spreekanäle – aus einer privaten Kunstsammlung Cottbus (https://galeriebrandenburg.de/im-labyrinth-der-spreekanaele/)
  • Museum Schloss Lübben
  • Anke Fröhlich, Christian Gottlob Hammer, in: Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V.
  • Wilhelm Lynar: Christian Gottlob Hammer, ein Spreewaldmaler. In: Heimatkalender des Kreises Lübben 1954. Lübben 1953, S. 51–52
  • Die Grafen zu Lynar, Kurze Geschichten einer langen Tradition, Lübbenau 2015, Hrsg. Gräflich zu Lynarsche Schlossverwaltung GbR
Über Peter Becker 207 Artikel
Jahrgang 1948, Diplomlehrer, Freier Journalist und Fotograf

2 Kommentare

  1. Sehr geehrter Herr Becker, Ihre Annahme ist völlig richtig, Spreewaldkähne wurden lange vor 1850 aus Kiefernbrettern gebaut. 1786 bestellten die Forstbeamten „7 kieferne Brettern Kähne á 4 Thlr“ bei Christian Ludwig Henckel in Straupitz, 1797 bei Kahnbauer Netzker (o. ä.) in Steinkirchen für 4 Th. 18 gr. pro Kahn und 1809 bei Kahnbauer Neumann ebenfalls aus Steinkirchen (5 Th. 8gr.). Die Haltbarkeit der teuren Bretterkähne lag bei nur 10 -12 Jahren. Der Vorteil gegenüber Einbaum war der geringere Tiefgang in den flachen Seitenarmen der Spree. Nachzulesen ist dies im Staatsarchiv Dresden, 10036 Finanzarchiv, Forst- und Jagdangelegenheiten, Rep. 139c, Akte 2581 Dienstkähne 1786-1811.
    Evtl. sind die Bretterkähne auch schon gemeint, wenn in einer Neu Zaucher Waldbeschreibung aus dem Jahr 1765 der Hinweis steht: „starke überständige Kiefern zu Kahnen nach dasigen Landes Art“ (in Krausch 1966).

    Viele Grüße, Peter Liesegang

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