Ein altes Foto erzählt Geschichte

Ein Foto von 1934 zeigt Leiper Konfirmanden in zwei Kähnen, angeblich vor oder nach dem Unterricht. Was an sich noch nichts Besonderes ist, doch Leipe war damals nur über das Wasser mit den anderen Spreewaldorten verbunden. Die zuständige Kirche war in Lübbenau und in etwa 1,5 – 2 Std. zu erreichen – je nach Kraft und Gegenwind. Die Kinder haben aber ziemlich sicher den Konfirmandenunterricht in ihrem Heimatort erhalten, spätestens die Konfirmation war dann aber in Lübbenau, wohin sich die Familie mit dem Kahn begeben musste. Der handschriftliche Vermerk „…fahren nach Lübbenau…“ ist eher anzuzweifeln: Dies hätte einen halben Tag Ausfall bei der Mithilfe in der elterlichen Landwirtschaft bedeutet. Daher ist eher davon auszugehen, dass der Unterricht im Ort durchgeführt wurde. Der Schwerpunkt des Unterrichts lag wegen der Hilfe im elterlichen Haushalt ohnehin in der Winterzeit. Oft zugefrorene Fließen und die zeitig einsetzende Dunkelheit hätten die Teilnahme am Unterricht erschwert oder unmöglich gemacht – und dies wäre nicht im Sinne der Kirche gewesen!

Interessant ist das Foto auch aus anderer Sicht: Es zeigt Jungen und Mädchen getrennt in jeweils einem Kahn. Staken konnte ohnehin jeder/jede, dass wurde schon als Kleinkind erlernt. Der festlichen Kleidung angemessen, könnte es aber durchaus eine Fahrt in die Stadt gewesen sein, vielleicht zur Konfirmandenprüfung, wie sich Zeitzeugen erinnern können.

Wer die Kinder von damals waren und was aus ihnen geworden ist, hat die Leiperin Marlene Jedro recherchiert (auf dem Foto v.l. nach re.):

©Marlene Jedro, 2023

Besonders tragisch: Fritz Jedro (im Kahn stehend, 3. v.r.) blieben nur acht Jahre seiner Jugend: Er fiel mit 22 Jahren 1942 im 2. Weltkrieg – geopfert und verheizt für deutschen Größenwahn!

Kriegerdenkmal Leipe (@Jedro)

Peter Becker, 13.02.23

Über Peter Becker 371 Artikel
Jahrgang 1948, Diplomlehrer, Freier Journalist und Fotograf

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