Es war wohl ein Wolf

Die Radduscher Buschmühle gehört zu den idyllisch gelegenen Orten im Spreewald. Die 1777 am Südumfluter errichtete Wassermühle wurde in den letzten Jahren aufwendig von Frank und Sabine Petzold saniert. Zum Ort Raddusch sind es zwei Kilometer, zur Leiper Dubkowmühle sind es auch zwei Kilometer. Das Grundstück ist landseitig umzäunt. In der Nacht von Samstag zu Sonntag ließen dort zwei Kamerunschafe ihr Leben, einem wurde die Kehle durchgebissen, eines ertrank auf der Flucht. Beide Tiere sollten den Grundstock für die kommenden Zuchten bilden.

Der Versuch einer Rekonstruktion: Vermutlich sprang ein Wolf über die Umzäunung oder schwamm durchs Wasser und tötete mit einem Kehlbiss ein Schaf. Das andere Tier hat wohl in Panik versucht, sich zu retten und blieb erst einmal unauffindbar. Stunden später wurde es im zum Grundstück gehörenden Schweißgraben unter der dünnen Eisdecke gefunden. Es war ertrunken und wies keine sichtbaren Verletzungen auf.

Frank und Sabine Petzold haben von all dem nichts mitbekommen, die beiden Ponys standen am Morgen, als Frank Petzold seine Runde ums Haus machte, scheinbar unbeeindruckt in ihrem Unterstand, keine 20 Meter vom späteren Fundort der Schafe entfernt. Von diesen allerdings keine Spur, sie wären ihrem Halter wie sonst auch immer entgegengekommen. Frank Petzold ahnte schon, dass hier etwas nicht stimmt. Und da sah er schon eines der Tiere unweit des Hauses am Schweißgraben liegen: Es war aufgerissen, der hintere Lauf war bis zur Hüfte abgenagt, am Hals deutliche Bissspuren, offensichtlich wurde mehrmals zugebissen. 

Der hinzugezogene Wolfsrissberater vermutet eine Attacke eines Jungwolfes, der Zahnabstand beim Kehlbiss spricht dafür. Vermutlich war es auch ein Einzelgänger auf der Suche nach einem neuen Revier.  Ob es tatsächlich ein Wolf war, ergibt sich erst aus der Auswertung der DNA. 

Für Frank Petzold ist der Verlust seiner Zuchttiere ein herber Schlag: „Ich muss zukünftig die Tiere abends einstallen – wenn ich wieder neue Schafe habe. Eine Wolfsumzäunung, wie vorgeschrieben, ist nicht machbar, dazu müsste ich auch einen Zaun entlang des Südumfluters errichten – und das wollen weder wir noch andere: Das Bild des historischen Gebäudes würde darunter stark leiden. Ob meine Hunde die Attacke hätten verhindern können? Vielleicht, vielleicht hätten sie dabei auch ihr Leben lassen müssen – ich weiß es nicht! So sind wenigstens sie uns geblieben“. Frank Petzold ist selbst Jäger, er macht sich Gedanken über die Populationszunahme: „Der Wolf scheint seine Scheu verloren zu haben, wenn er sich auf ein nachts beleuchtetes Grundstück traut, selbst der Geruch der Hunde, den er sicher wahrgenommen hat, hat ihn offensichtlich nicht gestört – für mich gehört er endlich ins Jagdrecht aufgenommen!“

Alexander Hoschke von der Naturwacht Lübbenau bietet Betroffenen an, sie zu beraten und ihnen Möglichkeiten aufzuzeigen, wie sie ihre Tiere schützen können und mit welcher finanziellen Unterstützung sie prophylaktisch, aber auch im Schadensfall rechnen können. „Wir kennen das Prozedere und geben gern vor Ort Hilfe und Unterstützung. Wir wissen, dass Wölfe im Spreewald unterwegs sein können und wir wollen allen Tierhaltern helfen, ihre Nutztiere zu schützen!“

Info-Box:

Was tun bei Verdacht auf Wolfsriss im Spreewald?

  1. Information der Risshotline: 0172 5641700
  2. Einbeziehung der Naturwacht: 03542-892123 oder 01757213068

Peter Becker, 17.01.22

Über Peter Becker 274 Artikel
Jahrgang 1948, Diplomlehrer, Freier Journalist und Fotograf

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