Saisonstart ohne Start – Paddelbootverleiher nutzen Zeit für Liegengebliebenes

Gereinigt, repariert und fit für die Saison, warten die Nostalgikboote auf ihren Einsatz.

Manfred und Thomas Franke, Vater und Sohn, nutzen die außergewöhnliche Ruhe für Dinge, die sie sich jedes Jahr vorgenommen haben, aber zu denen letztlich immer die Zeit fehlte. Sehr oft hat sich Juniorchef Thomas Franke über die gleiche Stelle geärgert, über die er immer wieder gestolpert ist: „Man müsste mal ein paar Versteifungen unter die Gummibeläge anbringen, damit sie eben liegen…“, lautete die regelmäßige Schlussfolgerung. Nun wird er und seine Mitarbeiter nicht mehr stolpern, das Problem gibt es nicht mehr. Manfred Franke hat sich die Ausbesserung der „Wellenbrecher“, wie die Süllbretter heißen, vorgenommen. Diese stehen senkrecht um den Sitzbereich und schützen den Paddler vor überschwappendes Wasser. Dazu hat er Eschenbretter in einem speziellen Verfahren gebogen, ganz so wie der Kahnbauer seine Bordwände biegt. Doch diesmal war er mit seiner Arbeit nicht zufrieden: Jeweils am Ende waren die Bretter verfärbt, die schöne Holzstruktur durchbrochen. „So etwas verbauen wir nicht“, erklärt Thomas Franke. „Unsere Boote aus den 80er und 90er Jahren leben von der Holzoptik – und das soll so bleiben“, ergänzt er noch.

Manfred und Thomas (re.) Franke beim Einpassen der Süllbretter.
Anrufe unterbrechen immer wieder die Arbeit!

Er muss immer wieder die Arbeiten an den Paddelbooten unterbrechen, denn fast im Minutenabstand klingelt das Telefon. Thomas Franke: Paddellustige wollen wissen, wann es endlich wieder los geht. „In Berlin soll die touristische Nutzung von Booten inzwischen wieder erlaubt sein, bei uns in Brandenburg nicht. Diese unterschiedlichen Regelungen verwirren die Leute.“ Der Unternehmer musste zum 1. April für seine zwei Mitarbeiter Kurzarbeit anmelden und hofft wie alle anderen Touristiker auch auf eine baldige Freigabe. Ein Infektionsrisiko sieht er nicht wirklich bei nur zwei Personen im Boot. Dennoch hat er vor längerer Zeit schon Desinfektionsspender geordert, aber die Lieferung lässt auf sich warten.

„Zeus“ beim Warten auf Paddelkundschaft.

Die Hoffnung auf baldige Eröffnung scheint sich auch auf die Hofhunde, die ansonsten für Sicherheit sorgen, übertragen zu haben. Besonders „Zeus“ sitzt am Eingang und schaut erwartungsvoll durch die Gitter. Aus der Richtung, aus der sonst die Paddelwilligen kamen, kommt derzeit – nichts. Die Stille auf dem Gelände scheint auch einer Wildente zu gefallen: In einem Brunneneimer hat sie sieben Eier gelegt und brütet sie nun stoisch und eben in aller Ruhe aus. „Mal sehen, wie sie ihre Küken dann aus dem Eimer bekommt“, sagt Manfred Franke, der jeden Morgen hinschaut und aufpasst, dass das Tier auch weiterhin seine Ruhe hat. Den Hunden wurde schon mal das Brutareal verboten.

Brüten im Eimer

Peter Becker, 23.04.2020

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Jahrgang 1948, Diplomlehrer, Freier Journalist und Fotograf