Corona macht Köche zu Gärtnern

In diesen Tagen läuft die Frühjahrsbestellung auf Hochtouren. In der Göritzer Agrar GmbH ist das derzeitig das Legen der Maiskörner. Uwe Noack steuert seine Maschinentechnik über einen 20-Hektar-Schlag bei Märkischheide – weithin sichtbar eine Staubwolke mitschleppend. Glücklicherweise hat er die Wolke meist hinter sich, wenn nicht grad der Wind von hinten kommt. Der Wind ist neben der Trockenheit ein weiteres Problem, denn er kann das Saatgut freilegen, zum Nutzen der Tierwelt. Thomas Goebel, Geschäftsführer der GmbH und zugleich Vorsitzender des Südbrandenburger Bauernverbandes: „Wir steuern auf das dritte Dürrejahr zu, doch wir Landwirte sind und bleiben optimistisch. Die diesjährige Trockenheit hat sehr zeitig begonnen, als der große Wasserbedarf der Pflanzen noch nicht eingesetzt hatte. Vielleicht rettet uns ein kühl-nasser Mai!“ Worte, die manch Städter und Sonnenhungriger nicht gern hört, die aber beschreiben, was die Existenz aller ausmacht. Ohne einheimischer starker Landwirtschaft ist die Nahrungsmittelindustrie auf Importe letztlich aus aller Welt angewiesen.

Maisbestellung

Die Göritzer sind aktuell dabei, auf 300 Hektar Mais zu legen, davon ist fast alles vorher nicht umgepflügt worden. „Es ist eine Maßnahme, der Verdunstung entgegen zu wirken, denn durch das Umpflügen werden sonst die tieferen und noch feuchten Bodenschichten der Vertrocknung preisgegeben.“ Thomas Goebel benennt hier eine der Lehren aus den letzten Dürrejahren. Gleichzeitig setzen die Göritzer mehr auf Getreidearten mit weniger Wasserbedarf, wie etwa dem Roggen. Gleichzeitig sorgen sie für mehr Beschattung durch Unterwuchs.

Die Göritzer Agrar GmbH ist weithin durch ihre Bauernküche, den Hofläden und ihren Märkten bekannt. Vor Corona fluorierte das Mittagsgeschäft in der Göritzer Anlage, so manch Gast wurde zugleich Kunde im Hofladen und nahm sich regionales Gemüse mit nach Hause. Die Gastronomie musste den gesetzlichen Regelungen folgend eingestellt werden, doch der Gemüse- und aktuell der Pflanzenbedarf stieg dagegen an. Offensichtlich setzen Klein- und Hobbygärtner wieder vermehrt auf Eigenproduktion von Gemüse. Thomas Goebel: „Eigentlich hätten wir für unser Küchenpersonal Kurzarbeit anmelden müssen, aber anderseits ist der Arbeitsaufwand in unserer Gärtnerei in Fleißdorf angestiegen. Unsere Köche und Köchinnen, Jan Weidner und Steffi Noack, haben ihre weiße Arbeitskleidung an den Haken gehangen und ernten in den Fleißdorfer Anlagen Gemüse, zurzeit sind das vorrangig Radieschen“. Wie zum Beweis holt er eine Gemüsestiege aus seinem Auto und bringt das knackig-rote Gemüse in den Göritzer Hofladen zum Verkauf. Da dort immer noch der beliebte Blechkuchen aus dem Backofen angeboten wird, hält ihnen zumindest die Stammkundschaft die Treue.

Auf den Märkten der Region ist dagegen der Konkurrenzdruck gestiegen. Mehr polnische Händler als zuvor bieten ihre Produkte an. „Das mag angesichts geschlossener Grenzen verwunderlich wirken, aber der Warenverkehr ist nun mal erlaubt. Und die polnischen Händler haben in Deutschland Quartier genommen, das erspart ihnen die ansonsten erforderliche Quarantäne in ihrer Heimat“. Thomas Goebel kann sich das vermehrte Auftreten der polnischen Mitbewerber nur so erklären.

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Jahrgang 1948, Diplomlehrer, Freier Journalist und Fotograf