Bernd Konrad – das Gesicht des Burger Festgeschehens

Der Burger Heimat- und Trachtenverein führte das historische Kartoffelhacken vor.

Wer in Burg geboren wurde, der wuchs wie von selbst ins Wendische hinein. Bernd Konrad war ein Kind deutscher Umsiedler, die 1945 ihre jenseits der Neiße gelegene Heimat verlassen mussten. Der 1956 geborene Bernd Konrad lernte Gärtner und wurde Mitglied der Domowina-Dorfjugendgruppe. Schon nach kurzer Zeit wurde er Vorsitzender – aber nur so lange, bis er verheiratet war. Dem Brauchtum entsprechend, war er nun „erwachsen“ und somit Mitglied der „Verheirateten“, die sich bei Dorffesten und Festumzügen entsprechend zeigten.

Bernd Konrad arbeitete bis zur Wende in der Burger LPG Gartenbau. Als billiges – wenn auch längst nicht besseres-   Gemüse und Obst vom Westen her in die Läden kam, bedeutete dies das Aus für die Burger Produzenten. Bernd Konrad fand Arbeit bei einer Baufirma als Bauelementemonteur, er baute und passte Türen und Fenster ein –  Arbeit gab es genug, der Modernisierungsbedarf war riesig.

Doch als angestammter Burger hatte er immer auch noch ein Auge auf die Traditionspflege. Frei von staatlich-sozialistischer Beeinflussung und Lenkung, lebte nach der Wende, wie überall im Osten Deutschlands, das Vereinswesen auf, was 1992 zur Gründung des Burger Heimat- und Trachtenvereins führte. Bernd Konrad wurde Mitglied, und zwar ein so rühriges, dass er zwei Jahre später den Vorsitz angetragen bekam. Für ihn und seinen Vorstand war es eine große Aufgabe, die unterschiedlichen Interessen zu bündeln und das Vereinsleben auch nach außen hin zu zeigen. Die Arbeit hat sich gelohnt, denn im Ablauf eines jeden Jahres haben sich die Vereinsaktivitäten inzwischen im Burger Kalender festgeschrieben: Es beginnt mit dem Preismaskenball, es folgt die Fastnachtszeit mit Zampern und Umzügen, gelegentliche Auftritte vor Urlaubern und vor allen Dingen das weithin bekannte Burger Heimat- und Trachtenfest, gefolgt vom historischen Kartoffelhacken.

Auch ein Macher wie Bernd Konrad, der zudem noch im Festkomitee aktiv mitarbeitete, stößt irgendwann mal an Grenzen. „Die Leute zusammenzuhalten, die unterschiedlichen Vorstellungen zu bündeln, mit den Ämtern zu kommunizieren… das kostet neben der Zeit auch Nerven. Nach Beratung in der Familie hatte ich beschlossen, 2009 den Vorsitz niederzulegen“, blickt er zurück. In der Folge gab es trotz aller ausgleichenden Bemühungen des neuen Vorstandes Turbulenzen und Dissonanzen, die für den Heimatverein existenzbedrohend zu werden schienen. Wieder war es seine Familie, die ihm 2013 anriet, doch wieder den Vorsitz zu übernehmen. „Die Arbeit ist nicht leichter geworden, sie ist schwierig geblieben, aber ohne Verein kann und will ich, und wohl auch die große Mehrheit der Mitglieder, nicht leben. Wir sind das einfach unserem Dorf und seiner Geschichte schuldig“, schätzt er heute ein. Nach seiner Erfahrung gibt es in dem Verein, wie wohl in jeder ähnlich gelagerten Verbindung, einen traditionellen Flügel, der an Althergebrachtem festhalten will und die Jüngeren, die gern Neues ausprobieren wollen, für die die Tradition nicht das „Bewahren der Asche, sondern das Forttragen der Glut“ ist.

Inzwischen ist Bernd Konrad verwitwet. Die veränderten Lebensumstände lassen ihn erneut ein Ende anzielen. Er will sich für 2022, zur turnusmäßigen Neuwahl, nicht wieder aufstellen lassen, will aber seinem Verein treu bleiben, der für ihn viel Herzblut bedeutet. „Ich kann mir gut vorstellen, auch weiterhin gewisse organisatorische Aufgaben zu übernehmen, etwa das historische Kartoffelhacken“, sagt Bernd Konrad.

Aufgaben wird es ohnehin reichlich geben, denn erstmalig soll das Burger Heimat- und Trachtenfest im Wechsel mit den Amtsgemeinden ausgetragen werden. Werben wird 2021 zum 675-jährigen Ortsbestehen der Ausrichter sein – so das Pandemiegeschehen es zulässt.

Nicole Schlenger, die Burger Tourismusamtsleiterin schätzt Bernd Konrad für seine verlässliche Arbeit: „Er ist das Gesicht des Heimat- und Trachtenvereins. Mit seinem Engagement hat er es geschafft, den Verein zusammenzuhalten, die Mitglieder mitzuziehen und so auch das kulturelle Leben von Burg zu bereichern. Seit mehreren Jahren wird zum Beispiel das traditionelle Schobern zum Handwerker- und Bauernmarkt durch den Verein vorgeführt. Wir sagen Danke für sein unermessliches Engagement!“

Peter Becker, 24.08.2020

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Jahrgang 1948, Diplomlehrer, Freier Journalist und Fotograf

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