Klaus Haufe – ein Burger Gästeführer berichtet

Eröffnung Wanderweg am Waldschlösschen Burg

Wohnhaft in der Spreewaldgemeinde Burg seit 1953 und nach einem fast 40 Jahre währenden Berufsleben als Pädagoge bis 1992 an den Schulen des Ortes, reizte mich schon zwei Jahre später -die liebgewordene, einzigartig herrliche Spreewaldlandschaft täglich vor Augen- ein neues Metier. Fast drei Jahrzehnte engagierte ich mich für das Gebiet des Tourismus, dem Spreewaldtourismus insbesondere. Gerade der Spreewald mit seiner einzigartigen Landschaftsidylle lockte besonders nach der deutschen Vereinigung viele Besucher aus Ost und West hierher. War es anfangs noch mehr der florierende Bustourismus, so begann nach einem raschen Ausbau eines weitläufig und dennoch dichten Radwegenetzes auch an der Spreewaldregion ab 1994 ein großes Interesse an reizvollen Fahrradtouren mit Führung durch einen örtlichen Begleiter. Neun Radtouren, in der Mehrzahl als Rundtouren mit Ausgangsort Burg von mir arbeitet und erkundet, kamen ins Programm. Die Oberspreewaldtour (zirka 40 Kilometer), die Mühlentour mit Straupitz (zirka 30 Kilometer) und ab 2019 eine Fontanetour (zirka 25 Kilometer) und eine Gurkentour (zirka 30 Kilometer) fanden immer große Resonanz. Darin eingebundene Besuche in der Holländermühle und der Schinkelkirche in Straupitz, des Wappensaals und der Paul-Gerhardt-Kirche in Lübben, im Schlossensemble in Lübbenau, des Freilandmuseums in Lehde, der Slawenburg Raddusch, in der deutsch-wendischen Doppelkirche in Vetschau, in der Gurkenfirma Rabe in Boblitz wie auch des Gemüsehofes Ricken in Vetschau sowie die Kahnfahrten von den Häfen des Oberspreewalds aus, fanden bei allen Touristen stets ein großes Interesse und waren mit erfreulichen Lobeshymnen verbunden. Stark beeindruckten immer wieder die einzigartige, Ruhe ausstrahlende, von zahlreichen Fliesen durchzogenen und von viel Grün bewachsene Auenlandschaft. Darin eingebettet und fast versteckt, befindet sich das wasserlabyrinthreiche kleine Lagunendorf Lehde – ein Juwel des Spreewalds. Inmitten des Oberspreewaldes liegt das einstige Fischerdorf Leipe, welches erst 1969 eine feste Verkehrsverbindung erhielt, aber einen der schönsten Radwege des Spreewalds in Richtung Lübbenau aufzuweisen hat und der jährlich von Tausenden von Urlaubern genutzt wird. Auch ich nutzte diese Verbindung zwischen Burg und Lübbenau immer in bester Stimmung mit meinen Touristen. Noch ein Kleinod besitzt der Oberspreewald, und das gibt es in der Gemarkung Burg. Etwas außerhalb des Zentrums öffnet sich in alle Richtungen ein sehr typisches und bewundernswertes Spreewaldbild: Streusiedlung genannt. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts kam es zur Anlage einer stark verstreuten Siedlung, die noch heute das Landschaftsbild prägt und Ruhe und Erholung gestattet.

Ein großes Vorbild für mich ist der berühmte Dichter, Schriftsteller und Wanderer durch die Mark Brandenburg, Theodor Fontane, der dem Spreewald vom 6. bis 8. August 1859 einen Kurzbesuch abstattete und ihn bei einer Kahnfahrt von Lübbenau aus erleben durfte. Dem genügten nur 12 Stunden auf dem Kahn, um die einmalige Spreewaldlandschaft dann als „Venedig des Nordens“ zu bezeichnen – einfach genial. Diese Huldigung kann ich nur noch achtvoll beifügen: Auch ich verehre und liebe diesen Spreewald, wie er war und heute ist. Alle meine ungezählten Spreewaldtouren, ob per Fahrrad oder mit dem Bus, endeten stets bei der Verabschiedung der Gäste mit dem Gedicht von Theodor Fontane:

„Und dass dem Netze dieser Spreekanäle

nichts vom Zauber von Venedig fehle,

durchfurcht das endlos wirre Flussrevier

mit seinem Kahn der Spreewald Gondolier.“

2022, nun schon 88-jährig, endeten meine touristischen Touren durch den Spreewald. Möge noch vielen Bewohnern unserer Erde das Erleben der einzigartige Idylle des Spreewalds jederzeit vergönnt sein. Das ist mein Wunsch!

Klaus Haufe, Burg (Spreewald)

Peter Becker: Diktat nach handschriftlicher Zuarbeit vom 15.08.23

Über Peter Becker 373 Artikel
Jahrgang 1948, Diplomlehrer, Freier Journalist und Fotograf

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