Bauernmalerei = malende Bauern?

Workshop der LÜBBENAUBRÜCKE e.V. am Gleis 3 mit Ute Henschel

Ute Henschel, Leiterin der Niedersorbischen Schule in Cottbus und selbst erfolgreich in den bildnerischen Künsten unterwegs, klärt eingangs auf: „Es handelt sich bei der Bauernmalerei in der Regel nicht um die Kunstwerke malender Bauern, sondern um zumeist farbige Schmuckelemente auf Bauernmöbel, wie Truhen oder an Schranktüren, die regionaltypisch sein können und weniger einen Kunstanspruch darstellen“. Dabei ist nicht auszuschließen, dass einst an langen Winterabenden auch so manch talentierter Bauer zu Pinsel und Farbe gegriffen haben könnte. Mancher war dabei vielleicht so erfolgreich, dass er sich mit seiner Arbeit ein Zubrot verdienen konnte.

Auffällig an der Bauermalerei ist, dass die Motive je nach Region variieren. Tiroler Bauernmöbel unterscheiden sich daher von norddeutschen – oder den sorbischen/wendischen der Lausitz.

Ute Henschel hat Fotos von bemalten Möbeln aus dem Lehder Freilandmuseum mitgebracht und anhand der Motive den Kursteilnehmerinnen das Prinzip der Bauernmalerei erläutert: die farbenprächtigen Motive sind fast immer symmetrisch um ein Zentralelement angeordnet.

Den Kursteilnehmerinnen erleichtert sie die Arbeit, sie müssen ihre ersten Versuche nicht gleich mit Permanentfarben auf Möbelstücke aufbringen. Bleistiftvorlagen auf Papier, abgenommen von Originalen, dienen den ersten Malversuchen, zu denen auch das Anmischen der Acrylfarben gehört. Mit ruhiger Hand werden die teils filigranen Elemente ausgefärbt. „Wichtig ist, dass man keine Pinselstrukturen, besonders bei den Untergründen, erkennt, die Flächen müssen homogen wirken“, lautet Ute Henschels Hinweis.

Malinteressierte Damen haben den von der LÜBBENAUBRÜCKE organisierten mehrabendlichen Kurs gebucht, um ihr künstlerisches Talent zu pflegen oder um es in ihrer beruflichen Arbeit anwenden zu können. Tina Schmidt und Anke Gräfe sind Horterzieherinnen im WITAJ-Projekt, die besonders an den sorbischen Motiven interessiert sind. Ein willkommener Nebeneffekt: Ute Henschel hat ihnen einen Handzettel mit den niedersorbischen Begriffen rund um die Bauernmalerei übergeben. „Wir können so mit unseren Kindern an heimatlichen Originalmotiven arbeiten und gleichzeitig zweisprachig vorgehen“, erzählen die Horterzieherinnen Tina Schmidt aus Lübben und Anke Gräfe aus Vetschau. Die Lübbenauerin Doris Rehbein ist einfach „nur so“ da: „Ich habe schon immer gern gemalt und im Zeichnen stets eine Eins gehabt. Ich habe mit dem Malen nie aufgehört und finde es in der Gemeinschaft, wie hier in den Kursen, produktiver, weil ich sofort ein Feedback bekomme“.

Peter Becker, 07.12.21

Über Peter Becker 281 Artikel
Jahrgang 1948, Diplomlehrer, Freier Journalist und Fotograf

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