Karl Albinus – der vergessene Spreewaldfreund

Gedenktafel Carl Albinus
Alte Postkarte mit Gedenktafel Carl Albinus
Im Fährmannszimmer der Pohlenzschänke: Gedenktafel an Carl Albinus

Besucher der Pohlenzschänke wundern sich gelegentlich über eine verwitterte Gedenktafel auf einem Sockel in unmittelbarer Nähe des Anlegestegs. „Karl Albinus“ lässt sich mühevoll entziffern, und vielleicht noch „des Spreewaldes treuester Freund“. Mehrmals ist die Tafel, die von einem Herrn Greude im Auftrag des Lübbenauer Tageblattes nach 1890 errichtet worden sein soll, schon vom Sockel gestoßen worden und zerbrochen. Vielleicht wollte sich der eine oder andere Gast der Ausflugsgaststätte inmitten des Spreewaldes auch nur daran festhalten, während er auf den Kahn wartete. Joachim Fittkau, der langjährige Besitzer der Pohlenzschänke, hat die Bruchstücke immer wieder zusammengeklebt und die Tafel restauriert.[1] Karl Albinus wurde am 20. Februar 1839 in Görlitz geboren. Sein Vater war Geheimer Oberpostdirektor, der zuerst in Görlitz und später in Breslau tätig war. Sohn Karl[2] besuchte die Liegnitzer Ritterakademie und legte dort das Abitur ab. Unmittelbar danach trat er in Spremberg in den Militärdienst ein. Karl Albinus nahm als Offizier an den Feldzügen gegen Dänemark, Österreich und Frankreich teil. Bei der Belagerung von Paris tat er sich besonders hervor, hier wurde ihm das Eiserne Kreuz verliehen.

Ende der 1870er Jahre erkrankte er an einem Leberleiden und musste den Dienst quittieren. Er wählte den Spreewald als Erholungsort, weil er hier viel Ruhe und ein Leben ganz dicht an der Natur zu finden hoffte. Die nötige Ruhe und Abgeschiedenheit fand Karl Albinus in der Leiper Pohlenzschänke. Hier war er Dauergast, hier konnte er ungestört arbeiten und sich gesundheitlich für eine Zeit etwas erholen. Anfangs und wohl auch den Winter über, wohnte er in Lübbenau. Hier kam er mit dem Lehrer und Chronisten Paul Fahlisch (1844 – 1930) zusammen. Von ihm wurde er inspiriert, Forschungen zur Geschichte der Stadt und seiner Bewohner aufzunehmen. Karl Albinus machte sich bald durch Veröffentlichungen in Zeitungen, wie im Lübbenauer Tageblatt und in der Berliner Vossischen Zeitung, einen Namen. Ihn zeichnete akribisches Recherchieren aus, nur Unumstößliches, Wahres war für ihn wert, in die Geschichtsforschung aufgenommen zu werden. „Ich habe es mir zum Gesetz gemacht, was nicht bedingungslos richtig ist, was zweifelhaft ist, als zweifelhaft zu behandeln“, schrieb er einmal an Paul Fahlisch. Mit den oft ihm gegenüber besserwissenden Spreewäldern ging er gnadenlos ins Gericht: „Man tut seiner Heimat einen größeren Dienst, als die blöde Menge es glaubt, wenn man wissenschaftlich tätig wird.“ Große Aufmerksamkeit widmete er in seinen Forschungen den „Slawen“, wie er die angestammte Bevölkerung nannte. Karl Albinus vertrat die Auffassung, dass „überelbische Chronisten“ keine Ahnung haben und sprach ihnen das Recht ab, über die Slawen zu urteilen. Er nahm stets Partei für die Sache der Wenden und schützte sie vor den aufkommenden Angriffen aus der deutschen Ecke. Sein einerseits soldatisch straffes und korrektes Wesen verband sich andererseits mit Milde, Herzensgüte, Frömmigkeit und Gerechtigkeit.

Leider verschlimmerte sich inmitten seines Schaffens sein Gesundheitszustand. Sein großes Werk, die „Geschichte der Spreewälder“ wollte er erst 1890 erscheinen lassen. „Sterbe ich vorher, verliert die Welt ganz und gar nichts … anderseits ist die historische Wahrheit grausam und reißt so manchen schönen Wahn entzwei“, lässt er gegenüber Fahlisch wissen. Gerade mal fünfzigjährig verstarb er am 1. Oktober 1889 in der Pohlenzschänke. Seine letzte Ruhestätte fand er in Lübbenau, am Grab wurden ihm vom Kriegerverein zum letzten Mal die militärischen Ehren erwiesen. Paul Fahlisch vermisste den streitbaren Chronisten sehr. In seinem Nekrolog über Karl Albinus schreibt er: „Nur den Spreewald wollt‘ er leben, nur dem Spreewald galt sein Streben!“[3]

Peter Becker, überarbeitet Jan. 2018   

[1] An dieser Säule soll die damals 4-jährige Wilhelmine Wittka (die spätere Dichterin Mina Witkojc) täglich ergebnislos auf die Rückkehr ihrer Mutter gewartet haben. Wilhelmine lebte damals bei ihrem Vater Fritz Pohlenz. Sie war dessen uneheliches Kind, ihre Mutter war nach ihrer Zeit in der Pohlenzschänke als Dienstmädchen in Berlin tätig.

[2] Schreibweise auch mit „C“ üblich. Paul Fahlisch schreibt in seinem Nekrolog den Vornamen mit „K“. Da er ihn persönlich kannte, ist anzunehmen, dass diese Schreibweise auch von Albinus selbst so angewandt wurde.

[3] Neues Lausitzsches Magazin, Görlitz, Band 66 (1890) S. 315 – 317; P. Fahlisch: Nekrologe

 

 

[1] An dieser Säule soll die damals 4-jährige Wilhelmine Wittka (die spätere Dichterin Mina Witkojc) täglich ergebnislos auf die Rückkehr ihrer Mutter gewartet haben. Wilhelmine lebte damals bei ihrem Vater Fritz Pohlenz. Sie war dessen uneheliches Kind, ihre Mutter war nach ihrer Zeit in der Pohlenzschänke als Dienstmädchen in Berlin tätig.

[1] Schreibweise auch mit „C“ üblich. Paul Fahlisch schreibt in seinem Nekrolog den Vornamen mit „K“. Da er ihn persönlich kannte, ist anzunehmen, dass diese Schreibweise auch von Albinus selbst so angewandt wurde.

[3] Neues Lausitzsches Magazin, Görlitz, Band 66 (1890) S. 315 – 317; P. Fahlisch: Nekrologe   

 

Über Bomenius 93 Artikel
Jahrgang 1948, Diplomlehrer, Freier Journalist und Fotograf

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