Die Straupitzer Interessengemeinschaft Spreewaldbahn e. V. ist der größte Sachverwalter der ehemaligen Schmalspurbahn.

Vorabdruck aus dem Buch „Die Spreewaldbahnen – ein Rückblick auf 175 Jahre Verkehrsgeschichte“ (Regia-Verlag Cottbus)

Der ehemalige Straupitzer Bahnhof im Frühjahr 2021

Der 2010 gegründete gemeinnützige Verein hat sich das Ziel gestellt, die Geschichte der Spreewaldbahn zu bewahren und zu pflegen. „Damit soll das Heimatbewusstsein unserer Bevölkerung gestärkt und ein Stück Geschichte vor dem Untergang bewahrt werden“, heißt es in der Satzung. Diesem Ziel ist der Verein in den letzten Jahren sehr nahe gekommen, denn auf dem Gelände des ehemaligen Straupitzer Bahnhofs gibt es ein Museum mit Wagen- und Gleistechnik, mit Informationstafeln und vielen Dingen, die den Bahnalltag ausmachten. 

Wagentechnik auf dem Museumsbahnhof Straupitz (Fotos: P. Becker)

Besonders erwähnenswert ist der Umstand, dass die IG, wie sie kurz genannt wird, an den ehemaligen Bahnhöfen und Haltestellen 23 Informationstafeln aufstellte, die über die Bahngeschichte konkret am Ort informieren. Zusätzlich wurden und werden Bahnhofsschilder an einigen exponierten Orten aufgestellt. Sie sind den früheren Stationsschildern nachempfunden. Ermöglicht wurde dies durch ein EU-Förderprogramm in Zusammenarbeit mit der Wirtschaftsförderung Burg. Besonders die Urlauber und viele der Einheimischen, die die Bahn nicht mehr aus eigenem Erleben kennen, erfahren so viel über den einstigen Verlauf und die Geschichte der Kleinbahn. Das Piktogramm mit der stilisierten Dampflok steht dabei für die touristische Themenroute „Auf den Spuren der Spreewaldbahn“, die abgewandert oder mit Fahrrad zurückgelegt werden kann. Bahngeschichte hautnah – ganz dem Satzungsziel der IG entsprechend!

Stationstafel der IG Spreewaldbahn e. V. am Bahnhof Byhlen, hier zweigte einst die Strecke nach Lieberose ab.

Das Gelände des Straupitzer Bahnhofs, in kommunalen Besitz befindlich, bot sich für ein Freiluftmuseum an. Der Spreewaldort lag inmitten des Streckennetzes und stellte somit eine Besonderheit bei den Kleinbahnen dar, die in der Regel immer einen Ausgangsbahnhof, meist eine größere Stadt, als Betriebshof hatten. Neben Cottbus und Lübben war Straupitz ein wichtiger Betriebspunkt. Das Bahnbetriebswerk (Bw) der Spreewaldbahn war Straupitz, hier war auch der Ort des Baubeginns der Lübben-Cottbuser Kreisbahnen, wie die Spreewaldbahn damals offiziell hieß. Am 15. März 1897 wurde mit einer festlichen Grundsteinlegung für das Straupitzer Bahnhofsgebäude der Baubeginn der Spreewaldbahn gestartet. Der Cottbuser Spreewaldbahnhof wurde dagegen, anders als vielleicht erwartet, aufgrund verzögerter Flächenverfügbarkeit später begonnen und erst am 5. Dezember 1904 eingeweiht. Das Bahnbetriebswerk Straupitz war das Heimatbetriebswerk der Bahntechnik, besonders der acht Dampflokomotiven und eines Triebwagens. In Straupitz teilte sich die Strecke nach Lübben und Goyatz, und in Straupitz blies am 4. Januar kurz nach Mitternacht die 99 5703 ein letztes Mal Rauch und Dampf in den kalten Winterhimmel, bevor der Kessel für immer erkaltete – die Spreewaldbahn wurde Geschichte.

1948: Straupitzer feiern 50 Jahre Spreewaldbahn, oben 2.v.l Horst Rindt, damals noch Lehrling, ab 1966 Bahnhofsvorsteher in Straupitz (Foto-Steffen)

Die Gründung des Vereins ist auf ein Straupitzer Schulprojekt zurückzuführen. Der Straupitzer Lehrer Wolfgang Raband hatte schon um 1980 eine Arbeitsgemeinschaft „Spreewaldbahn“ ins Leben gerufen. Im Rahmen der Tätigkeit der AG wurden Materialien gesammelt und Zeitzeugen befragt. In den besten Bahnzeiten waren immerhin bis zu 60 Straupitzer bei der Bahn beschäftigt; noch gab es Menschen, die sich an ihre Arbeit, an ihre Bahn, gut erinnern konnten. Große Unterstützung bekamen die Eisenbahnfreunde vom langjährigen Straupitzer Bahnhofsvorsteher Horst Rindt, der aus seinem reichhaltigen Lebens- und Erfahrungsschatz vieles beisteuern konnte.

Zum 110. Jahrestag der Spreewaldbahn (2008) richtete ein Freundeskreis eine Ausstellung im ehemaligen Empfangsgebäude des Straupitzer Bahnhofs aus, im gleichen Gebäude, in dem am 4. Januar 1970 dem Ende der Bahn eine kleine Feierstunde gewidmet war. Der Besucherandrang war überwältigend, etwa 1200 Gäste weilten auf dem Bahngelände – ein sichtbarer Beweis, dass die „Guste“ nicht vergessen war, sie noch bei vielen in Erinnerung war. Für die Veranstalter erwuchs daher die Verpflichtung, noch mehr zu tun, um das Andenken an die Bahn zu bewahren. Die Gründung der IG Spreewaldbahn e. V. war nur folgerichtig. Inzwischen mühen sich 35 Mitglieder, Sachzeugen der Bahngeschichte ausfindig zu machen, zu restaurieren und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Auf dem Straupitzer Gelände wurden im alten freigelegten Gleisbett Schienen in der Originalbauweise verlegt, zusätzlich noch ein zweites Gleis mit 70 Meter Länge. Dazu mussten 20 t Schwellen, 20 t Schienen und 100 t Schotter beschafft, transportiert und verlegt werden. Auf diesem Gleis tuckert bei Veranstaltungen eine kleine Diesellok, eine Leihgabe eines Nürnberger Bahnfreunds. 

Vorstandsmitglied Philipp Seemann bedient die Gmeinder-Diesellok, Bj. 1951

Im Laufe der Jahre wurde noch vorhandene Bahntechnik zurück in den Spreewald geholt, zumeist von der Harzer Schmalspurbahn. Die Fahrzeuge und Wagenkästen konnten bundesweit von Privatpersonen oder Museumsbahnen erworben werden. Die Vereinsfreunde scheuten weder Mühen noch Kosten und organisierten Schwerlasttransporte von den Fundorten zurück nach Straupitz. So kam auch die Schmalspurdiesellok  vom Typ V10C, die bis 1983 noch den Gleisanschluss zum Cottbuser Militärflugplatz absicherte und zwischenzeitlich in Wernigerode beheimatet war, im Jahr 2018 zum Bestand des Vereins. 

Spreewaldbahnhof Goyatz in H0, zu sehen im Ausstellungsraum des Vereins.

Der Verein teilt sich mit dem Jugendclub Straupitz den Anbau des Straupitzer Bahnhofsgebäudes, welcher früher die Mitropa/Bahnhofsgasstätte und Verwaltungsräume war. In den Museumsräumlichkeiten des Vereins gibt es eine Spur 0 Modellbahn nach Vorbild der Spreewaldbahn mit dem Bahnhof Goyatz. Ein Modellbauer, Volkmar Schuhmann aus Lutherstadt Wittenberg, zugleich ein großer Spreewaldfreund, hatte diese Anlage geschaffen und sie inzwischen dem Verein übereignet. Der große Außenbereich mit der Fahrzeugsammlung des Vereins erfordert regelmäßige Pflege und Wartung durch die Mitglieder. Die Vereinsfreunde um den Vorstand Sven Kasparz, Philipp Seemann und Peter Michelchen organisieren wöchentlich einen Arbeitseinsatz. Sie haben sich noch viel vorgenommen, die teilweise vor sich hin rostende Wagentechnik soll saniert werden, auch die teilweise fehlenden Fahrgestelle sollen irgendwann wieder unter die Wagenkästen. Und ein sehr weites Fernziel haben sie auch noch im Auge: Vielleicht gelingt die Reaktivierung der Spreewaldbahn auf einer Teilstrecke zwischen Burg und Straupitz. Die Touristen würde es sicher freuen, die Straupitzer auch, denn mit der Schinkelkirche, dem Hafen, dem Speicher und der Holländermühle haben sie auch etwas zu bieten.

Der Verein führt regelmäßig Spreewaldbahnfeste durch, jeden ersten Samstag im Monat (Mai bis Oktober) können sich Besucher vor Ort von dem Fortgang der Arbeiten überzeugen. Die Webseite ig-spreewaldbahn.de informiert aktuell über Geschehen und über die Geschichte der Bahn.

Peter Becker, 18.04.2021

Über Peter Becker 202 Artikel
Jahrgang 1948, Diplomlehrer, Freier Journalist und Fotograf

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