









Der Burger Jens Möbert erinnert sich an ein altes Foto von 1920, aufgenommen vom Burger Kirchturm: „Es zeigt unsere heutige Wohnumgebung in einem ganz anderen Licht. Es waren rauchende Katen, zumeist noch reetgedeckt, Stallanlagen und Ziehbrunnen – manche mit Taubenhaus, so etwas wollte ich wiedererstehen lassen. Unser Wohnhaus stammt von 1774 und wurde von uns seit 1996 aufwendig saniert. Wohnen im historisch geprägten Ambiente, doch mit allen modernen Errungenschaften – das verfolgen wir seit vielen Jahren.“
Das Sanieren ist Jens Möbert und seiner töpfernden Ehefrau Ilona nicht unbekannt: Er ist Restaurator bei der Stiftung Schloss und Park Branitz, Ilona Möbert ist bekannt für die Nachgestaltung historischer Keramiken, wie etwa den sehr aufwendigen Ofenkacheln im Annemarie-Schulz-Haus am Burger Bismarckturm. Es ist Jens Möbert zu verdanken, dass eigentlich zum Abriss freigegebene Scheunen und Ställe eben nicht verschwanden, sondern zumindest in Teilen eine neue Verwendung fanden. Aus einer Scheune wurde das heute bekannte und spreewaldtypische Galeriehaus. Kaum ein Urlauber geht ohne zu fotografieren vorbei, zumal Ilona Möbert mit rankenden Blumen ein fast märchenhaftes Ambiente geschaffen hat. Jens Möbert: „Die Haustür habe ich mir aus dem Sperrmüll geholt, die Dacheindeckung habe ich mit handgestrichenen Biberschwänzen eines Hornoer Abrisshauses eindecken können. Nur alte Fensterrahmen waren nicht mehr aufzutreiben, aber ich konnte sie nach alten Vorlagen neu bauen – was man den Fenstern heute nicht mehr ansieht.“
Die letzten Ergänzungen in diesem Jahr, die eine alte Hofstelle einst ausmachten, war ein Taubenhaus und ein Ziehbrunnen. Das Taubenhaus ist „bezugsfertig“, doch die Möberts wollen es der Natur überlassen, wer dort einzieht. Am Giebel des Galeriehauses sind Dohlen und Fledermäuse sind schon seit Jahren Dauergäste.
Die letzte Errungenschaft ist ein Ziehbrunnen, der gerade noch rechtzeitig vor der kalten Jahreszeit fertig wurde. „Wir haben schon eine Schwengelpumpe, damals ein technologischer Fortschritt, doch die ist stark frostgefährdet. Früher war es bestimmt nicht einfach, bei einer eingefrorenen Pumpe Tier und Mensch mit Wasser zu versorgen“, erzählt Jens Möbert. Ein Ziehbrunnen ist da wesentlich frostunabhängiger, aber etwas kraftaufwändiger. Der Neubau gestaltete sich dank moderner Betonringe nicht ganz so kompliziert, aber die Gesamttiefe von dreieinhalb Meter war für den Brunnenbauer dann doch eine Überraschung. Er hatte mit einem wesentlich höheren Grundwasserstand gerechnet. Die größere Tiefe hat auch einen längeren Ziehbalken zur Folge, sodass die Anlage deutlich aus dem historischen Bauensemble herausragt.
„Glücklicherweise sind beide Pumpen dank unserer zentralen Hauswasserversorgung gar nicht nötig, könnten aber -was wir nicht hoffen- bei längerem Ausfall der Wasserversorgung eine wertvolle Hilfe sein. Für mich sind sie einfach Bestandteil einer alten Hofanlage“, sagt Möbert, der auch Imker ist, denn für ihn gehören Bienen natürlich seit jeher auch zu einem alten Hof. Ein modernes Zugeständnis sind lediglich die Seidenhühner, die die Möberts halten, natürlich auch in einem alten Hühnerstall, allerdings mit elektronischer „Raubtiersicherung“. „Wir sind sehr tierlieb – und genau deshalb wollen wir unsere Eiererzeuger nicht Fuchs, Waschbär und Co. ausliefern“, sagt Jens Möbert.
Was er mit den im Hof gelagerten alten Balken und Bohlen noch vorhat, lässt er (noch) nicht durchblicken …
Peter Becker, 07.11.26
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