






Die 1983 in Cottbus Geborene bewarb sich nach der Realschule in Wolfsburg als „Facharbeiter für den Bäderbetrieb“, bekam dort eine Ausbildungsstelle und danach auch eine Anstellung im städtischen Bad. Nach 12 Jahren beschloss die inzwischen alleinerziehende Mutter eines Kindes zurück in ihre alte Heimatstadt zu gehen. Auf der Suche nach einer neuen Arbeitsstelle fiel ihr eine Stellenausschreibung der Stadt Vetschau in die Hände, dort wurde eine Fachkraft für das örtliche Bad gesucht. „Für mich ein absoluter Glücksfall, ich bewarb mich umgehend und bekam auch die Stelle. 2012 war meine erste Saison in Vetschau, für das Winterhalbjahr fand ich eine Anstellung als Servicekraft im Cottbuser PiPaPo, einem Hallenspielplatz“, erinnert sich rückblickend Janny Gerstenberger am Ende der Saison 2026, die inzwischen auch das Ende ihrer Vetschauer Jahre bedeutet. „Ich gehe mit etwas Traurigkeit im Herzen, denn meine Arbeit, besonders mit den Kindern, hat mir unglaublich viel Spaß gemacht. Hier war ich nicht nur der ‚Beckenrandkaspar‘ wie in Wolfsburg, hier war ich für wirklich alles verantwortlich. Aber inzwischen ist mir genau das zu viel geworden, ich fürchte dem nicht mehr gewachsen zu sein. Unsere Besucherklientel hat sich inzwischen verändert, es gibt immer öfter Probleme und Erscheinungen, sich nicht an die Regeln und Normen zu halten, ich aber weiterhin die Verantwortung für alles trage – dem fühle ich mich nicht mehr vollumfänglich gewachsen“ sagt Janny Gerstenberger, wehmütig auf die vielen Jahre zurückblickend. Sie stört es, wenn sich Eltern mehr mit ihrem Smartphone beschäftigen und nur gelegentlich mal ein Auge auf ihre badenden Kinder werfen, die sie ja, mit ihrem Betreten des Bades, nun in Obhut des Aufsichtspersonals wähnen. Sie hat lange mit sich gerungen, ist gleichzeitig aber auch froh, nun ganzjährig in Cottbus arbeiten zu können.
In Vetschauer Bad war sie neben der allgemeinen Beaufsichtigung auch für die Einhaltung der Hygienebestimmungen verantwortlich, täglich musste die Wasserqualität kontrolliert und erforderlichenfalls nachreguliert werden.
In den ersten Jahren musste sie noch von Montag bis Sonntag, von 10 Uhr bis 20 Uhr, ohne Ruhetag, gemeinsam mit anderen, ihre Arbeit verrichten. Janny Gerstenberger: „Das hat mir sogar Spaß gemacht, die Anstalt ist so urig-nostalgisch, die Besucher nett und freundlich, viele kenne ich inzwischen mit dem Namen. Besonders die Urlauber -wenn sie das Bad einmal gefunden haben- sind vollauf begeistert.“ Erst in den letzten Jahren wurden Ruhetage eingeführt, aktuell sind es der Montag und der Dienstag.
Über einhundert Kindern hat sie das Schwimmen beigebracht, dann das „Seepferdchen“ oder ein höherwertiges Schwimmabzeichen abgenommen, etwas, was, sie sehr stolz macht. Schwimmen können ist für jeden Menschen eine enorm wichtige Bereicherung des Lebens, ist Janny Gerstenberger überzeugt.
Leider fallen auch zwei bedauerliche Vorfälle in ihre Dienstjahre, einer ging noch mal glimpflich aus, der andere leider nicht:
Am 5. August 2022, einem sehr heißen Tag, sprang ein Erntehelfer, der beim Spreewaldbauer Ricken beschäftigt war, vermutlich ohne Abkühlung in das Becken. Aufmerksame Beobachter bemerkten, dass dieser nicht mehr auftauchte und alarmierten Janny Gerstenberger, die Schwimmmeisterin. Sie holte den Verunfallten vom Beckengrund, konnte ihn nach einigen Minuten erfolgreich wiederbeleben und den inzwischen eingetroffenen Rettungskräften übergeben. Zwei Wochen später erschien der Gerettete mit seinem Chef und dem damaligen Bürgermeister Bengt Kanzler im Bad, um sich bei Janny Gerstenberger für die umsichtige Rettung zu bedanken.
Wieder an einem 5. August, wieder an einem sehr heißen Tag, ereignete sich 2026 ein weiterer Badeunfall, der leider tödlich endete. Eine Kindergruppe aus Berlin war angereist und nach dem etwa langen Fußweg bis zum Bad war deren Freude auf Abkühlung natürlich groß. Gegen 15 Uhr erlitt eine Neunjährige im Wasser einen medizinischen Notfall und musste von Janny Gerstenberger geborgen und reanimiert werden. Leider verstarb das Kind Tage später, vermutlich an den Folgen des erlittenen Sauerstoffmangels, im Krankenhaus Cottbus.
Peter Becker, 08.09.26
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