Eröffnung am 31. Oktober 2026






Von einer „Eröffnung“ zu sprechen, ist etwas weit hergeholt, denn diesen Weg in der Straupitzer Ortslage gibt es schon so lange, wie es Wege zu Feldern und Wäldern gibt. Doch diesen zeichnet dennoch etwas Besonderes aus, denn er wird immer noch von uralten geschichtsträchtigen Eichen gesäumt – wenn auch deren Bestand etwas lichter geworden ist. Es gehört nicht viel Fantasie dazu, sich vorzustellen, was und wer in den letzten Jahrhunderten dort defilierte und was dort passierte. Abgesehen von der örtlichen und über Generationen seit 1655 bis 1945 ansässigen Gutsbesitzerfamilie Houwald, waren es auch ganz einfache Menschen, die diesen Weg im Schatten der Riesen für einen Sonntagsnachmittagsspaziergang nutzten. Bauern trieben ihr Vieh in die angrenzenden Eichenwälder, in den Byttnahain, wie dieser in der südlichen Straupitzer Gemarkung liegende Flur heißt. Besonders die Hausschweine fanden hier reichlich Futter und sorgten letztlich jahrhundertelang dafür, dass sich einzelne Starkbäume in Ruhe entwickeln konnten, denn diesen konnten sie kaum gefährlich werden.
Über den Namen ist bekannt, dass er wendischen Ursprungs ist und etwa für „Schlachtfeld“ steht. Doch welche kriegerischen Auseinandersetzungen es an dem Ort je gab, ist nicht überliefert. Es gibt verschiedenen Schreibweisen, wie Bitna, Büttna oder Bythna.
In der Gegenwart existieren nur noch sehr wenige der etwa 800 Jahre alten Eichen, viele stehen oder liegen als Torso am Wegesrand, wie die bekannte Florentineneiche. Sie soll im Dürresommer 1936 erste Anzeichen einer Wipfeldürre gezeigt haben und gilt seit 1947 als abgestorben. Der Straupitzer Heimat und Fremdenverkehrsverein hat im Jahr 2000 eine Nachfolgerin in unmittelbarer Nähe gepflanzt, die treffend den Namen „Florentinchen“ erhielt.
Der Wanderer stößt auf die Elisabetheiche, die Weidmannsrasteiche, die Heinricheiche und natürlich auch auf eine Kaiser-Wilhelm-Eiche, denn in Zeiten des Kaiserkults legte jeder Ort Wert darauf, dem Kaiser zu huldigen. Es gibt noch die Johannaeiche und die Bismarck-Eichen, davon gleich mehrere.
Besonders die alleinstehende Florentineneiche inspirierte Maler und Fotografen gleichermaßen. Der ortsansässige Maler Gerhard Heinrich (1906 – 1988) schuf verschiedene Bildnisse, eines davon übergab seine Enkelin Sabine Walter 2023 dem Kornspeichermuseum. Diese Eiche gehört mit zu den ersten deutschen Naturdenkmälern, sie wurde bereits 1901, als an Naturschutz noch wenig gedacht wurde, als solches benannt.
Schautafeln, Flyer und eine Internetpräsentation informieren über die Namensgeber, die Houwalds, ebenso, wie über die Namensbedeutung von Florentine, von Johanna und Heinrich. Damit ist der an sich gewöhnliche Wanderweg entlang der beeindruckenden Eichen plötzlich ein historischer Lehrpfad geworden. Die Straupitzer Heimatforscher Ortschronisten Tobias Raband und André Urspruch trugen die Daten für die Info-Tafeln zusammen.
Die Tafeln und die Hütten entstanden in Zusammenarbeit vom Heimat- und Fremdenverkehrsverein und der Gemeinde Straupitz. Unterstützung kam von der sorbischen Stiftung, dem Landkreises LDS und der Tourismus- und Entwicklungsgesellschaft des Amtes Lieberose/Oberspreewald.
Für den 31. Oktober lädt der Straupitzer Heimat- und Fremdenverkehrsverein ab 14 Uhr zur feierlichen Eröffnung des Naturlehrpfades ein. Geparkt werden kann am Abzweig nach Byhlen. Der Pfad ist bereits zur Benutzung freigegeben, zahlreiche radelnde Urlauber stehen schon jetzt vor den Schautafeln oder ruhen sich in einer der Schutzhütten aus.
Die Abgeschiedenheit zieht leider auch Vandalen an: Ein Giebelkreuz mit gekreuzten Schlangenköpfen ist nur wenige Tage nach dem Aufstellen der Hütten abgeschraubt worden. Die Initiatoren fühlen sich betroffen, ihre Arbeit missachtet. Die Bemühungen eines Vereines werden durch solche Taten zwar geschmälert, aber die Mitglieder lassen sich nicht unterkriegen: „Vielleicht schraubt jemand bei Nacht und Nebel das Kreuz einfach wieder an ….?“, war aus deren Reihen hoffnungsvoll zu hören.
Hinterlasse jetzt einen Kommentar