Raddusch treibt den Winter aus

Wie schon am 14. Februar die Lehd’schen, machten sich an 21.und 22. Februar auch die Radduscher daran, den Winter, der es in diesem Jahr besonders wissen wollte, endgültig zu vertreiben! In Raddusch wurde daraus ein richtiger Marathon, denn am Samstag zogen an die 75 Zamperer durchs Dorf, um am Sonntag mit einem starken Fastnachtsumzug noch einmal durchs Dorf zu ziehen (s.u.). Irgendwie schien es geklappt zu haben, denn dem Winter ging die Puste aus: Die Temperaturen kamen endlich mal wieder in den Plus-Bereich – abends war Schnee und Eis Geschichte! 😉

Unterwegs wurden die Teilnehmer von den Radduschern reichlich bewirtet. Der Preis für das beste Kostüm ging an Peter Müller mit seinem Kosmonautenanzug, am meisten hat die Radduscher Jugend in der Klimperkasse gehabt, wofür es auch einen Preis gab.

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Radduscher trieben den Winter aus – und bekamen viel Regen!

Der jahrhundertealte Brauch, den für die Spreewälder so entbehrungsreichen Winter endlich den Garaus zu machen, wird in den Dörfern der Niederlausitz immer noch gepflegt. Aufgeklärt und wohlwissend, dass mit den schrecklichen Gestalten und viel Lärm kein besonderer Einfluss auf das Wetter möglich ist, tun es die traditionsbewussten Spreewälder dennoch. Und oft mit stetig steigender Beteiligung – wie am letzten Wochenende in Raddusch. Manch Radduschstämmiger reiste dazu aus der Ferne an, das Traditionsfest wollte man sich – schon der Familientradition wegen – nicht entgehen lassen!

Die Anmeldequote war schon beim Zampern überaus hoch (75, s.o.), doch der Fastnachtsumzug am Folgetag setzte noch einen drauf: Vereinsvorsitzende Stephanie Buchan hatte 80 Paare und 19 Kinderpaare auf ihrem Anmeldezettel, der jüngste Teilnehmer war der neun Monate alte Armin Fritz, der mit seinen Eltern Steffen und Vivienne Gubatz im historischen Kinderwagen den Umzug anführte.

Das obligatorische Gruppenfoto gestaltete sich bei strömendem Regen zu einem kleinen logistischen Problem: Das Aufstellen im Regen, mit Poncho und Regenschirm, das Sortieren und Korrigieren – und auf Kommando allen Regenschutz hinter dem Rücken zu verstecken, war nicht ganz einfach, aber machbar gewesen. Haubenträgerinnen hatten es da besonders schwer, denn die Haube, auch Lappa genannt, durfte wegen der „verbauten“ Pappe nicht nass werden, doch auch hier konnte weitestgehend vorgesorgt werden, besonders durch den gut beschirmten Laufpartner.

Der Umzug durchs Dorf (und die zahlreichen Pfützen) ging fast wie gewohnt, mit nur etwas kürzeren Tanzpausen dazwischen. Pausenversorger und Dorfälteste bekamen einen Blumenstrauß. Aus triefend nassem Einwickelpapier bekamen Irmgard Roisch, Milika Petrick und Paul Litsche einen frischen Strauß Blumen.

Endlich in der Sport- und Kulturscheune angekommen, bestand die Möglichkeit, sich bei Kaffee und Kuchen etwas aufzuwärmen. Dorffrauen hatten ordentlich vorgebacken, die Sportfrauen übernahmen den Service.

Zahlreiche Zuschauer, auch aus anderen Dörfern, trotzten ebenfalls dem Regen. Aus Tornitz kamen Carola und Lienhard Hahn. „Wir wollen mal sehen, wie sich unser Nachwuchs so anstellt. Sohn Alexander und seine Verena haben so etwas wie eine Premiere“, sagt Carola Hahn.

Es kommt in der Geschichte des Winteraustreibens bestimmt nicht oft vor und wurde entsprechend kommentiert: Die Zamperer sind noch bei Schnee und Eis gestartet, um dann abends im Vorfrühling anzukommen. Die Fastnachtsteilnehmer mussten nach dieser überaus gründlichen Wintervertreibung vom Vortag nun dafür mit reichlich Regen leben, was aber mit viel Humor hingenommen wurde – anders wäre es auch nicht gegangen!

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In der LR vom 24.02.26:

Peter Becker, 23.02.26

Über Peter Becker 508 Artikel
Jahrgang 1948, Diplomlehrer, Freier Journalist und Fotograf, Spreewaldkenner

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