Das Radduscher Hotel und der Löffel

Torsten Seidel mit dem Löffel am neuen Standort
Aufstellung 2018 an der Radduscher Kahnfahrt – der Künstler (im Wasser stehend) legt selbst Hand an

Seit Kurzem steht ein über drei Meter großer Löffel auf dem Gelände Radduscher Hafenhotels, unmittelbar am Zugang zum Naturhafen. Eine gastronomische Einrichtung und ein Löffel, wenn auch überdimensioniert, erwecken erst einmal keinen Widerspruch – beides gehört bekanntlich zusammen. Hotelchef Torsten Seidel hat ihn dort aufstellen lassen und sagt zu den Beweggründen: „Der Löffel hat mit meinem Hotel wenig zu tun, dafür umso mehr mit dem Spreewald, mit der Natur und besonders mit den Umweltbelastungen, die nicht zu übersehen sind – und letztlich doch wieder auf das Hotel zurückwirken könnten.“

Torsten Seidel ist auch Vorsitzender des Radduscher Tourismusvereins, dieser bündelt die Interessen der touristischen Dienstleister ebenso wie die Bedürfnisse der Urlauber. Letztere sind in der Regel an allem interessiert, was den Spreewald ausmacht, besonders ist ihnen die Wasserqualität augenfällig. Die periodisch auftretenden Verfärbungen des Wassers, zurückzuführen auf Ockereinträge, werfen gelegentlich Fragen auf. Torsten Seidel: „Wenn jährlich tausende Urlauber Kahn- und Paddelbootfahrten ab Raddusch unternehmen, dann sehen wir uns in der Pflicht, darüber aufzuklären.“

Eine Informationstafel, schon vor Jahren vom Vetschauer Wasserexperten Helmut Ziehe im Hafen aufgestellt, klärt über die wissenschaftlichen Hintergründe der Verockerung auf. Kunstwerke, wie der Löffel, beschreiten eher andere Wege. Der damals in Berlin lebende Künstler Gregor Krampitz hatte diesen Löffel im Rahmen der Aquamediale 2017 in Lübben installiert. Seine Intention: „Ein überdimensionierter Löffel – alltagstauglich in der Form, monumental in der Wirkung – scheint am bzw. im Spreewaldfließ zu liegen. Die Geste des Schöpfens wird dadurch zum stillen Störfall: Man erkennt den Löffel sofort – und genau diese Vertrautheit kippt die Gewissheit. Die Suppe, die wir uns eingebrockt haben, müssen wir selbst auslöffeln. Die Arbeit formuliert keine bequeme Moral, sondern eine unruhige Einsicht in Verantwortung und Folgen. Zugleich bleibt das Motiv bewusst offen: Ist der Löffel Spur menschlicher Handlung, Kommentar oder Zufall, der zu gut aussieht, um zufällig zu sein?“

Der damalige Radduscher Kunstverein hatte das Kunstwerk Löffel nach dem Ende der Aquamediale 2018 übernommen, weil es zur aktuellen Wassersituation in Raddusch passt. Torsten Seidel hat das Kunstwerk privat finanziert und somit in seinen Bestand genommen. Das Amt für Umwelt und Bauaufsicht – Untere Wasserbehörde des Landkreises hatte unter dem Aspekt des Hochwasserschutzes der Aufstellung für zwei Jahre im Uferbereich der Radduscher Kahnfahrt zugestimmt. Ein entsprechender Verlängerungsantrag wurde abgelehnt, das Kunstwerk musste wieder entfernt werden.

Inzwischen steht der „Löffel“ auf privatem Gelände, seine Botschaft bleibt aber unverändert bestehen: „Wir löffeln aus, was wir uns selbst eingebrockt haben, denn unser Energiehunger führte zur Zerstörung der grundwasserführenden Schichten!“

Dank der Initiative von Torsten Seidel ist dieses Kunstwerk erhalten geblieben und wird weiterhin als Mahnung und Denkanstoß viele Menschen erreichen.

Peter Becker, 10.06.26

Über Peter Becker 529 Artikel
Jahrgang 1948, Diplomlehrer, Freier Journalist und Fotograf, Spreewaldkenner

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