Rittergut Kemmen – ein Publikumsmagnet zum Tag des offenen Denkmals

Schon bei der Anreise zum Calauer Ortsteil Kemmen fällt das große Aufkommen an Fahrzeugen, geparkt auf einer Wiese am Ortseingang, auf. Das Interesse, ein ehemaliges Rittergut aus der Nähe und im Detail kennenzulernen, scheint riesig zu sein.  Dem ist auch so, wie Stefanie Batusic von der Besitzerfamilie beim Rundgang durch die Anlage bestätigt. „Wir haben nun schon zum fünften Mal zum Tag des offenen Denkmals unsere Türen geöffnet. Da wir ansonsten nur zu Events oder nach Anmeldung unser Anwesen öffnen, kamen natürlich viele Calauer, Einheimische und Gäste aus den umliegenden Orten zu uns. Auch, um zu sehen, was wir aus der einst dem Verfall preisgegeben Anlage gemacht haben, die vielen noch so in Erinnerung war“, sagt sie.

Das Gut hat eine über 500 Jahre alte Geschichte, vermutlich dürften die Anfänge noch viel früher liegen. Besitzernamen wie Nickel von Buxdorf, Hieronymus Christoph von Gagern oder zuletzt Hermann Kehrhahn dürften Geschichtsinteressierten nicht unbekannt sein. Im Zug der Bodenreform wurde 1945 die Familie Kehrhahn enteignet, das Gut wurde in Volkseigentum überführt – und verfiel wegen fehlender Instandhaltung zusehends.

Seit 2021 restauriert die Batusic-Familie unter Berücksichtigung denkmalgestützter Vorgaben das Anwesen. Stefanie Batusic: „Die Fenster einschließlich der Fensterläden wurden dem Original nachempfunden und als Kastenfenster ausgeführt. Viele weitere Details galt es zu berücksichtigen, die vom Terrassenbelag bis zur Dacheindeckung reichten – um nur ein paar Beispiele zu nennen.“

Fast nebenbei, aber für die Besitzerfamilie ebenso wichtig, ist der ökologische Aspekt, der im Rahmen der Sanierung Berücksichtigung fand: Es wurden 70 000 Bäume gepflanzt, die bewirtschaftet werden und für die Hackschnitzelheizung Verwendung finden. Die alte Baugrube des ehemaligen Rinderstalls hatte sich vor Jahren mit Regenwasser gefüllt und dient heute als Refugium für Tiere und Pflanzen, die sich weitgehend allein ansiedelten und ist gleichzeitig ein Wasserreservoir für die zahllosen Neuanpflanzungen auf dem Gutsgelände. Sämtliche Dächer entwässern in den Gutsteich, um das immer knapper werdende Wasser nicht nutzlos versickern zu lassen.

Gut Kemmen ist gleichzeitig ein Beleg für denkmal- und naturschutzgerechte Sanierung historischer Anlagen. Inzwischen nicht mehr landwirtschaftlich genutzt, bietet es durch seine Anlagen und dem Gutspark einen perfekten Ort für Veranstaltungen. Die Ausrichtung von Familienfeiern, Hochzeiten und Firmenevents stehen heute im Mittelpunkt des Geschäftsgebarens der Besitzerfamilie.

zur Webseite des Gutes

Peter Becker, 14.09.26

Über Peter Becker 546 Artikel
Jahrgang 1948, Diplomlehrer, Freier Journalist und Fotograf, Spreewaldkenner

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*


Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.