7-Nationen-Gaststätte Dubkowmühle

„Keine Problemm, Ilonna!“

Die Leiper Dubkowmühle hat, wie die gesamte Spreewaldgastronomie, mit annähernd den gleichen Problemen zu kämpfen. Neben gestiegenen Kosten ist es der nahezu tägliche Kampf um ausreichende personelle Besetzung. Ein Koch, der kurzfristig ausfällt, kann ein Riesenproblem darstellen, besonders dann, wenn ein angemeldeter Reisebus oder ein voller Spreewaldkahn vor der Tür steht. Ilona Konzack, die Besitzerin der Dubkowmühle, ist sich frühmorgens oft nicht sicher, ob der Tag wie geplant verlaufen wird. Immer wieder kommt es zu kurzfristigen Ausfällen von Personal und Technik, angemeldete Gäste verspäten sich – und dann ist noch das unkalkulierbare Wetter!

Ihre 22 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen teilen sich in acht Vollzeitstellen und weitere Aushilfs- und Studentenstellen auf. Lediglich acht Personen habe eine deutsche Nationalität, die anderen kommen aus Polen, Indien, Kenia, Madagaskar, Marokko, Ungarn – die größte Gruppe kommt aus Georgien. Es sind Studentinnen, zumeist aus Tblissi. Ilona Konzack hat über eine Agentur, mit der sie schon viele Jahre zusammenarbeitet und gute Erfahrungen gemacht hat, diese Studentinnengruppe vermittelt bekommen. „Die jungen Frauen sind eine unglaublich gute Unterstützung im Saisongeschäft, sie sind fleißig, sehen allein die Arbeit und freuen sich nahezu über jede Aufgabe, die ich ihnen übertrage. Ihre stets gleiche, mich irgendwie belustigende Antwort lautet: ‚Keine Problemm, Ilonna!‘ Ihr Deutsch wird im Umgang mit den Kunden täglich besser, manche belegen nebenbei noch einen Deutschkurs“, sagt die Chefin der Spreewälder Traditionsgaststätte.

Maiko Arabuli ist eine der georgischen Studentinnen, sie studiert Medizin und hat ebenfalls einen Deutschkurs belegt: „Ich bin zum ersten Mal in Deutschland und finde es unglaublich schön hier: So modern, mit vielen Menschen, die mir helfen, mich einzuarbeiten. Meine Chefin ist so lieb zu uns, sie sieht in uns nicht nur Arbeitskräfte, sondern kümmert sich um uns, als ob wir zur Familie gehören würden!“  Fast ist das auch so, denn alle sechs sind im Familienwohnhaus, das sich ebenfalls auf dem Grundstück der Dubkowmühle befindet, untergebracht.

Wenn es mal ruhiger ist, nutzen die jungen Frauen die hauseigenen Paddelboote und erkunden den Spreewald. „Ich hätte nie gedacht, dass es eine so schöne Landschaft überhaupt gibt!“, sagt Maiko. An manchen Abenden kann der späte Wanderer oder Radler für ihn seltsam klingende Musik wahrnehmen, meist dann, wenn die Studentinnen ihr manchmal aufkommendes Heimweh mit georgischer Folklore bedienen. Bei Gesang und Tanz fühlen sie sich dann mit ihrer Heimat verbunden. „Wir haben zusammen unglaublich viel Spaß und denken dann mit Freude und Erleichterung an den nächsten Arbeitstag“, war aus ihren Reihen zu hören. Maiko Arabuli kann sich nach den ersten Wochen in Deutschland nun endgültig vorstellen, hier mal als Ärztin zu arbeiten: „Ich habe schon in Georgien über eine berufliche Zukunft im Ausland nachgedacht, Deutschland stand auch auf meiner Liste – jetzt steht es ganz oben, da bin mir ganz sicher!“

Peter Becker, 07.08.26

Über Peter Becker 539 Artikel
Jahrgang 1948, Diplomlehrer, Freier Journalist und Fotograf, Spreewaldkenner

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