
David Chmelík und sein Mut zum Neustart
Die Insolvenz der Slawenburg ist hinlänglich bekannt, der Name David Chmelíksteht allerdings für ein Desaster in dieser touristisch geprägten Region, einer Region mit jahrhundertealtem slawischem Brauchtum. David Chmelík ist sich seiner Verantwortung bewusst – und stellt sich ihr. Das ist ihm erst einmal hoch anzurechnen. Über seine Beweggründe, die Burg zu übernehmen, über sein Scheitern und über seine Zukunftspläne berichtete er am Wochenanfang in der Radduscher Sport- und Kulturscheune. Etwa zwei Dutzend Besucher waren gekommen, Gläubiger, wie Interessierte und Neugierige, auch Radduscherinnen und Radduscher waren anwesend, denn mit dem Verlust der Burg hat auch der Ort an Anziehungskraft verloren.
„Wie gern hätten meine Begleitung und ich bei einer Fahrradtour mal einen Kaffee in der Burg getrunken, aber 13 EUR Eintritt dafür sind ein Unding“, warf die Radduscherin Daniela Werban ein und wies damit auf einen Missstand hin, den es schon seit Bestehen der Burg gibt. „Die Einheimischen kennen die Ausstellung längst, aber sie hätten einfach mal so vorbeischauen wollen“, ergänzt sie noch auf Chmeliks Hinweis, dass zu wenig Einheimische zur Burg kamen.
David Chmelík schilderte im Detail, warum die Burg in Insolvenz ging und belegt dies mit Zahlen und Fakten. Er sprach auch über seine Leichtgläubigkeit, die enormen Betriebs- und Lohnkosten doch „irgendwie stemmen zu können“, denn ein Ort, wie die Slawenburg einer ist, zieht magisch Besucher an und generiert kostendeckend Eintrittsgelder -so seine damalige Überzeugung. David Chmelik: „Es war die erste Insolvenz meines Lebens, aber sie darf nicht das Ende meiner Geschichte sein, einer Geschichte meines Lebens für das Slawentum! Es war mein Fehler, die Gesamtkosten aus dem Auge zu verlieren, ich habe mich zu sehr auf gewinnbringende Veranstaltungen fokussiert – doch die Besucherzahlen waren halt nur mäßig, besonders im Winter. Irgendwann war ich zahlungsunfähig.“
David Chmelík versprach, persönlich für die Außenstände aufzukommen, die noch mancher von ihm einfordert. Dr. Haschke, Kläranlagenbauer aus Preilack, forderte dies ebenso ein, wie Sylvia Domke aus Briesen für Fahrdienste. „Ich brauche das Geld, es sind immerhin 1070 EUR für zwei Monate Shuttleverkehr zur Burg“, sagte sie ihrem ehemaligen Auftraggeber. Der Kläranlagenbauer hatte noch zwei von drei Rechnungen vom Mai 2025 offen, sie belaufen sich auf 550 EUR. Vor Publikum bezeugte Chmelik mehrmals, rechtsverbindliche Vereinbarungen, eventuell auch zu Ratenzahlungen, einzugehen, um alle seine Gläubiger zufriedenzustellen.
Für eine Burgbetreibung unter neuem Vorzeichen hatte er Ratschläge zur Hand: Die Burg muss klein, stabil, ausbaufähig und insbesondere stets slawisch sein. „Ich habe die Burg noch nicht aufgegeben!“ Für den Radduscher Björn Birkhold-Jordan die Gelegenheit, seine Frage einzuwerfen: „Wie stellen sie sich vor, nach all dem Desaster die Stadtverordneten noch einmal von ihrer Person zu überzeugen?“ David Chmelík zeigte sich überzeugt, dass sein neues Konzept, mit stabilen Bürgschaften im Rücken, Überzeugungskraft genug hätten.
David Chmelík nutzte den Abend auch, um sein neuestes Projekt vorzustellen, welches vergleichsweise niedrige Kosten, aber mögliche Gewinne verspricht. „Ich bin im Herzen Slawe und will alles dafür tun, das Slawische, besonders das der beiden Lausitzen, auch in die Herzen anderer zu bringen. Wir Lausitzer sind das Scharnier zwischen West- und Osteuropa, und das kann, sollte und wird sich in gestiegenen Besucherzahlen niederschlagen, davon bin ich fest überzeugt.“
Das Projekt „Slawische Welt Lausitz“ wird von der Stiftung Slavonic Europe mit Sitz in Brüssel getragen, sie ist ein Netzwerk für weltweite slawische Kooperationen. Im Mittelpunkt steht eine Internetplattform, auf der grenzüberschreitende Aktivitäten im slawischen Raum vorgestellt werden. Sie soll ein digitaler Veranstaltungskalender sein, Produkte mit slawischer Etikettierung sollen dort ebenfalls vermarktet werden. (slowjanskiswet.eu)
Nach eineinhalb Stunden mehr oder weniger Monolog endete die Veranstaltung. Manch Besucher verließ kopfschüttelnd den Raum, mancher eher nachdenklich, mancher ging schon vor dem Ende der Veranstaltung. David Chmelík war dennoch zufrieden, da er endlich Gelegenheit zur Abrechnung bekam und gleichzeitig sein neues Projekt vorstellen konnte. „Zufällig fällt der 6. Juli, der Tag unserer Veranstaltung, auf einen tschechischen Nationalfeiertag: Jan Hus wurde an diesem Tag 1415 verbrannt, weil er zu seinen Wahrheiten stand und sie nicht zu widerrufen bereit war.“ Das blieb dann erst mal so im Raum stehen.
Peter Becker, 13.07.26
Nachtrag & Ankündigung:
Dienstag, 8. September 2026, 20:00–22:00 Uhr
Eccentric Club Praha
GAST DES ABENDS
Dipl.-Vw. David Chmelík (*1968), Präsident der Bewegung SLAVONIC EUROPE
WORÜBER WERDEN WIR SPRECHEN?
• Wer sind die Sorben heute und welche Stellung haben sie in Deutschland?
• Was verbindet die Lausitz mit der tschechischen Geschichte?
• Warum haben die Sorben ein besonderes historisches Verhältnis zu den Tschechen?
• Wie kann die slawisch geprägte und zweisprachige Lausitz tschechischen Akteuren dabei helfen, Kontakte in Deutschland zu knüpfen?
• Welche Rolle kann DIE SLAWENBURG LAUSITZ dabei spielen?
• Und kann dieser Ort zu einem echten „Sprungbrett“ für tschechische Kultur- und Wirtschaftsaktivitäten auf dem deutschen Markt werden?
Deutschland blickt auf eine mehr als tausendjährige slawische Vergangenheit zurück – und hat auch eine slawische Gegenwart.
In der Lausitz leben bis heute die Sorben, ein westslawisches Volk mit eigener Sprache, Kultur und Identität. Repräsentativen Umfragen zufolge haben etwa 14 % der Bevölkerung der Lausitz sorbische Wurzeln oder einen anderen Bezug zur sorbischen Sprache, Identität, Kultur oder zu sorbischen Traditionen. Das entspricht ungefähr 150.000 Menschen.
Die Zahl der sich selbst als Sorben bezeichnenden Bürger in Deutschland in den Bundesländern Sachsen und Brandenburg wird heute offiziell auf etwa 60.000 geschätzt. Obersorbisch bzw. Niedersorbisch wird von ungefähr 20.000 bis 30.000 Menschen aktiv gesprochen.
Die Lausitz ist historisch zugleich sehr eng mit den böhmischen Ländern verbunden. Gerade diese kulturelle und historische Nähe ist nicht nur aus der Perspektive der gemeinsamen Geschichte interessant.
Es lohnt sich, sie auch heute zu nutzen.
Die Sorben leben in unmittelbarer Nähe zur Tschechischen Republik, sind Teil der deutschen Gesellschaft und bewahren zugleich ihre eigene westslawische Identität. Ihr Verhältnis zu den Tschechen hat tiefe historische Wurzeln und unterscheidet sich in vielerlei Hinsicht vom Verhältnis der deutschen Mehrheitsgesellschaft zur Tschechischen Republik.
DIE SLAWENBURG LAUSITZ befindet sich als ein Fix- und Angelpunkt mitten in diesem slawischen Kulturraum auf dem Gebiet der heutigen Bundesrepublik Deutschland.
Gerade deshalb kann sie und die Lausitz ein Ausgangspunkt und natürlicher Raum für den Aufbau kultureller, gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Kontakte zwischen der Tschechischen Republik und Deutschland sein.

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