

























Normalerweise und bekanntlich stehen Fotografen stets hinter der Kamera – auch bei Karin Schrager war das früher so, aber nun hat sie die Plätze gewechselt: Sie ist es, die vor der Kamera stehend bestimmt, wie viel und welches Licht auf den Chip gelangt. Was verwirrend klingt, ist für die Fotografin inzwischen Routine. Karin Schrager plant die Szenen, die Orte und ihre Vorgehensweise, die im Prinzip stets die gleiche ist. Stets aber muss völlige Dunkelheit herrschen, damit nur das Licht, das sie möchte und von ihr gesteuert wird, in die Kamera fällt. Auf einem Stativ befestigt und auf sehr lange Belichtungszeiten eingestellt, mitunter viele Minuten, lässt sie verschiedene Lichtquellen einwirken. Menschen, die die Szene queren, stören nicht, denn die Finsternis reicht nicht für eine klassische Aufnahme. „Nur Bewegungsmelder mit Spotlicht haben mir schon so manche Szene kaputt gemacht“, berichtet sie von ihrer Arbeit in der Dunkelheit.
Die aus dem Nordrhein-Westfälischen Iserlohn stammende Fotokünstlerin ist seit frühester Kindheit im Umgang mit Kameras vertraut. Beruflich schlug sie eine Verwaltungslaufbahn ein, nach der Wende kam sie in den Osten, nach Trebbinchen bei Luckau. Dort gab es allerdings wenig zu „verwalten“, denn der Grund für den Wechsel war, neben der beruflichen Herausforderung, ein Bauernhof, den die Pferdenärrin günstig erwerben konnte. „Im Westen wäre die Erfüllung meines Traumes so nicht möglich gewesen“, sagt Karin Schrager. Ihre Verwaltungsarbeit nahm sie im Lübbener Landratsamt auf, hier ist sie inzwischen Amtsleiterin beim Rechnungsprüfungsamt.
In ihrer Freizeit widmet sie sich ihrem fotografischen Hobby und ist inzwischen mit ihrem „Lightpainting“, wie diese Form der Fotografie heißt, auf eine Stufe gelangt, die Öffentlichkeit geradezu einfordert. „Ich habe mich anfangs nicht getraut, allein auszustellen, aber gemeinsam mit anderen dann doch. Dabei habe ich gemerkt, wie viel Aufmerksamkeit meine Werke bekommen haben und inzwischen schon einige Ausstellungen bestückt“, sagt Karin Schrager. Beflügelt wurde sie durch ihre Mitarbeit in der Lübbenauer Fotogruppe Elektron. Karin Schrager ist inzwischen auch Mitglied des neu gegründeten Lübbener Vereins „Raum für Kunst“.
Heiko Hohmann vom Vetschauer Fotozirkel organisierte die Ausstellung im Vetschauer Stadtschloss. Hausherr und Bürgermeister Chris Mielchen freute sich, „dass seit vielen Jahren nun endlich wieder eine Ausstellung eröffnet werden kann, meine erste in meiner Amtszeit“.
Hans-Joachim Schiemenz, ehemaliges Mitglied der Lübbenauer Fotogruppe: „Karin hat frischen Wind und im wahrsten Sinne des Wortes neues Licht in unsere Gruppe gebracht. Ihre Arbeit hat uns angeregt, auch mal Neues zu wagen, andere Perspektiven zu prüfen. Ihre Werke sind beeindruckend.“
Heiko Hohmann nutzte die Eröffnung der Ausstellung zur Nachwuchswerbung. „Wenn unsere Gruppen weiterhin erfolgreich künstlerisch sein wollen, benötigen wir solche Leute wie Karin Schrager und insbesondere auch Nachwuchs aus der Jugend. Auch Handys machen gute Fotos – warum sollten nicht mal solche Fotos ausgestellt werden?“
Die Ausstellung ist zu den üblichen Öffnungszeiten der Verwaltung noch bis Ende August im Stadtschloss Vetschau zu sehen.
Peter Becker, 06.06.26
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