
Rückblick auf bessere Tage: Christa und Siegfried Janzen in ihrer Sommerküche, die zugleich als ihr ganz privates Heimatmuseum diente.
Siegfried Janzen wurde am 20. September 1931 in Elbing, Westpreußen, geboren. Die Wirren des Zweiten Weltkriegs führten ihn mit seinen Eltern im Januar 1945 zur Flucht, die nach einer 14-tägigen Bahnfahrt in Velten endete.
Von 1946 bis 1951 absolvierte er eine Maschinenschlosserlehre und arbeitete im LEW-Hennigsdorf. Im Herbst 1951 schlug er jedoch einen neuen Weg ein und begann ein Lehrerstudium in Frankfurt/Oder. Nach seiner ersten und zweiten Lehrerprüfung (1952 und 1954) wurde er in Beuchow und Neuzelle eingesetzt. Seine Leidenschaft für die Musik zeigte sich bereits 1956 mit der Gründung der Schalmeienkapelle Groß Lübbenau.
Das Jahr 1959 markierte einen Wendepunkt in seinem Privatleben: Er heiratete am 19. September seine Frau Christa. Das Paar bekam zwei Kinder, Sohn Sven (geboren 1959) und Tochter Uda (1961). Beruflich blieb Siegfried Janzen dem Lehrerberuf über 36 Jahre treu. Er unterrichtete fast alle Fächer und führte insgesamt 27 Klassen als Klassenlehrer. Trotz der hohen Arbeitsbelastung bildete er sich stetig weiter, absolvierte ein Fernstudium in Leipzig und Chorleiterlehrgänge an der Humboldt-Universität zu Berlin. Ein besonderer persönlicher Erfolg war der Abschluss eines dreijährigen Studiums an der Kulturakademie Dresden im Jahr 1977, den er im Alter von 45 Jahren als „Triumph des Alters über die Jugend“ feierte.
Neben dem Schuldienst, aus dem er 1989 ausschied, engagierte sich Siegfried Janzen intensiv in der Kommunalpolitik und im kulturellen Leben. Von 1992 bis 1998 war er Bürgermeister von Groß-Lübbenau und Vorsitzender des Amtsausschusses Lübbenau. Er wirkte als Ortschronist, erstellte die Chronik der Feuerwehr und war Vorsitzender des Sängerkreises Oberspreewald. Seine Liebe zur Spreewälder Mundart drückte sich in der Veröffentlichung von acht Mundart-Büchern aus, die er teilweise in Zusammenarbeit mit seiner Frau Christa verfasste. Die beiden letzten Bücher verfasste er nach dem Tod seiner Frau.
Auch privat blieb das Leben bewegt, geprägt von zahlreichen familiären Meilensteinen, wie der Geburt von fünf Enkelkindern und später fünf Urenkeln. Besondere Ehre wurde ihm 2018 zuteil, als er das Schloss Bellevue besuchte und vom damaligen Bundespräsidenten Joachim Gauck empfangen wurde.
Siegfried Janzen war ein Mann vieler Talente. Zu seinen Hobbys zählten das Spielen zahlreicher Instrumente (u. a. Geige, Saxofon, Mandoline), das Malen von Ölbildern sowie das Sammeln von Bieretiketten und Kapselverschlüssen. Er war Zeit seines Lebens tief in der Gemeinschaft von Groß-Lübbenau verwurzelt.

Siegfried Janzen ganz in seinem Element: Er zeigt Sammlungsstücke aus Spreewälder Haushalten.
Im Jahr 2019 feierte das Ehepaar noch die Diamantene Hochzeit. Kurz nach seinem 90. Geburtstag im September 2021 musste Siegfried Janzen jedoch einen schweren Verlust hinnehmen: Seine geliebte Ehefrau Christa verstarb am 26. September 2021 im Krankenhaus Lübben, nur wenige Tage nachdem sie gemeinsam ihren 62. Hochzeitstag erlebt hatten.
Gesundheitliche Probleme zwangen ihn im letzten Lebensjahr an den Rollstuhl. Im Burger „Christinenhof“ fand er die nötige Hilfe und Unterstützung. Sein wacher Geist hielt ihn bis zuletzt stets in Arbeit: Sein Heimzimmer war eher ein Büro, er schrieb Artikel, textete und vervielfältigte Lieder, und er gestaltete so manchen Seniorenabend mit seinen Gedichten, Liedern und Texten in Spreewälder Mundart.
Aus dem preußischen Jungen aus Elbing, heute Elbląg, wurde ein Spreewälder mit ganz viel neuer Heimat im Herzen. Sein Lebenslauf zeugt von einem erfüllten, arbeitsreichen Leben, das stets eng mit der Familie, der Musik und seiner Heimat verbunden war.
Am 29. April 2026 verstarb Siegfried Janzen nach kurzer schwerer Krankheit im Alter von 94 Jahren.
Peter Becker, 08.05.26
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