Gemeinsam gegen Vandalismus

In den letzten Wochen zeigte das ansonsten saubere und freundlich wirkende Spreewalddorf Raddusch seine hässlichste Seite: Aufkleber sogenannter Fußballfans an fast allen Laternen, Verkehrsschildern und an sonstigen öffentlichkeitswirksamen Stellen. Besonders das Buswartehäuschen am Dorfplatz machte einen verheerenden Eindruck, denn zusätzlich zu den berüchtigten Aufklebern wurden noch Farbschmierereien verursacht. Das Häuschen steht im krassen Gegensatz zum benachbarten Dorfplatz, der gerade mit viel Liebe und Mühe und nicht wenigen Kosten von den Radduscherinnen und Radduscher zum Maifest vorbereitet wird. Hier liebevolle Gestaltungsarbeit, daneben sinnlose Vernichtung.

Buswartehäuschen Raddusch vor wenigen Tagen

Dass dies nicht so bleiben kann, lag für einige Radduscherinnen und Radduscher auf der Hand. Sie hielten nichts von Schuldzuweisungen, sondern riefen alle, Kinder, Jugendliche sowie deren Eltern, zur Schadensbeseitigung auf. Katrin Küster startete einen Aufruf, der im Wartehäuschen ausgehangen und in den örtlichen Social-Media-Gruppen geteilt wurde. Darin heißt es unter anderem: „Unabhängig davon, was im Bushäuschen vorgefallen ist, stellt sich eine grundlegende Frage: Welche Werte vermitteln wir unseren Kindern gerade? Deshalb ist es jetzt wichtig, einen Schritt zurückzutreten: Solange nicht eindeutig geklärt ist, wer beteiligt war, sollten wir uns mit Anschuldigungen absolut zurückhalten. Wir waren alle einmal Kinder, wir alle wissen, dass Fehler passieren. Entscheidend ist, wie wir als Gemeinschaft damit umgehen.“

Ihr Aufruf an die Elternschaft und an deren Kinder lautet daher: Lasst uns gemeinsam mit unseren Kindern die Schäden beseitigen, egal, ob sie eine Schuld trifft oder nicht! Ihrem Aufruf folgten drei Elternteile und etwa zehn Kinder. Ganz sicher wären es mehr gewesen, wenn nicht gleichzeitig ein Feuerwehrfest stattfand, an dem auch die Radduscher Jugendfeuerwehrgruppe eingebunden worden war!

Eine kürzlich nach Raddusch zugezogene Familie war mit ihren beiden Teenie-Töchtern Lucy und Leni erschienen. Andreas Blümner: „Es ist doch selbstverständlich, dass wir uns ins Dorfleben einbringen und mit gutem Beispiel vorangehen!“ Beide Mädels schrubbten fleißig die Schmierereien von der Bushaltestelle ab, die sogleich durch Andreas Blümner mit frischer Lasur ausgebessert wurden. Vater Mathias Klinkmüller: „Ich hatte anfangs Befürchtungen, dass die Teilnahme als Schuldeingeständnis gewertet werden könnte, aber diese Frage spielte während der Aktion keine Rolle. Diese Herangehensweise war genau die richtige Reaktion auf diesen Vandalismusakt!“

Katrin Küster hätte sich am Abend des Tages durchaus noch mehr Teilnehmer vorstellen können, nahm aber auch die objektiven Gründe zur Kenntnis. „Wir Eltern teilen uns die Kosten für die Reinigungsmittel und Farben. Wichtiger ist es aber für uns, dass dieses Beispiel Schule macht. Es zeigt, wie man gemeinsam etwas verbessern kann und vorankommt – ohne mit dem Finger aufeinander zu zeigen!“ Ihre Hoffnung, die wahren Verursacher würden sich doch noch irgendwie outen, erfüllte sich nicht. Was vielleicht an dieser Stelle auch gut so war, andernfalls wären die Putzenden schnell in zwei Lager zerfallen. Aber nachdem nun alles wieder chic und schön ist, die Urlauber und der Mai kommen können, wäre ein wenig Reue der Verursacher angebracht – und eben auch ihr Mut, sich öffentlich zu stellen.

Natürlich lag permanent die Frage in der Luft, wie lange das Häuschen so schön bleiben würde. Doch vielleicht ist in den Verursachern die Erkenntnis gereift, dass Schmierereien niemandem etwas bringen, sie letztlich nur Ärger verursachen – und die ganze Dorfgemeinschaft auf den Plan rufen. So die Hoffnung.

Peter Becker, 21.04.26

Über Peter Becker 512 Artikel
Jahrgang 1948, Diplomlehrer, Freier Journalist und Fotograf, Spreewaldkenner

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