Woklapnica in Burg

Einsetzender Schneefall und glatte Straßen taten der Veranstaltung in der Burger Schule keinen Abbruch: An diesem Sonntagnachmittag fanden sich trotz der Wetterlaunen über 130 Burger zur traditionellen Woklapnica ein. Diese uralte Form der Bürgerversammlung im sorbischen/wendischen Siedlungsgebiet dient seit jeher dem „Abklopfen“ des alten Jahres: Der Bürgermeister berichtet über Geschehenes, nennt Zu- und Abgänge, gibt einen Ausblick auf das kommende Jahr und lässt die Bürger zu Wort kommen.

Für Bernd Ragotzky war es die erste Veranstaltung, denn der langjährige und beliebte Bürgermeister Hans-Jürgen Dreger war Anfang des Jahres verstorben. Für ihn wurde der Unternehmer Bernd Ragotzky als Nachfolger gewählt, der dann auch zu Beginn der Woklapnica zu einer Schweigeminute aufrief, in die er auch den viel zu jung verstorbenen Burger Amtsbrandmeister Marcus Weber einschloss.

Im Jahresrückblick zeigte sich, dass entgegen mancher Zweifler in Burg im Jahr 2025 eine Menge geschehen ist. Herausragendes Beispiel ist der Bau der inzwischen 27 Millionen Euro teuren Mehrzweckhalle auf dem Schulgelände, die in diesem Jahr in Betrieb gehen könnte. Bernd Ragotzky hielt sich für Genaueres noch etwas zurück, denn in seinem ersten halben Dienstjahr hatte er bereits kennenlernen müssen, dass immer wieder unvorhergesehene Schwierigkeiten auftreten können, die von Auflagen bis zu Teuerungen reichen können.

Zu den herausragenden Ereignissen des zurückliegenden Jahres zählen insbesondere die jährlichen Fastnachten, das Burger Heimat- und Trachtenfest, der Spreewaldmarathon, die Sagennacht, der Handwerker- und Bauernmarkt, das historische Kartoffelhacken und der Höfeadvent. Die Heimatstube wurde wiedereröffnet, Burg wurde anerkannter „Thermalsohleheilbad“, der Willizscha-Badesee wurde ertüchtigt, eine Bienenburg im Kurpark angelegt, der auch neue Sagenfiguren erhielt.

Bernd Ragotzky gab einen Ausblick auf die kommenden Aufgaben, zu denen Bau- und Sanierungsmaßnahmen am Feuerwehrmuseum, im Spreehafen und umfangreiche Straßenbau- und Brückensanierungen gehören. Burg wird 2026 Ausrichter des Super-Kokots und der Traditionsveranstaltung „Tracht tanzt“ am 21. Juni am Waldhotel Eiche.

 Amtsdirektor Tobias Hentschel, zuständig für die sechs Burger Amtsgemeinden, ging dann noch auf weitere Projekte ein. Die Schulsanierung steht für ihn an vorderster Stelle, ebenso die Anschaffung eines zweiten Rettungswagens und die endgültige Fertigstellung der Brücke zum Barfußpark.

Wie in jedem Jahr erhielten auch dieses Mal wieder verdienstvolle Gemeindemitglieder eine Ehrenurkunde. Bernd Ragotzky dankte damit Heike Budarick für ihre Tätigkeit in der Kinderturngruppe, Fritz Matschenz und Rolf Zimmermann vom Förderverein Feuerwehr Burg-Kauper.

Burger Vereine und Vereinigungen nutzten anschließend die Gelegenheit, ihre Arbeit vorzustellen und Mitglieder anzuwerben, wie Stefan Bramburger vom Förderverein Feuerwehr Bug-Dorf und Nicole Ehrenberg, die dem Imkerverein vorsteht. Klaus Gebler berichtete über die Arbeit der Chronistengruppe und bat um Zusendung von allem Bewahrenswerten.

In der Fragestunde nutzten einige Bürger die Gelegenheit, ihre Sorgen anzusprechen. Dabei ging es unter anderem um die immer noch fehlende Rampe für Rollatorenbenutzer am Friedhof, um noch mehr Grün, aber auch Stille, im Ort und um die Klärung der Folgekosten für die Mehrzweckhallennutzung.

Mit gewisser Spannung wurde die traditionelle Vorstellung der Neu-Burger erwartet, verbunden mit dem „Einkaufen“ in die Gemeinde mittels einer Schnapsrunde. Immerhin zogen im letzten Jahr 155 Menschen nach Burg. „Nicht auszudenken, wenn alle sich an diesem Tag mit Schnaps eingekauft hätten“, wie Bernd Ragotzky anmerkte. Dennoch gab es ein paar Neuvorstellungen, darunter Tanja Urban und Matthais Richter, die eine Immobilie am Polenzweg 11 erworben haben.

Burg 2025 in Zahlen:

4286 Einwohner

20 Geburten

69 Sterbefälle

155 Zuzüge

149 Wegzüge

Gegenüber 2024 verlor Burg 45 Einwohner

Peter Becker, 07.01.2026

Über Peter Becker 487 Artikel
Jahrgang 1948, Diplomlehrer, Freier Journalist und Fotograf, Spreewaldkenner

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