Ostereiermalerin Susann Köbernick

Das Verzieren sorbischer Ostereier begleitet Susann Köbernick aus Hartmannsdorf schon seit über 25 Jahren. Noch als Schülerin hatte sie das Malen und seine Symbolik von ihrer Lübbener Tante Heidelind Lies er­lernt. Erste einfache Linien wurden mit den Jahren gerader und präziser, die Technik ausgefeilter und die eigene „Handschrift“ immer ausgeprägter. Durch ihre Tätigkeit beim Spreewaldverein e.V. ist sie auch beruflich nah dran an spreewaldtypischen Themen.

Susann Köbernick studierte Gesellschaftswissenschaften mit dem Kernfach Philosophie. Sie ist verheiratet und hat ein Kind. Nach dem Studium zog sie von Cottbus zurück ins heimatliche Lübben und wohnt heute mit ihrer Familie in Hartmannsdorf.

Über ihre gestalterischen Ambitionen sagt die 36-jährige Susann Köbernick: „Ich habe im traditionellen Ostereierverzieren etwas gefunden, das mich schon lange fesselt und inspiriert. Da steckt so viel drin: die filigranen Muster, die traditionellen Techniken und die Symbolik der Ornamente. Und genau das sollte nicht verloren gehen und ist es wert, weitergegeben zu werden. Vielleicht kann ich dazu beitragen, dass diese ganz spezielle kulturelle Ausdrucksform mit Respekt gelebt und sichtbar gehalten werden kann. Ich sehe mich als kleinen Teil dieser lebendigen Kultur, die unseren Alltag im Spreewald in vielerlei Hinsicht prägt.“

Susann Köbernick gibt Gestaltungskurse, wie am letzten Wochenende in Schönefeld. „Eigentlich schon ein ganzes Stück weit weg vom Spreewald, aber gerade das machte es dann auch wieder sehr spannend. Das Großartige ist, dass die Kurse oft generationsübergreifend zusammengesetzt sind. Da sitzen dann Großeltern, Kinder und Enkelkinder oft zusammen am Tisch und bestaunen, was der andere so hinbekommt.“

Susann Köbernick ist inzwischen eine Spezialistin für Eiergestaltungstechniken, sie selbst favorisiert die Wachsbossiertechnik.

Wachsbossiertechnik

Diese Technik hat in den zurückliegenden Jahren einen starken Aufschwung erfahren und zählt heute zu den beliebtes­ten sorbischen Techniken. Wie bei der Wachs-Batiktechnik wird heißes Wachs mittels Federchen oder Nadel auf das Ei aufgebracht. Anders als beim Batiken, wird jedoch farbiges Wachs verwendet, welches auf der Schale verbleibt.

Zahlreiche Frauen und auch Männer haben sich der Wachsbos­siertechnik verschrieben. Sie haben inzwischen ihren eigenen Stil, sind auf Ostermessen und -märkten mit ihrer Kunst vertre­ten und führen das Verzieren der Ostereier vor Publikum vor.

Gebraucht werden: Federn, Wachs, Hölzchen mit Stecknadel, Löffelkarussell, Stövchen

Ätztechnik

Die Ätztechnik war früher wesentlich weiterverbreitet als heu­te. Auf das dunkel gefärbte Ei wird mittels einer in Säure getauchten Feder ein Mus­ter geschrieben. Die Säure ätzt die Farbe ab und wird anschlie­ßend mit einem weichen Lappen vorsichtig abgewischt. Einst wurde Sauerkrautsaft verwendet, heute verdünnte Salzsäure. Dadurch tritt das Muster kontrastreich hervor. Neben Ranken- und Blütenmustern werden oftmals auch originelle Reime und Sprichwörter aufs Ei geschrieben.

Gebraucht werden: Zeichenfeder mit Halter, Säure, Läppchen.

Kratztechnik

Wie bei der Ätztechnik wird ein dunkel gefärbtes Ei genommen. Mit einem spitzen Gegenstand wird das Muster Stück für Stück in die Schale eingra­viert und tritt hell auf dunklem Grund hervor. Die Kratztechnik erfordert viel Zeit und besonders viel Geschick. In jüngerer Zeit dienen auch Muster (Models) alter wendischer Blaudrucktrach­tenschürzen als Vorlage, um entsprechend dunkelblaue Oster­eier zu gestalten.

Gebraucht werden: kurze Messer, Nagel- bzw. Gravurwerkzeuge.

Bedeutung der Farben

Erkenntnis und Wissen werden durch Orange symbolisiert. Grün steht für Natur, Fruchtbarkeit, Gesundheit, Hoffnung und Glück. Rot bedeutet Kraft, Energie und Feuer. Schwarz bedeutet Tradition und Beständigkeit. Blau ist Symbol für Ruhe, Harmonie sowie Freundlichkeit. Naturverbundenheit, Erfahrung und Bodenständigkeit werden von Braun repräsentiert. Gelb ist die Farbe der Sonne, Wärme und des Wohlstands.

….und Symbole

Die Blüte ist ein Zeichen für Wachstum, Entfaltung und eine gute Zukunft. Je nach Art im Ornament steht der Krähenfuß für Weisheit, magische Verstärkung oder für den richtigen Weg. Punkte sollen Geister bannen, das Dreieck, auch „Wolfszahn“ genannt, steht für die Dreifaltigkeit, aneinandergereiht steht es für Schutz. Wachstum, Gesundheit und Entfaltung werden durch das Sonnenrad symbolisiert. Die Bienenwabe ohne Punkt steht für einen Neuanfang. Die Wabe mit einem Punkt repräsentiert Fruchtbarkeit, gute Ernte sowie Wohlstand. Das Kreuz steht für festen Glauben.

Peter Becker, 05.04.26

Zur Malerin: www.wachs-bossiert.de

Über Peter Becker 508 Artikel
Jahrgang 1948, Diplomlehrer, Freier Journalist und Fotograf, Spreewaldkenner

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