












Cosplay trifft Spreewald – vom Traum mal jemand anderes zu sein
Was treibt einen Menschen an, einen nicht unbedeutenden Teil seiner Freizeit einem Rollentausch zu widmen? Denn um einen solchen handelt es sich letztlich, wenn such junge Frauen nicht nur in aufwendig und fast immer eigenhändig gestaltete Kostüme schlüpfen, sondern auch noch in die dazugehörenden Rollen – und das in aller Öffentlichkeit.
Die Cosplay-Szene agiert weltweit, beinahe schon 100 Jahre: Cosplay ist eine Wortkombination aus den englischen Begriffen Costume (Kostüm) und Play (Spielen). Ihren Ursprung sieht die Szene in den ersten Science-Fiction-Filmen in den USA und später in Japan, mit der aufblühenden Manga-, Anime- und Videospielkultur. Dabei stehen eigene Kreationen und eigene Rollenvorstellungen immer wieder im Vordergrund. Cosplayer verarbeiten Stoffe und Leder fantasievoll zu einem möglichst auffälligen Outfit, Waffen und Rüstung werden ebenso selbst hergestellt. Inzwischen gibt es dafür auch einen Markt, der die Cosplay-Begeisterung für sich ausnutzt und praktisch alles dafür anbietet.
Weltweit gibt es diese Szene, wie kürzlich beim Elbenwald-Festival in Cottbus festzustellen war. Es war daher zu erwarten, dass der nahe Spreewald mit seiner Mystik und seiner Sagenwelt Cosplayer anlocken wird, was auch geschah: Drei Vertreterinnen entdeckten den Spreewald, angeführt und begleitet vom bekannten Cottbuser Fotografen Heiner Stephan und seiner ebenfalls fotografierenden und unter dem Pseudonym Cindy O. Wildenhain schreibenden Tochter Cindy Oehmichen. „Der Spreewald war für mich schon immer ein Ort der Inspiration. Da ich dieses Jahr ein Romantasy-Buch geschrieben habe, dessen Kulisse dem Spreewald sehr ähnlich ist, war es für mich als Cosplayfotografin naheliegend, diese Kulisse zu nutzen, um meine Geschichte fotografisch umzusetzen. Mit Paula, Jennifer und Luka als Models konnte ich meine Welt mit seinen uralten Bäumen und dem düsteren Moor perfekt zum Leben erwecken“, sagt Cindy Oehmichen.
Die Cosplayerinnen waren teilweise erstmalig im Spreewald und fanden diese Szenerie „wahnsinnig passend“. Sie gingen in ihren Rollen auf und interagierten mit Wasser und knorrigen Weiden ebenso wie mit alten Wasserrädern und einem Backofen. Beides bot sich an der Dubkowmühle dafür an. Fotografen und Models spürten förmlich die Nähe zur Spreewälder Sagenwelt – deren Gestalten blieben zwar verborgen, aber niemand hätte sich sonderlich gewundert, wenn der Nykus, der Plon, der Schlangenkönig oder die Lutken in der Szenerie erschienen wären. (Vielleicht wäre das mal eine Idee für ein späteres Shooting?) Gewundert hatten sich dagegen die Touristen, die ihre Handys zückten und sich die Gelegenheit für ein außergewöhnliches Foto nicht entgehen ließen. Paddler hatten zu tun, rechtzeitig ihre Smartphones aus den wasserdichten Behältern zu kramen.
Jennifer Witthuhn aus Leipzig mit Mecklenburger Wurzeln, eine 35-jährige Archäologin, sagt zu ihrem Outfit: „Ich habe die Bardin Marga dargestellt. Den Charakter habe ich mir selbst ausgedacht, anlässlich unseres jährlichen Fantasy Fotoshootings. Die Story: Die beiden ‚Schwestern‘ Marga und Asle gehen auf Wanderschaft, diesmal in den mystischen Spreewald. Wir haben einige schöne Dinge entdeckt, wie die Dubkow Mühle, die an einigen Spots ans Mittelalter erinnerte und die herrlichen alten Bäume am Gewässerrand, die einen mystischen Charme versprühten und somit perfekt zu unseren Fantasy Charakteren passten.“
„Schwester Asle“ wird von Paula Schlegel dargestellt. Wenn sie mit ihrer Freundin und „Schwester“ Jennifer Witthuhn auftritt, ist auch immer ein Schwert dabei. „Sie hat einen eigensinnigen Charakter und macht Dinge, die anderen manchmal nicht gefallen. Ich schütze sie dann mit einem Riesenschwert in der Hand und bereinige brenzlige Situationen, damit sie in Ruhe auf ihrer Lyra provokante Lieder trällern kann.“ Paula Schlegel ist ebenso Leipzigerin und arbeitet als Softwareentwicklerin. Die 29-Jährige blickt auf eine lange Cosplay-Karriere zurück und erinnert sich: „Kurz nach der Jugendweihe entdeckte ich die Szene für mich und brannte darauf, mich ebenfalls so zu verkleiden. Mein dringendster Wunsch an meine Mutter war damals: ‚Mutti, bitte bringe mir das Nähen bei, gleich!‘“
Peter Becker, 01.09.26
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