







Zurück nach Hause, Ostern stand vor der Tür: Das wollten beide Studierende, sie suchten und fanden sich, wie in solchen Fällen üblich, über eine Mitfahrzentrale. Matthias Richter studierte damals in Dresden Informatik, Tanja Urban absolvierte in Leipzig Wirtschaftswissenschaften – beide wollten nach Cottbus.
Zu jemandem ins Auto zu steigen, ist immer von etwas Unwägbarkeit geprägt und birgt manchmal auch Überraschungen jedweder Art. Diese Heimfahrt 2017 ist beiden noch in bester und positiver Erinnerung: Man fand sich auf Anhieb sympathisch. Daraus entwickelte sich mehr, sehr viel mehr; aus Tanja und Matthias wurde ein Paar!
Matthias Richter stammt aus Krieschow, Tanja Urban wuchs in Cottbus und Burg auf. Beide haben somit Lausitzer Wurzeln und konnten sich schon immer vorstellen, irgendwann auch selbst wieder in der Heimat ihre Zukunft zu verbringen. Das Leben und Arbeiten in Leipzig und Dresden hatte anfangs seinen Reiz auf junge Leute ausgeübt, doch der Wunsch nach Bodenständigkeit und eine ruhige Umgebung prägten sich immer stärker aus. „Der Spreewald hatte für mich schon seit Kindertagen etwas Besonderes“, sagt Tanja Urban, die aktuell bei ihrem Vater Manfred Urban in der Burger Pension „Spreeaue“ arbeitet.
Nur wenige hundert Meter von der väterlichen Pension entfernt, bot sich die Gelegenheit, sich selbst auf einem über 5000 Quadratmeter großen Grundstück zu verwirklichen. Der ehemalige Vierseitenhof wirkt ein wenig wie im Dornröschenschlaf – verlassen, aber voller Möglichkeiten. Ziel der beiden ist es, die Hofstelle wiederzubeleben und dann irgendwann auch mal, abends am Fließ sitzend, die untergehende Sonne zu genießen.
Als der Polenzweg in den 60er Jahren gebaut wurde, durchschnitt er einfach – der geraden Linienführung wegen – das Grundstück. Damals gab es wohl kaum eine Möglichkeit des Widerspruchs. Wenn Tanja und Matthias heute zu ihrem Kahnschuppen gehen wollen, müssen sie die Straße überqueren. Glücklicherweise ist der Polenzweg als Radweg ausgewiesen und weist nur gelegentlich Anliegerverkehr auf. Auf dieser anderen Grundstücksseite, am Ufer eines kleinen Teiches, steht seit Jahrzehnten ein DDR-Bagger vom Typ T174. Er wirkt so, als wäre der Maschinist einfach ausgestiegen und hätte vergessen, wiederzukommen …
Wie es sich für Neu-Bürger, zugleich Neu-Burger, gehört, haben beide zur Woklapnica, dem uralten wendischen Brauch des „Abklopfens“ des alten Jahres, verbunden mit Begrüßung der neuen Einwohner, eine Saalrunde gegeben. Immerhin waren weit über 100 Gäste in der Burger Schulaula anwesend – eine in jeder Hinsicht nicht einfache Schankrunde.
Beide blicken zuversichtlich in die Zukunft, sie haben ihre Lebensaufgabe gefunden. Seit 2023 wohnen sie gemeinsam in Cottbus und pendeln häufig zwischen Wohnort, für Matthias auch Arbeitsort, und zukünftiger Baustelle. „Zurzeit ist Aufräumen und Entrümpeln unsere vorrangigste Aufgabe“, fasst Tanja zusammen. Matthias Richter ergänzt: „Wir spüren, dass man uns in der Heimat haben will; wir sind sehr dankbar dafür!“ Und er hat noch einen Tipp: „Ich kann jedem, der sich mit Rückkehrgedanken trägt, nur raten, diese auch umzusetzen. Die Region braucht junge Leute wie uns – man muss sich halt einen Ruck geben!“
Aus der Mitfahrgelegenheit von 2017, ihrem zufälligen Zusammentreffen, ist für beide eine gemeinsame Fahrt durchs Leben geworden!
Peter Becker, 28.03.26
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