Von der Notwendigkeit der Entschlammung

Tobias Kienz (li.) im Gespräch mit Jens Kühne

Entschlammung Radduscher Grubenwasserabsetzbecken

Riesige, wie überdimensionale Kissen anmutende Säcke, fachmännisch geotextile Entwässerungsschläuche (Geotubes) genannt, ziehen derzeit die Blicke der Radduscher auf sich. Unweit des Sportplatzes haben Beschäftigte des Wasser- und Bodenverbands Oberland Calau (WBV) eine 2000 Quadratmeter große Fläche für die Aufnahme der Tubes ertüchtigt. Diese werden derzeit über eine Rohrleitung mit abgesaugtem Schlamm aus dem in der Nachbarschaft liegenden Grubenwasserabsetzbecken befüllt.  Das Filtratwasser läuft über eine Gefällestrecke zurück und die Säcke füllen sich allmählich mit den festen Bestandteilen.

Manch aufmerksamer Beobachter wird sich ohnehin fragen, wieso aus dem 1,5 Hektar  großen künstlichen See eine nicht unerhebliche Menge Wasser in den Spreewald abfließt, obwohl es gar keinen Zulauf (mehr) gibt …  Der ehemalige Chefchemiker bei Vattenfall Europe, Helmut Ziehe, erklärt dies so: „Es handelt sich hier um ein Niedermoorgebiet am Schwarzen Berg, welches in keinem direkten Zusammenhang mit der Grubenentwässerung steht, aber durch die Schaffung des Beckens in Kontakt mit dem Grundwasser gekommen ist. Der hier vorkommende Raseneisenstein wird durchströmt, was zu einem Eisenhydroxideintrag  in das Becken führt.“

Das Grubenwasserabsetzbecken, so die offizielle Bezeichnung, wurde 1987 am Radduscher Schwarzen Berg in Betrieb genommen. Es sollte die Grubenwässer aus dem Tagebau Seese-Ost über den Kahnsdorfer Feldgraben aufnehmen. Doch mit der politischen Wende kam das Aus des Tagebaus, dem zuvor noch 1987 der Radduscher Nachbarort Kahnsdorf zum Opfer fiel. Die letzte Kohle wurde 1996 gefördert, obwohl noch zwei Drittel des geplanten Abbauvolumens in der Erde verblieben. Aus dem ehemaligen Tagebau entstanden der künstlich geflutete Bischdorfer See und der benachbarte Kahnsdorfer See, der sich ohne künstliche Zuleitung bildete. Damit endete auch die Grubenentwässerung – doch aus dem Radduscher Absetzbecken floss weiterhin kontinuierlich Wasser in den Spreewald. Was bei oberflächlicher Betrachtung als vorteilhafte Fügung für den immer auf Wasserzulauf angewiesenen Spreewald angesehen werden könnte, ist bei genauerer Betrachtung problembehaftet: Das eindringende ockerbelastete Grundwasser gerät in Kontakt mit sauerstoffhaltigem Wasser, Ocker fällt aus und bildet eine immer dicker werdende Schlammschicht. Letztlich würde dies zu einer Verlandung des Sees führen und erhebliche Mengen Ocker über das anliegende Seeser Fließ in die Radduscher Kahnfahrt und somit in den Spreewald einleiten.

Projektingenieur Jens Kühne vom Wasser- und Bodenverband. „Eine Lotung im Jahr 2023 hat ergeben, dass das Absetzbecken stärker verschlammt ist, als bisher angenommen. Es befinden sich etwa 5 300 Kubikmeter Eisenhydroxidschlamm am Gewässerboden, den wir nun mit einer Saug-Spül-Pumpe in die Tubes befördern. Nach der Austrocknung des Schlammes wird dieser analysiert und danach über eine fachgerechte Verwertung oder Entsorgung entschieden.“

Seit Jahren wird ständig im Auftrag durch die LMBV die Wasserqualität überwacht und einer Übersäuerung durch Sodazugaben entgegengewirkt. In der Mitte des Sees befindet sich ein mit Solarstrom betriebener „Quirl“, der die Sodazugaben verwirbelt.

Tobias Kienz, Projektmanager der auftraggebenden Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft mbH (LMBV): „Wir sehen uns in der Nachsorge der durch die Tagebaue entstandenen Folgen für die Umwelt und haben deshalb diesen Auftrag ausgelöst. Schließlich liegt uns ein gesunder Spreewald ebenso am Herzen wie allen an einer gesunden Natur Interessierten. Bei den Abpumpmaßnahmen schonen wir bewusst die Uferbereiche mit der dort vorhandenen Flora und Fauna.“

Peter Becker, 31.12.25

Über Peter Becker 487 Artikel
Jahrgang 1948, Diplomlehrer, Freier Journalist und Fotograf, Spreewaldkenner

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