Frühjahrsputz im Spreewald

Schönstes Frühlingsausflugswetter im Spreewald: Berliner Ruderer und Paddler zogen an diesem Sonntag über die Spree und erste Ausflugskähne bogen ins Lagunendorf Lehde ab. Dazwischen, etwas untypisch im Sonntagsbild, zwei miteinander vertaute Kähne mit fünf Leuten. Sie sahen keineswegs wie Ausflügler aus, leere Säcke und Kisten stapelten sich an Bord, Arbeitsgerät war zu sehen. Ihr Ziel war unweit Lehdes, am Ufer der Spree, gelegen. Schon in den vergangenen Jahren haben sie dort Müll aufgenommen und wollten es auch diesmal wieder tun.

Paul Rösler, ein Musiker und Künstler aus Lübbenau, hatte die „Spreewälder Gurkentruppe“ angeschrieben, wie sie sich gern nennen, und viele waren bereit, wieder Müll zu sammeln. Tim Richter vom Uferbau Lübbenau, Lukas Hannemann vom gleichnamigen Bootsverleih, Andrè Brämer, Servicetechniker bei der WIS und Sandra Richter vom Sielower Blumenhaus Glodny verzichteten auf ihre sonntägliche Freizeit und räumten nun schon zum fünften Mal den Spreewald auf. Ihnen allen liegt die Heimat und besonders der Spreewald am Herzen, sie können nicht wegsehen, wenn die Natur leidet.

Noch ist nichts endgültig überwuchert, noch gelingt das Aufsammeln der Hinterlassenschaften der letzten Jahrzehnte, denn um solche handelt es sich. Es ist keineswegs der Müll sorgloser Touristen, sondern der ehemalige Hausrat der Lehd’schen. Dieser stammt aus einer Zeit, als Müllentsorgung kaum stattfand, denn Entsorgungsstrukturen, wie sie heute existieren, gab es zu DDR-Zeiten kaum in den Dörfern. Offensichtlich still vereinbart und von den Behörden geduldet, luden die Lehder Einwohner ihre Abfälle in einem Stichgraben an der Spree ab. Der Zugang zum Graben ist heute verlandet, doch auf etwa 100 Meter dahinter liegen noch die Hinterlassenschaften aus dieser Zeit: Flaschen, Büchsen, Töpfe, Badewannen, Kochplatten, Küchenspülen, Gartenstühle, Kühlschränke … Die Aufzählung bleibt unvollständig! Tim Richter hatte sich die Wathosen angezogen und holte unzähligen Müll vom Grabengrund, seine Freunde säuberten die Uferbereiche. Sandra Richter sammelte Flaschen und Glasbruch, André Brämer grub größeren Müll aus, Paul Rösler und Lukas Hannemann verluden in die Kähne.

Nach etwas mehr als zwei Stunden waren beide Kähne gut beladen. Mit gewissem Stolz, etwas für die Umwelt an diesem Sonntag getan zu haben, ging es zurück zum Verladeplatz an der Lübbenauer Sägemühle. Touristen in den entgegenkommenden Ausflugskähnen äußerten sich zustimmend, auch kam gelegentlich mal Beifall für die Aktion der Naturfreunde auf.

Der Bauhof übernimmt nun die endgültige Entsorgung, wofür die „Spreewälder Gurkentruppe“ sehr dankbar ist! Endlich kann der Müll sortengerecht verwertet werden. Alle Macher wissen, dass es wohl noch mehrere Fahrten in den Spreewald geben muss, um auch die letzten Hinterlassenschaften vergangener Zeiten entfernen zu können.

Rückfahrt mit vollen Kähnen: Sandra Richter, Tim Richter, André Brämer, Lukas Hannemann, Paul Rösler (v.l.)

Peter Becker, 27.03.26

Über Peter Becker 504 Artikel
Jahrgang 1948, Diplomlehrer, Freier Journalist und Fotograf, Spreewaldkenner

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*


Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.