Sonderausschuss Strukturentwicklung in der Lausitz tagte in Raddusch

Der Landtag Potsdam hatte am 9. Juni 2023 den Sonderausschuss Strukturentwicklung in der Lausitz zu einer Vorort-Sitzung in die Radduscher Sport- und Kulturscheune eingeladen, Kinder der örtlichen Einrichtung begrüßten in Tracht oder in Lutkigewändern (die dienstbaren Geister …) die Damen und Herren in alter slawischer Sitte mit Brot und Salz.

 Raddusch war bewusst gewählt worden, denn der Vetschauer Ortsteil ist es unmittelbar vom Strukturwandel betroffen. Das bezieht sich auf die Tagebaufolgelandschaft ebenso, wie auf den Ausbau des Schienennetzes. Eine Radduscher Bürgerinitiative hat die Zusammenkunft genutzt, um ihren Unmut gegenüber den Gleisausbau in seiner jetzigen Planung auszudrücken. Niemand ist gegen das 2. Gleis, es wird sogar begrüßt, doch ohne Schall- und Erschütterungsschutz kann der dann gestiegene Verkehr nur schwer „ausgehalten“ werden. Ortsvorsteher Ulrich Lagemann brachte es in seiner Begrüßung auf den Punkt: „Bei einer Investitutionssumme von fast 300 Millionen sollten die Mittel für den Schutz der unmittelbar an der Bahnstrecke wohnenden Menschen auch noch vorhanden sein. Jeder Bürger hat ein Recht auf Nachtruhe – und Raddusch soll ein attraktiver Wohnort bleiben!“ Damit leitete er auf den Tourismusstandort über, denn mit der Slawenburg und dem Spreewald verfügt Raddusch über entsprechendes Potenzial. „Warum die Freigabe des Bischdorfer Sees so lange dauert, ist mir ein Rätsel. Nach alten Planungsunterlagen sollte er bereits 2012 zum Baden einladen. Mit einer zügigen Freigabe wäre auch der Slawenburg geholfen, die sich in unmittelbarer Nähe des Sees befindet. Burg und See könnten voneinander partizipieren!“

Vetschau Bürgermeister Bengt Kanzler trug vor dem Ausschuss ähnlich lautende Bedenken vor. „Wenn nicht bald was passiert, dann können wir als Stadt die Burg nicht weiter unterhalten; wir brauchen Zuschüsse so lange, bis die Burg es vielleicht mal (mit der Seenlandschaft im Rücken) allein schafft“. Dabei steht Vetschau gar nicht so schlecht da, denn alle drei Gewerbegebiete sind weitestgehend ausgelastet. Die Forderung nach einen Gleisanschluss für wenigstens eines der Gewerbegebiete im Rahmen der Umbauten der Strecke wurden erst einmal abgelehnt, weil kein Investor bisher diesen eingefordert hat. „Müsste es nicht umgekehrt sein? Wir legen einen Gleisanschluss, damit sich Investoren genau deswegen niederlassen können!“, fragte Kanzler in die Runde. Beide, Lagemann und Kanzler waren sich einig, dass den vielen Worten nun wirklich und ganz schnell Taten folgen müssen.

Matthias Hantscher, als Sportvereinschef Gastgeber der Veranstaltung, betonte in seiner Begrüßung den dörflichen Zusammenhalt, der zu einem großen Gemeinschaftsgefühl geführt hat. „Viele Radduscher und Radduscherinnen sind irgendwie involviert oder einbezogen, besonders auch die Kinder. Von 190 Mitgliedern im Sportverein sind die Hälfte Kinder. Jeder packt an, wenn es was zu tun gibt, da ist sich selbst der Zahnarzt nicht zu schade und greift zur Steinsäge.“

Nach der Begrüßung wurden die Berichte von Experten angehört, die sich mit dem Strukturwandel und besonders der Wasserhaushaltung befassten. In sehr umfangreichen Expertisen wurde verdeutlicht, dass es ohne enorme Anstrengungen nach dem Kohleausstieg auch einen riesigen Wassermangel geben wird. Die Grubenentwässerung sorgt noch nach wie vor für einem relativ normalen Wasserstand in der Spree. Danach könnte die Spree, wie schon in früheren Jahrhunderten, zeitweise trockenfallen, wie aktuell schon die Schwarze Elster. Hochwasser werden ohnehin nur selten auftreten und könnte durch die vorgelagerten Speicher nutzbringend aufgefangen werden.

Es schwebte über den Köpfen: Spreewald ohne Wasser, ohne Wasser dann auch Berlin…. Das mochte man sich nicht wirklich vorstellen. Wie dies vielleicht verhindert werden kann, war Gegenstand der nachfolgenden Diskussion. Dass dies sogar ganz schnell geschehen muss, praktisch in Tesla- oder Terminalgeschwindigkeit, nicht mit einem 10- oder gar 15-jährigen vorgeschalteten Planungsverfahren war ebenso klar.

Peter Becker, 09.06.23

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Jahrgang 1948, Diplomlehrer, Freier Journalist und Fotograf

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