Buchpremiere im Doppelpack

Beide Bücher sind am 5. Mai 2023 erscheinen; die Premierenveranstaltung fand unter großer Publikumsbeteiligung in der Bunten Bühne Lübbenau statt. Erwerb der Bücher

Beide Bücher im Überblick:

  1. „Bewährtes bewahren – eine Zeitreise durch Spreewälder Gärten und Höfe“

Die auslösende Fragestellung in Zeiten von Krisen: Wie schafften es früher die Menschen, ohne Strom und Gas, ohne Supermärkte und praktisch ohne Geld ihr Leben zu sichern? Speziell im Spreewald ….

Hausgärten sind vermutlich so alt, wie es die Sesshaftigkeit des Menschen selbst ist. Die ehemaligen Jäger und Sammler hatten das Interesse, ihre Nahrungsquellen möglichst nah an ihre Behausung zu binden: Wildtiere wurden im Laufe der Zeit domestiziert – Kräuter und andere essbare Pflanzen wurden Wäldern und Steppen entnommen, in die Nähe der Hütten geholt und dort wieder in die Erde verbracht und fortgezüchtet. Um diese vor Wildfraß, aber auch vor den eigenen Haustieren zu schützen, war von Anfang an auch eine Umzäunung erforderlich. So oder so ähnlich dürfte die erste Gartengründung vorgegangen sein. Während früher um jeden Quadratmeter gegeizt wurde, jede noch so kleine Fläche hinsichtlich ihrer Eignung geprüft und genutzt wurde, werden heute manche Gartenflächen weitestgehend zugeschüttet, zugepflastert oder betoniert, um Arbeit zu sparen und um einen „schönen“ aufgeräumten Garten zu haben. Als grüne Inseln fungieren südländische Gehölze, hier und da steht eine winterharte Agave, da eine kleine raspelkurze Rasenfläche – unsere Vorfahren würden angesichts der Platz- und Mittelverschwendung heftig den Kopf schütteln und den Begriff (wenn es ihn nicht schon gäbe) „Garten des Grauens“ verwenden!

In einer Zeit, wo alles käuflich ist, wo Gemüse großflächig nach industriellen Verfahren unter Einsatz von Dünger und Pestiziden angebaut wird, geht der Blick der besorgten Verbraucher immer öfter in die Vergangenheit zurück, in das Leben der Eltern- und Großelterngeneration. Bewusste Konsumenten hinterfragen immer öfter den gesundheitlichen Wert der Lebensmittel. Wer die Möglichkeit – und das Interesse- hat, liebäugelt mit einem eigenen Garten. Manches Wissen ist noch abrufbar, Gartenliteratur mit Anbautipps gibt es inzwischen reichlich, doch so manche alte Gemüsekultur ist in Vergessenheit geraten, so manches Konservierungsverfahren aus der Vorzeit der Tiefkühlschränke ebenfalls.

Noch gibt es ihn, den Erfahrungsschatz der Spreewälder, den es zu bewahren gilt, immer mehr Menschen wollen sich dieses Wissens bedienen. Dabei geht es nicht um ein Zurück, sondern um die Kombination von Althergebrachtem mit Neuem. Die früheren Generationen sahen im Hausgarten in erster Linie eine Ernährungsgrundlage. Ihm galt, neben dem Vieh und den Feldern, größte Aufmerksamkeit und Hingabe.

Rezeptbeispiele im Anhang sollen aufzeigen, wie fast Vergessenes eigentlich problemlos wieder in der gesunden Ernährung Platz finden kann. Das Büchlein soll eine Anregung sein, sich mit Bewährtem zu befassen, um es wieder in den Alltag zu integrieren. Es geht um das Aufzeigen und Erinnern von Verwertungsketten, um Müllvermeidung und klugen Umgang mit den Ressourcen.

Bei einigen Pflanzen und Produkten habe ich versucht, den niedersorbischen Namen (in Klammern) zu nennen. In so mancher Familie ist dieser oft noch präsent – vielleicht bleibt er durch die Nennung auch noch etwas länger im Bewusstsein!

Erwerb der Bücher

2. „Wendenkinder – Kindheit und Jugend im Spreewald – früher und heute

Bei der Recherchearbeit in den Archiven zu „Bewährtes bewahren …“ kam so mancher „Zufallsfund“ zutage, etwa die Geschichte der Muhme Kuschy, die als Hebamme über tausend Kindern in die Welt half – und das noch mit weit über 90 Jahren. Aber auch die Tragödie von Byhleguhre warf Licht in eine Zeit voller Entbehrungen und Mühen.

Daraus leitete sich eine weitere Fragestellung ab: „Wie war das eigentlich mit dem Kinderkriegen früher, welche Kindheit hatten sie wendischen/sorbischen Kinder?“ Über Tradition und Trachten, über Slawen und Wenden gibt es einen einigermaßen guten Kenntnisstand, aber über die Kinder …?

Noch vor wenigen Jahrzehnten kamen Kinder ohne allumfassende Versorgung auf die Welt. Sie kamen – und manche gingen leider wieder sehr früh: Die Kindersterblichkeit war hoch, sie wurde aber mehr oder weniger als schicksalsgegeben angenommen. Frauen bekamen viele Kinder, zehn und mehr waren keine Seltenheit. Nach einer kurzen Ruhepause, dem Wochenbett, übernahm die Mutter und Hausfrau wieder ihre angestammten Aufgaben. Aber es starben auch Frauen während und nach der Geburt. Das Kindbettfieber war gefürchtet, denn mit dem Tod der Frau starb auch die Mutter. Der Vater blieb mit dem Kind und den manchmal schon zahlreich vorhandenen Geschwisterkindern allein, er musste sich sehr bald nach einer neuen Frau umsehen. Die familiären Tragödien und Schicksale überstiegen das menschlich Fassbare. Besonders schlimm wurde es, wenn eine große Kinderschar Frau und Mutter unter emotionalen Druck setzte, sie den Aufgaben nicht mehr gewachsen war und in Depressionen verfiel oder gar zur Kindsmörderin wurde, wie im „Mord von Byhleguhre“ beschrieben.

Seit alters her gab es Frauen, die sich der Gebärenden annahmen und ihren, mit jeder Geburtshilfe immer größer werdenden Erfahrungsschatz, einbrachten.  Es entwickelte sich ein eigener Berufsstand, der der Hebammen. „Kuschys Muhme“ handelt von einer solchen Frau, die bis ins hohe Alter Tausenden Kindern auf die Welt half.

Im 18. und 19. Jahrhundert war es in betuchten Berliner Kreisen üblich, das Stillen der Kinder Ammen zu überlassen. Gut genährte Spreewälderinnen verdingten sich in der Hauptstadt, um Geld für die heimische Haushaltskasse hinzuzuverdienen. Ihre eigenen Kinder blieben daheim, oft unter Obhut der Großeltern, darunter auch ihr kurz zuvor geborenes Kind. Nicht selten entwickelte sich aus der Kinderbetreuung in Berlin ein lebenslanges Freundschaftsverhältnis. Das Kapitel „Spreewälder Ammen und Kindermädchen“ beschreibt diese Zeit.

Der DDR wird nachgesagt, dass sie ein besonders kinderfreundlicher Staat war. Dass dem auch so war, wird in einem Kapitel näher beschrieben. Allerdings darf dabei nicht übersehen werden, dass durch die enge Bindung an staatliche Förderung und Begünstigung auch eine Bindung an Staat und Gesellschaft beabsichtigt war.

Wenn auch vieles leichter geworden ist, so findet doch auch immer wieder eine Rückbesinnung auf Bewährtes statt. Luisa Fröhlich berät die jungen Mütter in allgemeinen Betreuungsfragen, aber auch im Tragen der Säuglinge. Im Spreewald war der Kinderwagen wenig tauglich, er hätte in den Kahn hinein und immer wieder herausgehoben werden müssen. Das Tragen der Kinder am Körper war daher praktisch und auch der Gesundheit beider fördernd. Im Kapitel „Die Trageberaterin“ wird darauf näher eingegangen.

Früher war der Gang zur Kindstaufe in die Kirche allgemein üblich, wobei im Spreewald unter „Gang“ eher die Kahnfahrt zur Kirche zu verstehen war. Taufen sind selten geworden und wenn, dann wird in aller Regel die Kirchfahrt mit dem Auto vorgenommen. Gläubige nutzen dennoch gelegentlich die Angebote der Kirche, ihr Kind vor Ort, in der Spree, taufen zu lassen. Im Kapitel „Spreetaufe“ wird dies näher beschrieben.

Das Büchlein soll eine unterhaltsame Ergänzung zu den Forschungen zur Spreewaldgeschichte sein und dazu beitragen, das Leben, die Herkunft und die Traditionen der Spreewälderinnen und Spreewälder besser zu verstehen.

Erwerb der Bücher

Rezensionen:

Sehr geehrter Herr Becker,

ich habe vor einigen Wochen Ihr Buch gelesen. Es ist phänomenal!
Seit 16 Jahren wohne ich in der Lausitz und interessiere mich für genau diese Thematik – Bauergärten, Spreewälder, indigenes Wissen. Ihr Buch bringt auch ein sehr interessantes Aspekt – älter werden und die Kultur bewahren. Sie haben es jedem möglich gemacht, den Garten „sorbisch“ und nicht Cottage zu gestalten, so wie die regionale Küche unsterblich gemacht. Ich komme aus Polen, meine Freundin aus Dresden, wir sind zwischen Mitte zwanzig und Mitte dreißig und haben sehr lange nach so ein Kompendium für diese Region gesucht. Wir haben das Buch schon mehrmals empfohlen und an unsere Freunde verschenkt. Es ist alles dabei: Artenschutz, Ethnographie, Kochbuch. Wir warten schon auf Ihr nächstes Buch und setzen das um, was wir aus diesem gelernt haben.

Mit freundlichen Grüßen
Bartosz Lysakowski

Peter Becker, 06.05.23

Über Peter Becker 371 Artikel
Jahrgang 1948, Diplomlehrer, Freier Journalist und Fotograf

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