Pferdeschicksale – das kleine Wunder von Belten

Von einer Stutenamme und einem Waisenfohlen

Traute Zweisamkeit zwischen Stute und Fohlen – dabei sind sie nicht einmal miteinander verwandt!


Jedes Jahr im Frühjahr wird Jana Pietzer nervös. Sie ist die Besitzerin des kleinen Reitstalls in Belten bei Vetschau und züchtet Ponys und Großpferde. Die Geburten der Fohlen werden im Frühjahr sehnlichst von ihr erwartet. In diesem Jahr konnte sie drei Fohlen begrüßen, zwei Hengste und eine Stute. Die Kleine kam am 10.03.2022 auf die Welt und bekam dem Namen „Happiness“ (Glück). Auf dem Hof wurde sie schon bald der neue Star. Die Reitschüler zähmten sie und Happiness wurde schnell zutraulich. Ihr Name war Programm und mit ihrer lustigen und liebevollen Art zog sie jeden in seinen Bann. Leider wurde das Fohlen am 22.06.2022 krank. Der Tierarzt wurde gerufen und versuchte alles in seiner Macht stehende, um drei Monate alten „Happy“, wie sie von den Kindern genannt wurde, zu helfen. Nur ist die Natur manchmal grausam und am Morgen des 23.06.2022 verstarb das Fohlen. Alle auf dem Reiterhof waren von Trauer tief ergriffen, denn so etwas hatte es zuvor noch nicht gegeben, keine der jungen Reitschülerinnen hatte so etwas erlebt. Die Fuchs-Stute „Havanna“ war nun allein und sichtlich von dem Tod ihres Fohlens mitgenommen. Jana Pietzer entschloss sich, die Stute als Ammenstute im Internet zu inserieren. Diese Vorgehensweise war auch für sie Neuland, aber unbedingt einen Versuch wert. Noch am selben Abend meldeten sich Besitzer eines verwaisten Fohlens aus dem Berliner Raum, welches am 23.06.2022, dem Todestag des Beltener Fohlens, geboren wurde und seine Mutter kurz nach der Geburt verloren hatte. Beide Seiten wurden sich schnell einig und schon am nächsten Morgen kam das verwaiste Fohlen namens „Karu“ in Belten an. Es stolzierte sofort mit seinen langen dünnen Beinchen selbstbewusst und vermutlich sehr hungrig in den Stall. Die seit über 24 Stunden fohlenlose Ammenstute regierte sichtlich erfreut, nahm das neue Fohlen sofort als ihres an und ließ es säugen. Seitdem sind die beiden unzertrennlich – und der Neuankömmling ist wohlauf. „Karu“ wächst täglich und ist bereits mit den anderen Fohlen zusammen auf der Koppel. Sie spielen zusammen und toben über die Wiese. 

Es kommt leider immer mal vor, das gebärende Stuten kurz danach versterben. Die für das Fohlen so wichtige erste Milch (Kolostralmilch) fällt dann aus, wenn nicht der Besitzer Vorsorge getroffen hat und sie abgenommen und eingefroren hat. Neugeborene nehmen zusätzlich in den ersten Lebensstunden Kot der Mutterstute auf, um sich mit den lebensnotwendigen Darmbakterien zu versorgen. Wenn das Muttertier verstirbt, ohne dass das Fohlen diese Stoffe aufnehmen konnte, stehen die Überlebenschancen für das Fohlen schlecht. Wenn das Fohlen die ersten Lebensstunden dafür nutzen konnte und zügig eine Ammenstute gefunden wird, sind dessen Chancen hoch! Dank moderner Medien gelang es im geschilderten Fall zeitnah diese Ammenstute schnell zu finden. Diese muss aber auch das fremde Fohlen akzeptieren, glücklicherweise war dies der Fall. Oft genug ziehen sich die Stuten in sich zurück und akzeptieren keine anderen Fohlen in ihrer Umgebung, doch hier gelang die Zusammenführung!

Woran das Beltener Fohlen so plötzlich verstarb, blieb unklar.

Peter Becker, 29.06.22 – nach einer Zuarbeit von Kristin Göbel und Sophie Herling

Über Peter Becker 281 Artikel
Jahrgang 1948, Diplomlehrer, Freier Journalist und Fotograf

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