Leinöl – es gibt kein gesünderes Öl!

Spreewälder Leinöl

Wenn es um typische Spreewälder Produkte geht, fallen den meisten zuerst die Gurken ein, dann folgen Meerrettich und das Leinöl. Letzteres war früher in nahezu allen Haushalten in irgendeiner Form präsent, egal ob als Flachspflanze, die zu Leinen verarbeitet wurde oder als Samen, aus dem das begehrte Öl gewonnen wurde. Heute weiß man, dass es das gesündeste Öl überhaupt ist und das viel angepriesene Olivenöl hinsichtlich seiner Omege-3-Fettsäuren sogar noch weit übertrifft. Das Leinöl ist in der Lausitz das beliebteste Öl. Darüber hinaus ist es weniger bekannt – die Leinölerzeuger nennen gern Berlin als Leinöl-Äquator.

In der Straupitzer Mühle wird es nach alter Technik ebenso hergestellt, wie nach neueren Verfahren. Das Prinzip ist dennoch gleich, lediglich der Anteil der körperlich schweren Arbeit hat sich in der moderneren Anlage etwas verringert. Dort gibt es zwei Produktionsstränge, einen für die Bio-Saat und einen für Ölsamen aus konventionellem Anbau. In der Bio-Verarbeitungsstrecke kommen nur Leinsamen aus kontrollierten deutschen Anbaugebieten zur Verwendung, meist aus Brandenburg, aber auch aus Sachsen und Thüringen. Katrin Doil, Geschäftsführerin der Windmühle Straupitz GmbH: „Obwohl pandemiebedingt der Umsatz im Mühlenladen in den letzten Jahren zurückging, stieg dafür der Online-Versand kräftig an. Inzwischen haben wir auch täglich geöffnet, der Verkauf vor Ort zieht auch wieder an. Wir beliefern andererseits nur wenige Wiederverkäufer in der Region, weil unser Öl nur wenige Wochen haltbar ist und keine größeren Lagebestände zulässt – Qualität ist unser wichtigstes Anliegen“. Sie verwies darauf, dass sich das Öl für längere Aufbewahrungszeiten sehr gut in der Flasche einfrieren lässt – eine Möglichkeit, die die alten Spreewälder gern gehabt hätten. Sie konnten immer nur so viel erzeugen, wir etwa in einem Monat verbraucht wurde.

Das Bio-Leinöl ist naturgemäß teurer, da der Einkauf schon zu einem höheren Erzeugerpreis erfolgt. Es ist nur folgerichtig, wenn nicht nur das Öl, sondern auch sämtliche Verarbeitungsprodukte einer Verwendung zugeführt werden. Bei einem Pressvorgang werden aus 18 Kilogramm Leinsamen etwa 4,5 Liter Öl gewonnen. Der Pressrückstand (Leinkuchen) wird als wertvolles Tierfutter abgegeben oder gemahlen als Mehl für Ernährungsbewusste zur Verfügung gestellt. Es eignet sich als Backzusatz, zum Panieren oder als Müsli-Zugabe. Selbst die Filterrückstände, meist mit Pressrückständen versetzt, werden verarbeitet. Das daraus gewonnene „Spreeolin“, ein Straupitzer Produkt, eignet sich als Holzschutz oder Möbelpolitur. Leinöl und Flachs stehen seit jeher für Regionalität und Nachhaltigkeit. Selbst das wertlos erscheinende Flachsstroh, die nicht mehr verspinnbaren Faserreste, werden als Dichtmaterial (Werg) bei Installationsarbeiten eingesetzt. Flachs erzeugt praktisch keine Abfälle!

Betriebe, deren Leinöl aktuell mit der Dachmarke-Spreewald zertifiziert ist (mehrheitlicher Anteil des Leins stammt aus dem Wirtschaftsraum Spreewald):

  • Kanow-Mühle (bietet auch einen Lein-Power-Riegel aus Presskuchen an)
  • Agrargenossenschaft Drebkau
  • Agrargenossenschaft „Unterspreewald“ e.G. à keine eigene Ölmühle, Lohnpressung und dann Vermarktung des Leinöls über den Hofladen
  • Öl & Gut
  • Ölmühle am Brauhaus Lübbenau

Quelle: Spreewaldverein e.V.

Leinöl- ein natürlich gesundes Lebensmittel

In nachstehender Tabelle sind die Inhaltsstoffe vom Straupitzer Leinöl im Vergleich zu denen vom Raps- und Olivenöl aufgezeigt.        

Fettsäuren:RapsölOlivenölLeinöl
gesättigte9 %15 %8,9 %
einfach ungesättigte (Omega-9)58 %79 %19,3 %
zweifach ungesättigte Linolsäure (Omega-6)25 %6 %15 %
dreifach ungesättigte Linolsäure (omega-3)8 %1 %57,9 %

Leinöl ist eine der wenigen Quellen für dreifach ungesättigte Linolsäure. Der hohe Gehalt an essenziellen Fettsäuren macht das Leinöl zum wertvollsten und gesündesten Pflanzenöl überhaupt. Als essenziell werden die Fettsäuren bezeichnet, die für uns lebensnotwendig sind. Diese kann unser Körper aber nicht selbst herstellen, weshalb wir sie über die Nahrung zu uns nehmen müssen. Wegen der hohen gesundheitsfördernden Wirkung auf den gesamten Organismus sollte Leinöl auf dem täglichen Speiseplan unbedingt vorhanden sein. Die Empfehlung von Dr. Johanna Budwig ist pro Tag 1 Esslöffel Leinöl für den gesunden Körper oder in besonderen Fällen dreimal täglich 1 Esslöffel. Leinöl darf nicht erhitzt werden, denn ab 110° C verbrennt es, wodurch Transfette entstehen, die uns nur schaden.

https://www.windmuehle-straupitz.de/cms/index.php/die-oelmuehle/straupitzer-leinoel

Peter Becker, 30.03.22

Über Peter Becker 259 Artikel
Jahrgang 1948, Diplomlehrer, Freier Journalist und Fotograf

2 Kommentare

  1. Gutes Leinöl, schöner Artikel, tolle Bilder. Nur Johanna Budwig, die meines Wissens auch nicht promoviert ist, muss man in dem Zusammenhang nicht zitieren. Leinöl ist auch so gesund, da muss man nicht auf Scharlatane und selbsternannte Krebswunderheiler zurückgreifen.

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