Spreewälder heiraten im Spreewald

Es gibt für Spreewälderinnen und Spreewälder, wenn auch seltener, die traditionelle Hochzeit, in der die Braut die niederwendische Brauttracht trägt – und es gibt die modernere Version, die dennoch an alte Bräuche und Traditionen anknüpft.

Die Lübbenauer Marie-Josefin Kopsch und Alexander Hoschke fuhren im geschmückten Hochzeitskahn, gestakt vom Lehder Günter Brandt, zur Wotschofska, mitten durch den ganz normalen Ausflugstrubel. Dem einen oder anderen Paddler fiel schon mal sein Arbeitsgerät aus der Hand, wenn er schnell nach seinem Smartphone suchte: Solch einen fotografischen Moment wollte sich kaum jemand entgehen lassen.

Begonnen hatte der Tag für das Paar, dass sich schon seit vielen Jahren kennt, mit der Anreise nach Lehde im Boblitzer Feuerwehrauto der sowjetischen Marke SIL. Die sportliche 28-Jährige ist ein aktives Mitglied in der benachbarten Groß Lübbenauer Feuerwehr und bei Wettkämpfen immer ganz vorn mit dabei. Beruflich findet man sie in der Niederlausitzer Sparkasse, sie ist dort im Vertriebsmanagement tätig. „Josie“ ist auch als Spreewaldmodel bekannt, in vielen Print- und Onlinemedien präsentiert sie die Region, egal ob im Paddelboot, im Kahn, auf dem Fahrrad oder einfach nur beim Chillen mit Freundinnen und Freunden am Fließ.

Alexander Hoschke ist Gebietsleiter bei der Naturwacht des Biosphärenreservates, ist ausgebildeter Rettungsschwimmer und seit Kurzem auch Besitzer eines Jagdscheines.

In der Ausflugsgaststätte Wotschofska angekommen, wurde das Paar und seine 70 Gäste über einen liebevoll drapierten Weg in den hinteren Bereich geleitet, wo die freie Trauung stattfand. Franz Krause und Jette Schüler von der Jungen Philharmonie Brandenburg begleiteten die Feier musikalisch. Bereits am Donnerstag davor hatte sich das Paar „ganz ordentlich“ im Lübbenauer Standesamt das Ja-Wort gegeben. Festrednerin Michaela Richter berichtete aus der Kennlernphase des Paares, Eingeweihte und Zeitzeugen lächelten in sich hinein, zu gut sind ihnen die beiden aus gemeinsamen Erlebnissen bekannt. Nach dem Aufstecken der Ringe erhoben sich die weißen Tauben von Dirk Schäfer in die Luft. Die traditionelle Trinkprobe aus einem Becher, durch beide gleichzeitig, bestanden sie mit Bravour. Das anschließende gemeinsame Zersägen eines Baumstammes meisterten die Feuerwehrfrau und der Öko-Ranger ebenso leicht: der Birkenstamm war schon etwas morsch, die Blattsäge nicht wie sonst üblich, einigermaßen scharf. „Ich hatte mir schon heimlich eine Kettensäge deponieren lassen“, erzählt die Braut, aber sie kam dann doch nicht zum Einsatz. Nach getaner Arbeit wurde die Hochzeitstorte angeschnitten, die von einem anderen Freund, dem ebenfalls anwesenden Robert Jurischka, Bäckermeister in Vetschau, kunstvoll als Doppeltorte gefertigt wurde.

In später Nacht fuhren die Kähne wieder zurück, ganz vorn das Ehepaar Hoschke. Beide sind glücklich über den gelungenen Tag. „Wir sind allen Freunden, der Familie, Helfern und Mitwirkenden überaus dankbar“, resümiert die junge Ehefrau. „Besonders die Ruhe und Gelassenheit, die das Wotschofska-Personal ausstrahlte, hat uns beeindruckt. Schließlich ging nebenan der touristische Betrieb weiter. Wir können nur immer wieder danke, danke, danke … sagen!“

Peter Becker, 07.09.21

Über Peter Becker 217 Artikel
Jahrgang 1948, Diplomlehrer, Freier Journalist und Fotograf

Ersten Kommentar schreiben

Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*


Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.