Die „Pumpschänke“ bei Brodtkowitz

Ein Beitrag des Laasower Ortschronisten Andreas Tartz und des Wüstenhainer Ortschronisten Frank Paulisch

Fährt man von Wüstenhain vorbei an der ehemaligen Wassermühle halb rechts in Richtung Casel / Illmersdorf, so kommt man nach ca. 500m an einem kleinen, verlassenen Gehöft linker Hand am Waldweg vorbei. Das ist die sogenannte „Pumpschänke“, welche noch in den 1960iger Jahren als Gastwirtschaft in Betrieb war. Sie gehörte zu dem kleinen Dorf Brodtkowitz, ca. 1km vom Dorfkern entfernt.

Nun, was macht eine Gaststätte weit vom Ortskern entfernt?

Die Auflösung ist, dass besagter, kleiner Wald- und Feldweg früher einmal eine Poststraße war.

Hans Kober, Verfasser von „Die Niederlausitz und ihre sächsisch-preußische Postgeschichte bis 1871“ meint dazu: „Diese Poststraße wurde bereits im Dezember 1816 im Zusammenhang mit der Einrichtung der preußischen „Postwärterämter mit Station“ in Lübbenau, Vetschau und Drebkau eingerichtet und wurde in der Folge, soweit ich mich erinnere, immer wieder mal im Zusammenhang mit der notwendigen Freihaltung der Straßentrasse u.a. bei den Dörfern Brodtkowitz und Wüstenhain in der Kreispresse erwähnt. Postalische Belege, die direkt auf eine Beförderung über diese Poststraße hinweisen, sind mir nicht bekannt. Auf dieser Poststraße verkehrte ab Dez. 1816 sowohl eine Reitpost wie auch eine Fahrpost (Personenpost) zwischen Berlin und Görlitz. Dabei spielte die s.g. Heideschänke bei Brodtkowitz nachweislich die Rolle als Raststätte oder Absteige.“

Überliefert ist, dass dort auch die Pferde der Postkutschen gewechselt wurden. Auf der Calauer Kreiskarte von Albert Heine aus dem Jahre 1864 ist gegenüber der Heideschänke auch noch eine Schmiede eingezeichnet. Hier wurden wahrscheinlich die Pferde der Postboten und Reisenden beschlagen und Postkutschen repariert. In unserer Gegend führte diese Poststraße von Vetschau nach Spremberg über die Feldmarken Drebkau, Radensdorf, Illmersdorf, Altdöbern, Brodtkowitz, Wüstenhain, Tornitz, Lobendorf und Vetschau.

Auf einigen alten Landkarten aus der Zeit ist diese Schänke als „Neue Schenke“ oder Heideschenke eingezeichnet. Der erste Nachweis stammt aus den 1790er Jahren, als der damalige Brodtkowitzer Gutsbesitzer Gottfried Schneider den Bau einer Schenke und eine Konzession zum Bierbrauen bei der Oberamtsregierung der Niederlausitz beantragte.

Im Jahr 1803 wird in den Kirchenbüchern zu Laasow ein Matthes Fitzner als Schenkwirth in Brotkowitz genannt. 1831 wird dieser auch ausdrücklich als Besitzer erwähnt. Ein Jahr später ist dessen jüngster Sohn Christian Fitzner Heideschänker in Brodkowitz. Er und seine Frau Anne, eine geb. Krahl aus Wüstenhain, hatten 9 Kinder. Bis zu seinem Tod 1884 taucht der Christian Fitzner als Besitzer der Heideschänke lückenlos in den Kirchenbüchern auf. Ihm folgt sein Enkelsohn Reinhold Wehlan aus Brodtkowitz, der 1887 als Schänker und Stellmacher in den Kirchenbüchern eingetragen ist. Nach 1903 besitzt Wilhelm Liesecke, der in Dahlitz geboren wurde, die Heideschänke. Ihm folgt spätestens 1937 (vermutlich) seine Tochter Helene Böttcher. Ab Mitte der 1960er Jahre war die Schänke im Besitz der Familie Langer. Der Schankbetrieb wurde 1969/1970 eingestellt. Bis Anfang der 2000er Jahre war die Schänke noch bewohnt. Seit 2009 hat die sie einen neuen Besitzer.

Weshalb die Schänke „Pumpschänke“ genannt wird, darüber gibt es nur Vermutungen. Man konnte „auf Pump“ essen und trinken, konnte also anschreiben lassen. Es gibt so Erzählungen, dass die Gäste, welche ihre Zeche nicht zahlen konnten im Keller eingesperrt wurden, bis sie von den Ehefrauen „ausgelöst“ wurden. Von Zuhältern und leichten Mädchen war auch immer mal die Rede. Neben diesen Ereignissen hat auch ein mutmaßlicher Mordfall die Fantasie der Menschen erregt. Der Pumpschänker soll einen Gast, der seine Zeche nicht zahlen konnte, erschlagen und die Leiche im Brunnen entsorgt haben. Seit diesem Vorfall hat das Wasser in der Pumpschänke angeblich nicht mehr geschmeckt. Über dieses Ereignis handelt die „Ballade von der Pumpschänke“. Leider ist uns diese Ballade nicht mehr schriftlich Überliefert. Sie wurde wohl immer nur von Mund zu Mund weitergegeben. Belege für einen Mord in der Pumpschänke wurden in den Archiven bisher nicht gefunden.

Schräg gegenüber der Heideschänke befand sich die sogenannte Schankmühle. Der Name lässt die Vermutung zu, dass auch in ihr Speisen und Getränke an Besucher der Mühle und wohl auch an die Reisenden der alten Poststraße verkauft wurden. Die Schankmühle wurde auch nach dem jeweils aktuellen Müller früher Zschennigk und später Eger-Mühle genannt. Sie ist lange vor 1557 am Buchholzer Fließ als oberschlächtige Wassermühle erbaut worden und war eine reine Getreidemühle. Das abseits gelegene Gehöft gehörte zu Casel. Um 1900 ist die Mühle stillgelegt worden. Das Wohnhaus wurde bis Anfang 1960 noch genutzt. Heute ist diese Mühle verfallen, es stehen nur noch einzelne Mauerreste. Zu erkennen sind auch noch die großen Rückstaubecken für die benötigten Wassermassen.

Quellen:

Helmut Jentsch, Die historischen Mühlen zwischen Spreewald und Niederlausitzer Landrücken

Hans Kober, Die Niederlausitz und ihre sächsisch-preußische Postgeschichte bis 1871

Kirchenbücher des Kirchenkreises Laasow

Akten Brandenburger Landeshauptarchiv

Adressbücher des Kreises Calau 1922, 1925, 1929, 1937, 1941

diverse mdl. Überlieferungen

Frank Paulisch, Ortschronist Wüstenhain

Andreas Tartz, Ortschronist Laasow

Über Peter Becker 207 Artikel
Jahrgang 1948, Diplomlehrer, Freier Journalist und Fotograf

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