Terra preta und Pyrolyse – Radduscher stellen Bioholzkohle selbst her

Auf dem Gelände der Radduscher Feuerwehr gingen Reisigbündel in Flammen auf. Aber alles geschah kontrolliert in einem überdimensionalen Verbrennungstrichter, dem Pyrolyseofen. Gebaut und gesponsert hatte diesen der Radduscher Steffen Müller, Geschäftsführer der Vetschauer Industrieservice GmbH. Die Reisigbündel lagerten über 60 Jahre auf dem Boden einer alten Scheune, sie waren einst als Heizmaterial für den hofeignen Backofen gedacht. „Es muss aber nicht jahrzehntelang gelagertes Holz in den Ofen, es ist praktisch jeder Holzabfall denkbar, nur unbehandelt sollte er sein“, ließ Haiko Pieplow wissen. Der Wissenschaftler arbeitet beim Bundesumweltamt und wurde von der in Raddusch ansässigen Spreeakademie eingeladen, den Start der Eigenproduktion von Holzkohle vorzunehmen. Haiko Pieplow gilt als der Entdecker dieses Verfahrens, welches wertvolle Biosubstanz einer Wiederverwendung zuführt. Dabei wird die Holzglut nach Ende der Flammenbildung mit Wasser abgelöscht, die so entstandene kohleartige Substanz kann dann der Pflanzerde beigemischt werden. Davon brauchen die Radduscher noch jede Menge, denn die Aktion „Äppel & Birnen for Future -725 Bäume für Raddusch“ nimmt gerade richtig Fahrt auf. Dank eines guten Spendenaufkommens und dank der Bereitstellung geeigneter Pflanzflächen werden zum nächsten Pflanztag am 28. März wieder zahlreiche Bäume in die Erde kommen – in mit Biokohle vermischten Pflanzboden, in Fachkreisen Terra preta genannt (portugiesisch= Schwarze Erde).

Radduscher, Neu-Radduscher und weitere Interessierte wohnten der Inbetriebnahme bei. Annelie Richter aus Cottbus und Christian Beesk aus Schlieben werden in wenigen Wochen nach Raddusch ziehen. Über den „Radduscher Dorffunk“, eine Facebookgruppe, haben sie von der Aktion erfahren. Sie werden selbst noch Pflanzungen vornehmen und interessierten sich deshalb für das Verfahren. Aus Suschow kam der Student der Umwelttechnik Maik Bartuschk. „Ich wollte mir das mal vor Ort ansehen, ein geniales Verfahren zur Rückumwandlung biologischer Abfälle“, sagte er.

Beim traditionellen Radduscher Osterfeuer wird der Pyrolyseofen wieder zum Einsatz kommen. Wurden bisher riesige Mengen Strauch- und Astschnitt einfach so verbrannt, können diese nun umgewandelt und als „Terra preta“ wieder in die Erde kommen.

Haiko Pieplow zeigte so ganz nebenbei den Umstehenden eine Methode, die Wartezeit, die schon mehrere Stunden dauern kann, sehr angenehm zu nutzen: Eine alte Waschmaschinentrommel wird mit Glut gefüllt, obendrauf kommt ein gusseiserner Topf mit  Gemüse und Fleisch – nach einer Stunde ist das Mittagessen fertig!

Informationen zur Pflanzaktion und Spendenmöglichkeiten auf der Radduscher Homepage:

https://www.raddusch-spreewald.de/725zum725.php

Peter Becker, 01.03.0220

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Jahrgang 1948, Diplomlehrer, Freier Journalist und Fotograf