Frank Zeugner – ein Neu-Radduscher bringt sich ein

Wer morgens um Vier in einer Gubener Bäckerei Streuselschnecken fertigt, um sie dann anschließend auf der Straße für einen guten Zweck zu verkaufen, gehört sicher zu den etwas außergewöhnlichen Menschen. Frank Zeugner sieht das nicht ganz so, eher ist das selbstverständlich für ihn: „Mit dieser und zahlreichen anderen Aktionen unterstützten wir damals das Roland McDonald Kinderhaus in Cottbus, dort sponserte mein Betrieb ein Appartement.“

Der gebürtige Sachse, 1954 in Zwickau als Sohn eines Schriftsetzers und einer Kindergärtnerin zur Welt gekommen, ging den damals üblichen Weg eines DDR-Kindes. Noch vor der Einschulung erfolgte der Umzug nach Dresden, der Vater hatte eine neue Arbeit und vor allen Dingen eine bessere Wohnung bekommen. „Der Umzug und Fahrten nach Berlin entfachten in mir eine Leidenschaft, die immer noch anhält, nämlich die Liebe zu alten Autos“, blickt Frank Zeugner zurück. Die Familie besaß einen damals noch gar nicht alten EMW 340, Baujahr 1954 („wie ich“ -F. Z.), den sie gebraucht für 2000 DDR-Mark erworben hatten und Jahre später für das gleiche Geld wieder verkauften, weil die Trabant-Lieferung nach zehnjähriger Wartezeit anstand.

Der technikbegeisterte Junge wurde Nachrichtenspezialist und absolvierte in Leipzig ein Fachschulstudium für Studiotechnik. Eine frühe Ehe und ein Sohn komplettierten den Start ins Leben, der die junge Familie bald in die Lausitz führen sollte. Im Braunkohlenkombinat Lauchhammer war er als Ingenieur für die Funkkommunikation zwischen den Akteuren zuständig, eine Wohnung fand sich in Schipkau. Weiter Tätigkeitsorte folgten, immer hatte die Arbeit mit Kohle und Energie zu tun. Die Wende spülte ihn in weitere Tätigkeiten für die Nachfolgebetriebe im Kohleabbau, er wurde später Projektleiter für den Lausitzring, arbeitete als Leiter des technischen Büros bei EMIS und zuletzt bei Thyssen-Krupp-Xervon.

Jahre nach der Scheidung (1994) war er auf der Suche nach einer neuen Partnerin. Ein Kumpel gab ihm den Tipp: Da gibt es eine attraktive Ärztin, die ist auch auf der Suche…. Frank Zeugner, schon immer ein Mann der Tat, hatte „plötzlich“ Ohrenschmerzen – die Konsultation mit seiner auserwählten Ärztin führte zu einem spontanen Abendessen und ihn letztlich nach Raddusch, wo er 2012 auch seine Ärztin zur Ehefrau machte.

Inzwischen zeichnete sich das Ende seiner beruflichen Tätigkeit ab, und Frank Zeugner schmiedete Pläne für die Ausfüllung seiner Rentnerjahre. Sein Uralt-Hobby, die Oldtimer, hatte er ohnehin nie wirklich aus den Augen verloren. Inzwischen steht ein Daimler-Benz V 170 in seiner Radduscher Garage, mit dem er gern als „Chauffeur Fritz“ Paare zum Standesamt bringt – und ein alter Blechkahn steht an seinem Liegeplatz. Mit dem Kauf des Grundstückes war laut Grundbuch auch ein Liegeplatz notariell verankert. „Also musste ich mir auch einen Kahn kaufen“, war seine logische Schlussfolgerung. Er erlernte das Staken und geriet so in den Blickwinkel der Radduscher Fährleute, die den offenen und rührigen Neu-Radduscher zur Mitarbeit im Fährvereins-Vorstand einluden. Frank Zeugner überlegte nicht lange und sagte „Ja“. Er sagte auch „Ja“, als die Bürgerinitiative Bahnhalt Raddusch um seine Mithilfe bat und auch „Ja“, als zur 725-Jahrfeier des Spreewaldortes jemand gesucht wurde, der die Veranstaltung organisiert und koordiniert. Er ist auch in der Lübbenauer Schützengilde aktiv. Sein (wohl vorerst) letztes „Ja“ ertönte erst vor wenigen Wochen, als er die Leitung des Radduscher Tourismusvereins übernahm.

Frank Zeugner ist einer, der nicht nur redet, sondern der auch handelt und es vorlebt. Das „Man müsste doch mal…!“, der anderen sind für ihn Reizworte. „Es einfach tun und nicht auf die anderen warten“, ist sein Credo, seine Einstellung zum Leben in einer Gemeinschaft. Sein neuestes Projekt ist die Wiederbelebung des Landkinos. Besonders die Älteren können sich noch an die Filmvorführungen im Saal der Gaststätte erinnern, in Vor-TV-Zeiten. Frank Zeugner will wieder die Leute zusammenbringen und zumindest ein- zwei Mal im Monat aus der heimischen Wohnstube locken, Erwachsene wie Kinder. 150 Filme stehen auf der Wunschliste, er will je nach Abstimmungsverhältnis die Filme vorführen. Los geht’s am 14. März um 19 Uhr mit dem „Gundermann“-Film in der Sport- und Kulturscheune.

Mit seinem agilen Hund „Nora“ geht er täglich in die Spreewaldnatur, und öfter mit seiner Ehefrau Kerstin auf Reisen, mit dabei manchmal der Hund, aber immer der Fotoapparat. „Es gibt so viel Schönes, man muss es nur sehen – und dann will ich den Moment auch festhalten“, erzählt Frank Zeugner über sein Hobby. Dies gibt ihn die Kraft für die zahlreichen Verpflichtungen, die ihm gar keine sind. Frank Zeugner: „Ohne Tun kein Gemeinschaftsleben. Ich schöpfe meine Energie aus Gelungenem, es führt zur inneren Zufriedenheit!“

Peter Becker, 20.02.2020

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Jahrgang 1948, Diplomlehrer, Freier Journalist und Fotograf