Dana Jonas, Einzelfallhelferin

Ihre Kindheit und Jugend verbrachte Dana Jonas in Weißwasser. Ihre Mutter arbeitete als Oberschwester und später als Pflegedienstleiterin im örtlichen Krankenhaus, sie war alleinerziehend und beruflich stark eingebunden. Einen großen Teil ihrer Freizeit verbrachte die 1978 geborene Dana bei den Großeltern, an die sie heute noch voller Liebe zurückdenkt. Auch ihre dortige Tante, Christa Buchan, sollte in ihrem Leben noch eine Rolle spielen, denn diese verzog 1986 in den Spreewald. Dana durfte sie mehrmals besuchen – und blieb in der Folge im Spreewald.

Dort hatte sie allerdings ein furchtbares Erlebnis, ein Schlüsselerlebnis für ihr weiteres Leben: Sie, der lebenslustige Teenager und noch nicht ganz fünfzehnjährig, hatte sich mit einer Jungsclique zu einer Fahrt nach Werben verabredet, verspätete sich aber am Treffpunkt. Die Jungs fuhren allein zur Disco, auf dem Rückweg endete die Fahrt an einem Baum – alle vier jungen Männer überlebten den Unfall nicht.

Als Jahre später ihre geliebten Großeltern kurz hintereinander starben, war sie dabei und hielt ihre Hände bis zuletzt. „Spätestens ab da verging kaum ein Tag, an dem ich nicht an die Endlichkeit des Lebens denke. Ich habe tief verinnerlicht, dass das Leben ein überaus kostbares Geschenk ist, das es zu nutzen gilt – und dass der Tod dazugehört“, sagt Dana rückblickend. Dieses Sterben im hohen Alter hat ihr geholfen, ihre Angst vor dem Thema Tod, das sich jahrelang in ihr festgesetzt hatte, zu lösen und den Blick auf die Sterbenden und ihre Angehörigen zu richten. Sie spürte mehr denn je, dass sie das zum Beruf machen sollte.

Dabei sah ihr Start ins Berufsleben erst mal gar nicht danach aus und war auch zu diesem Zeitpunkt so nicht geplant: Im Leiper Spreewaldhotel fand sie nach der Schulzeit eine Lehrstelle als Restaurantfachfrau, einen Freund und – und bekam mit 16 Jahren ihr erstes Kind, Sohn Sandro.Die Liebe verflog und zwei Jahre später zog sie zurück nach Weißwasser, um ihr Leben mit Unterstützung der Familie besser meistern zu können.

Dort spürte sie allerdings bald den immer stärker werdenden Sog zurück in den Spreewald, denn dort wusste sie ihre Tante und viele Bekannte, auf die sie ebenfalls zählen konnte. In Vetschau fand sie Wohnung und Arbeit im Handel, hier kamen noch weitere vier Söhne, darunter Zwillinge, zur Welt. Dennoch folgte sie später noch einmal dem Ruf nach Veränderung und zog in die Nähe von Wolfsburg, um auch dort im Verkaufsbereich tätig zu sein.  Wieder schlug das Heimweh zu und es ging zurück nach Vetschau, in den Spreewald. Endlich war sie auch in der Lage, sich sozialpädagogisch weiterzubilden.

Im Malteser Hilfsdienst fand sie eine Organisation, die sie als Hospizbegleiterin schulte – einer ehrenamtlichen Tätigkeit. In der ersten Coronawelle kümmerte sie sich beispielsweise um einsame Menschen, denen sie in einem Cottbuser Seniorenheim beistand. Ihre Tante Christa Buchan half ihr dabei, Spenden zu akquirieren, um diesen von der Familie isolierten Menschen würdige Osterfeiertage mit kleinen Geschenken und Aufmerksamkeiten zu ermöglichen.

„Ich sehe dieses Ehrenamt als Ehre an und begleite Sterbende und ihre Angehörigen in der letzten Lebensphase. Ich höre zu, lese vor, bete, erfülle kleine Wünsche, bin einfach da – still und leise, halte ihre Hand und schenke ihnen ein Lächeln, besonders dann, wenn es ihnen selbst nicht mehr gelingt.“, beschreibt Dana Jonas ihr Engagement. Wann immer sie gerufen wird, fährt sie zu Schwerstkranken und Sterbenden und steht ihnen bei. Dana Jonas muntert durch ihre jugendlich-frische Art ihre Patienten auf, redet mit ihnen oder überzeugt sie, mit ihr an die frische Luft zu gehen und sich an der Natur zu erfreuen – vielleicht auch, weil es das letzte Mal sein könnte. Aktuell begleitet sie einen austherapierten Krebspatienten im DRK-Altenpflegeheim in Papitz. Fred M. freut sich jedes Mal auf die zehn Minuten im Park am stützenden Arm von Dana, die ihm Mut und Zuversicht zuspricht. Gerade jetzt, wo Besuche wieder nur eingeschränkt möglich sind, ist ihre Tätigkeit von besonderer Wichtigkeit.

Der Dienststellenleiter des Cottbus Maltershilfsdienstes, Michael Doll, ist von ihrer Arbeit sehr angetan: „Schon die erste Begegnung mit Dana Jonas bei dem Öffentlichkeitsabend zur Hospizausbildung, war für mich eine wunderbare Erfahrung. Hier trat mir eine junge Frau gegenüber, deren Augen leuchten und die völlig überzeugt davon ist, Hospizbegleiterin zu werden. Hospiz heißt übersetzt Herberge und auch Gastfreundschaft. Hospiz meint keinen Ort, sondern eine Haltung. Dana Jonas strahlt diese hospizliche Haltung in ihrem Leben aus. Sie schätzt die Menschen, die ihr begegnen und bietet ihnen ihre Gastfreundschaft an. Wenn sie eine Sterbebegleitung übernimmt, fragt sie nicht in erster Linie wo und wen sie begleiten soll, sondern danach, welche Wünsche dieser Mensch noch hat, die sie erfüllen könnte. Dana Jonas reiht sich ein, in Gemeinschaft von über 100 ehrenamtlichen Hospizbegleiter*innen der Malteser in der Niederlausitz und bereichert sie. Eine Koordinatorin hat einmal unsere Ehrenamtlichen als Goldstaub bezeichnet – und das trifft auch auf Dana Jonas zu.“

Ihr Ehrenamt bei den Maltesern öffnete ihr auch eine Tür bei der Arbeiterwohlfahrt. Vor einem Jahr konnte sie sich zur Einzelfallhelferin qualifizieren und begleitet nun Kinder mit Handicap. Die ehrenamtliche Hospizarbeit führt sie zusätzlich fort – ein randvolles Programm für eine Mutter mit drei schulpflichtigen Kindern. Dana Jonas sieht sich endlich im Leben angekommen. Ihre Familie, ihre Freunde, unterstützten sie, wo immer es geht. Zwei ihrer Söhne sind inzwischen erwachsen, ihren Zwölfjährigen und die zehnjährigen Zwillinge begleitet sie ins Teenageralter, dabei immer auf die Verletzlichkeit und Einmaligkeit des Lebens bedacht, auf das Schützenswerteste was es überhaupt gibt. „Hilfe für den anderen, ist auch Hilfe für mich. Füreinander da sein – darin sehe ich den Hauptsinn des Lebens“, fasst Dana Jonas das zusammen, was sie immer wieder neu antreibt.

Peter Becker, 11.12.2020

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Jahrgang 1948, Diplomlehrer, Freier Journalist und Fotograf

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