25 Jahre Förderverein Leipe

25 Jahre Verein der Förderer und Freunde des Spreewalddorfes Leipe

Christa Buchan ist eigentlich keine Leip’sche. Sie ist Jahrgang 1952 und in der Tat nicht im Spreewald, sondern in der sorbischen Oberlausitz geboren. Übers Elternhaus und das familiäre Umfeld sind ihr Tradition und Sprache der Sorben/Wenden nahegebracht worden. Als sie 1986 nach Leipe kam, war ihr dieses Wissen von Vorteil. Schnell lebte und brachte sie sich ein, sie wechselte die Oberlausitzer Tracht gegen die Niederlausitzer, einer leip‘schen Tracht, wie sie im Ort kurz genannt wird. Christa Buchan unterstützte das Dorfleben vom ersten Tage an und wurde am 8. November 1995 in den Vorstand des an diesem Tage gegründeten Vereins der Förderer und Freunde des Spreewalddorfes Leipe gewählt – und sie ist immer noch im Vorstand.

Dem Förderverein ging es damals in erster Linie um den Erhalt der Hofstellen, der traditionellen Arbeitsweisen einerseits und um den Erhalt des Brauchtums im Einklang mit zunehmendem Tourismus andererseits. In den vergangenen Jahren trat Letzteres immer stärker in den Vordergrund, denn bei aller Kraft und bei allem guten Willen kann auch die „Insel Leipe“ nicht im Zustand vergangener Jahrzehnte gehalten werden. Marktwirtschaftliche Bedingungen und schmale Fördertöpfe stehen dem entgegen. Der Erhalt des sorbischen/wendischen Brauchtums bleibt dagegen eine Daueraufgabe, ein von Einheimischen wie Urlaubern gleichermaßen gewünschtes Ziel. Es gibt immer noch Vereinsmitglieder, die dieses Leben von frühester Kindheit an erfahren haben und an die Jüngeren weitergeben können – wenn auch die Reihen derer, die aus eigenem Erleben berichten können, immer dünner werden. Andererseits besteht seitens der zahlreicher werdenden (Wiederholungs-)Urlauber, die den abgeschiedenen Spreewaldort lieben gelernt haben, großes Interesse am Traditionsleben des Dorfes.

Um möglichst vielen Urlaubern die Geschichte des Ortes präsent zu machen, wurde bereits 1996, im ersten Vereinsjahr, im alten Dorfkonsum eine Heimatstube eingerichtet. Leiper spendeten dafür Dachboden- und sonstige Funde, räumten die Trachtentruhen auf und trennten sich von liebgewordenen -weil mit Erinnerungen verbundenen – Familienerbstücken aus Küche, Hof und Stall. Der Verein organisierte Dorffeste, zeigt das spreewaldtypische Heuschobern und hält traditionelle landwirtschaftliche Geräte in einer kleinen Dauerausstellung neben der Heimatstube vor. Zum Vereinsleben gehört auch die Durchführung der Spinnte. Eine Zeit lang war das Leiper Fest der Fischer und Jäger ein Zugmagnet, bei dem sich besonders Herbert Konzack eingebracht hat. Auch die Trachtenmodenschauen unter der Federführung von Gertraud Romke sind fester Bestandteil des Gemeinschaftslebens. Ausflüge mit Rad oder Kahn, Fachvorträge und Arbeitseinsätze gehören ebenfalls dazu. Stolz sind die Vereinsmitglieder auf die rustikale Sitzgruppe auf dem Dorfplatz, die von den Urlaubern sehr gern angenommen wird.

Besonders die Gründungsmitglieder Dr. Bernd-Uwe Knaus, Fritz Pohlenz, Georg Staritz, Christa Buchan und Marlene Jedro haben in den ersten Jahren und Jahrzehnten sehr viel Zeit und Kraft investiert, den Verein zu dem zu machen, was er heute ist: eine Heimstatt der Einheimischen, eine funktionierende Dorfgemeinschaft. Inzwischen stehen Marion Dahlke (1. Vorsitzende) und Silvia Banusch (beides „Zugezogene“) seit vier Jahren an der Spitze des 24 Mitglieder starken Fördervereins.

Marion Dahlke: „In unserer Heimatstube sind die Trachten aus der Leiper Region ein besonderer Anziehungspunkt. Dank der Gewährung einer Zuwendung durch die Stiftung für das sorbische Volk konnten wir drei neue Trachten aus dem Lübbenauer Kirchspiel, zu dem trachtenmäßig Leipe gehört, ankaufen“.

Christa Buchan, das „Silbermitglied“, ist heute froh, dass es ihnen damals gelungen ist, einen funktionierenden Verein auf die Beine zu stellen: „Schließlich sind viele von uns, wie ich auch, im touristischen Geschäft unterwegs, wir unterstützen und brauchen uns gegenseitig, besonders für unsere Urlauber“, sagt die Schatzmeisterin, die mit Marion Dahlke, Silvia Banusch und Gabi Thomsen zum aktiven Kern des Vereins zählt.

Aktuell ruht das Vereinsleben – aber nur auf den ersten Blick. Ausgefallene Feste sind nur ein äußerer Eindruck dessen. Im Vorstand wird bereits über den Plan 2021 diskutiert – alle gehen davon aus, dass dann endlich wieder gefeiert und das Vereinsleben vorangebracht werden kann.

Peter Becker, 29.10.2020

Über Bomenius 175 Artikel
Jahrgang 1948, Diplomlehrer, Freier Journalist und Fotograf

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