Straupitzer Fließe und Schlossteiche fallen trocken

Hafen Straupitz ohne Wasser
Abfluss Hafen Straupitz

Sie können es kaum fassen: Fährmann Norman Muschka und Bärbel Scherbatzki stehen am Steg des Straupitzer Hafens, der gerade nicht als solcher genutzt werden kann. Nur noch wenige Zentimeter Wasser sind über Grund, zwischen den breitgefallenen Wasserpflanzen bahnen sich mühsam Fische ihren Weg, die zudem leicht ein Opfer der Vögel werden. Norman Muschka ist der neue Vorsitzende des Heimat- und Fremdenverkehrsverein Straupitz/Spreewald e.V., Bärbel Scherbatzki war viele Jahre in dieser Funktion. Beiden liegt die touristische Entwicklung des Spreewaldortes ebenso am Herzen, wie der Erhalt der Natur. Norman Muschka: „Klar, in diesen Zeiten ist das Kahn fahren nicht von oberster Priorität, aber was wir mit Bedauern feststellen ist die Bedrohung der hier lebenden Tier- und Pflanzenarten. Besonders sorgen wir uns um die Bäume an den Ufern der Schlossteichgewässer, die bereits ein hohes Alter haben und ein Kulturgut darstellen!“

Diese Sorgen hat Norman Muschka veranlasst, sich an die Behörden zu wenden. Ganz bewusst, hat er dabei nicht den wegfallenden Kahnfahrtourismus in den Vordergrund gestellt, sondern die Gefahren, die für die Natur ausgehen. Der Schlosspark wird üblicherweise über den Waldgraben, der mit dem Nordumfluter verbunden ist, gespeist, ein Teil dürfte aus dem Grundwasser kommen. Letzteres ist ohnehin seit Jahren im Rückgang begriffen – tiefwurzelnde Bäume zehren davon. Sehr alte Bäume können mit ihrem Wurzelwerk nicht mehr dem fallenden Grundwasserspiegel folgen. Damit stellt dies die Hauptursache für das Absterben der Bäume, dem das Abwerfen scheinbar gesunder Starkäste vorausgeht, dar. Fehlt dann auch noch das Oberflächenwasser, beschleunigt sich dieser Prozess noch.

Die zuständigen Behörden des Landkreises zeigen Verständnis und Bedauern. In der Antwort heißt es: „Leider ist es momentan nicht möglich den Waldgraben zeitweise mit Wasser zu beschicken. Bei nur noch unzureichend gefüllten Talsperrenspeichern im Spreeeinzugsgebiet, anhaltender Trockenheit und nunmehr auch hochsommerlichen Temperaturen ist ein Gegensteuern durch die Talsperre Spremberg nicht möglich, so dass praktisch alle Wasserausleitungen geschlossen oder stark vermindert werden mussten. In diesem Jahr kann zudem der Nordumfluter aufgrund der starken Verkrautung nicht im Rahmen der Niedrigwasserbewirtschaftung genutzt werden. Die Zuleitungen über die Spree und das Große Fließ mussten auf ein Minimum reduziert werden. Eine nur zeitweise Ausleitung in den Waldgraben kann nicht durch den Zufluss kompensiert werden und würde ein Absacken der Stauhaltung im Nordumfluter zur Folge haben.“

Der Hafen vor vier Wochen

Norman Muschka bleibt nur ein Schulterzucken – und vielleicht ein Stoßgebet Richtung Himmel. Er weiß auch, dass es sehr viel regnen muss, damit sich die Situation entspannt. Er weiß aber auch, dass dann wohl die Kahnfahrsaison vorbei ist, die in diesem Jahr ohnehin kaum eine war. Sein Hoffen geht in das nächste Jahr, mit einem vorangegangenen niederschlagsreichen Winter.

Norman Muschka hat Kaufmann gelernt, später in Wirtschaft und Recht seinen Bachelor gemacht und fünf Jahre bei der Stadtverwaltung in Cottbus gearbeitet. „Mit dem Bürojob wurde ich immer unzufriedener, mich zog es in die Natur, ins heimatliche Straupitz“, erzählt der 36-Jährige.

Als Kahnfahrer hat er sich ein neues Standbein aufgebaut. Er stakt überall, wo er gebraucht wird, besonders natürlich gern in Straupitz. Als „Graf Houwald“ gewandet, fährt er seine Gäste durch den Park, von ihm erfahren sie die Geschichte des Ortes mit seiner weitbekannten Dorfkirche, der Schinkelkirche. Er zeigt ihnen Eisvogel und Biberbauten, Reiher und Adler sowie die uralten Eichen, unter denen schon die Houwalds gewandelt haben dürften. Ein viertes Dürrejahr mag er sich nicht vorstellen, das wäre das Aus für sein Arbeit, aber wohl lange auch das Aus für das Schlossparkensemble. „Corona und Trockenheit haben nicht nur mir sprichwörtlich das Wasser abgegraben, ich und meine Kollegen, ja die ganze Natur, sitzt auf dem Trockenem“, ergänzt der Fährmann, mit viel Wehmut in der Stimme.

Hintergrundinfos/aktuelle Wasserstände: (wird noch ergänzt)

Peter Becker, 23.08.2020

Über Bomenius 176 Artikel
Jahrgang 1948, Diplomlehrer, Freier Journalist und Fotograf

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