Ludwig Psaar – einer, auf den sich (s)ein ganzes Dorf verlassen kann

Er ist erst 27 Jahre alt, aber er gehört schon zu den „alten“ Stradowern. Ludwig Psaar kennt alle, so wie ihn alle kennen. Er ist eng mit der dörflichen Tradition und dem Leben im Spreewaldorf verbunden. Einen wesentlichen Anteil daran haben seine Großeltern, Paul (86) und Erika Psaar (81). Viel Zeit hat er bei ihnen verbracht, dem Opa beim Körbeflechten zugesehen, der Oma beim Federnschleißen und bei den vielen alltäglichen Verrichtungen geholfen. Das ist heute noch so – dafür bekommt Ludwig ab und zu eine Einladung zum Essen. Das nimmt der Alleinstehende gern an, er wohnt gleich um die Ecke, im Gutshaus. Er lebt und arbeitet dort, zumindest einen Teil der Woche. „Ich habe einen Job als Fachinformatiker bei der BASF und kann immer mal einen Teil meiner Arbeit von zuhause aus erledigen“, erzählt Ludwig Psaar. Dieser Job macht ihn natürlich auch zur ersten Adresse, wenn im Dorf mal bei jemanden der Computer streikt. Und er kann nicht Nein sagen, er hilft wo er kann, er designt die Ortshomepage und sorgt für eine Vernetzung der Vereinsmitglieder. Die Vereinsarbeit nimmt ohnehin einen großen Teil seiner Freizeit ein: Schon 2008, gerade mal 16-jährig, übernimmt er die „Stradower Jugend“, damals noch ein loser Verband ohne Vereinsstrukturen. Aus der Jugendgruppe entwickelte sich 2015 der Heimatverein, dem er seit dieser Zeit vorsteht. Zu den Hauptaufgaben gehört die Traditionspflege, besonders die Bräuche des Winteraustreibens wie Zampern und Fastnacht. Ludwig Psaar kann sich daher mit aller Kraft auf eine sich neu etablierende Tradition konzentrieren, dem Oktoberfest. Mit jugendlicher Unbekümmertheit, mit Zuversicht und Risikobereitschaft, geht er mit seinen Vereinsmitgliedern an die Vorbereitungen. Das Fest ist eine feste Größe, eine Tradition, geworden. Die Dorffrauen bringen sich ein, die anderen Vereine ebenfalls. Die Stradower denken dabei auch an andere: Beim letzten Fest wurden 1400 Euro für das Burger Kinderhospiz gespendet!

„Mir macht die Vereinsarbeit Spaß, ich kann mich einbringen, mir hört man zu und oft genug wird gemacht, was ich mir so vorstelle“, erzählt er augenzwinkernd. Das scheinen seine 60 Mitglieder im Alter zwischen 18 und 80 auch so zu sehen, denn sie bedankten sich spontan bei ihrem Vorsitzenden mit einem Tandemsprung!

Ludwig Psaar legt viel Wert auf vereinsübergreifende Dorfaktivitäten. Feuerwehr-, Heimat- und Schützenverein koordinieren das gesellschaftliche Leben. Das gelingt umso besser, weil manche Stradower in mindestens zwei oder gar allen drei Vereinen Mitglied sind. Ludwig Psaar wurde schon mit Elf Mitglied bei der Feuerwehr und ist seit 10 Jahren dort im aktiven Dienst.

Stolz ist der junge Vorsitzende auf die Schaffung von Vereinsräumlichkeiten auf dem Gelände des Gutes. Hier trifft man sich zu Absprachen und Auswertungen, manche neue Idee wird hier geboren. Um bei den Fest-Verpflegungen nicht auf Fremdanbieter angewiesen zu sein, wurde eine alte Gulaschkanone vor der Verschrottung gerettet und in ein neues Dasein überführt. „Essen und Trinken sind nun mal wichtige Komponenten bei Dorfesten und Feierlichkeiten“, ist sich der Vorsitzende sicher. Manches klingt nahezu banal, aber für den Kuchen aus dem großelterlichen Backofen – immerhin können das bis zu 18 Bleche je Backvorgang sein- fehlte es schlichtweg an einem Kuchenständer. Ludwig Psaar konnte einen für 1 Euro im Internet ersteigern und holte ihn auf seine Kosten in Hannover ab. Er stammte aus der Konkursmasse eines Bäckers. „Mir tat der Bäcker so leid, dass ich ihm für den Ständer 50 Euro in die Hand drückte!“ Diese Geste steht für ihn und sein Credo: „Nicht meckern, sondern machen, sich dankbar zeigen und mit gutem Beispiel vorangehen!“

Stradows Ortsvorsteher Heiko Wannagat: „Ludwig ist für den Ort Stradow einer der wertvollsten Einwohner, da er mit seinem äußerst großen, uneigennützigen Engagement Stradower und Gäste in zahlreichen Veranstaltungen die Möglichkeit gibt, Gemeinschaft zu leben und zu erleben. Trotz seiner noch jungen Lebensjahre ist er, als Vorsitzender des Heimatvereins oder einfach nur als LUDWIG, besonders verantwortungsbewusst, kreativ, teilweise perfektionistisch, freundlich und stets hilfsbereit, so dass er für sein gesamtes Umfeld als wahrlich angenehme Persönlichkeit und sehr guter Freund empfunden, geachtet und geschätzt wird.“

Peter Becker, 28.01.2020

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Jahrgang 1948, Diplomlehrer, Freier Journalist und Fotograf