Lea Müller – eine angehende Abiturientin nutzt die Zwangsfreizeit fürs Kreative

Die 17-Jährige hat sich heute den Radduscher Hafen als Kreativraum ausgesucht. Eigentlich müsste sie an diesem Vormittag im Lübbenauer Gymnasium fürs Abitur büffeln, aber aus bekannten Gründen geht das nicht. Lea Müller wohnt unweit vom Hafen, ein paar Schritte und schon ist sie in die Stille des Spreewalds eingetaucht. Hier findet sie Ruhe und Muße für ihr liebstes Hobby, dem Malen. „Und fürs Abi kann ich zu jeder anderen Zeit noch in die Bücher schauen – heute ist das Wetter viel zu schön, um in der Stube zu hocken!“, erzählt sie, während sie den Stiftekoffer öffnet. Anders als viele anderen (Pinsel-)Maler bevorzugt sie Buntstifte. „Damit kann ich viel präziser arbeiten, die Farbpalette ist riesig – und es ist schlichtweg sauberer“, begründet sie ihre Wahl der Maltechnik. Ein Blick in ihre Arbeiten bestätigt das: Ihre Spezialität sind menschliche Augen, so detailgetreu, dass es einer Fotografie gleicht – nur noch viel ausdrucksstärker.

Schon als Kleinkind hat sie täglich gemalt, später, in der Grundschule, brachte sie jeden Tag ihrer Mutter ein Bild aus der Schule mit. Darauf ihr schönstes, manchmal auch ärgerlichstes, Tageserlebnis.

Inzwischen hat sie das Handwerkliche schon zur Perfektion gebracht, nun nehmen künstlerische Ausdrucksmittel mehr Raum ein. Ihr Talent schiebt sie auf Familientraditionen zurück, besonders der Cottbuser Urgroßvater Hans Wörner, ein Ölmaler, steht da ganz vorn. Lea Müller ist sehr vielseitig begabt, sie spielt Cello und Klavier und hat sich der Traditionspflege verschrieben. Bei ihrer Oma Elli Müller lernt sie das Trachtenschneidern und lebt bei jeder Gelegenheit die wendischen Traditionen vor.

Irgendwie klar, dass ihr Berufswunsch etwas mit Kunst zu tun hat: Lehrerin für Kunst und Mathematik könnte sie sich gut vorstellen, aber auch Buchillustratorin ist eine Option. Lea Müller steht mit ihren 17 Jahren noch ganz am Anfang ihrer Orientierung fürs Leben. Sie findet alles spannend, ist neugierig und probiert aus. Die anstehenden Zwangsferien sind für sie längst keine Zeit zum Ausruhen, sie kann nur mit etwas mehr Ruhe ihre Kunstprojekte fortsetzen, Liegengebliebenes aufarbeiten und – natürlich fürs Abitur lernen.

Peter Becker, 19.03.2020

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Jahrgang 1948, Diplomlehrer, Freier Journalist und Fotograf