Die Sage vom Nix, dem Wassermann

Wassermanns Töchter

Wie bei Sagen allgemein zu beobachten, gibt es verschiedene Interpretationen, oft auch regional geprägt. Über Jahrhunderte wurden die Kinder eindrucksvoll vor den Gefahren des Wassers gewarnt, die im Spreewald allgegenwärtig waren. Dies betraf nicht nur die vielen Hochwässer, sondern besonders auch das Spielen am Uferrand. Immer wieder fielen Kinder ins Wasser und ertranken. An der Radduscher Buschmühle ertrank um 1910 ein Kleinkind, am Gasthaus Eiche um 1950 ein 5-jähriges Mädchen. „Der Wassermann hat sie geholt!“, mahnten die Eltern, um ihren Nachwuchs eindrucksvoll zu warnen. „Er zieht dich ins Wasser, wenn du zu nahe ans Ufer kommst!“ – der pädagogische Zeigefinger von damals.

Ewald Müller hat in seinem Werk „Das Wendentum in der Niederlausitz“ (1921) die Spreewaldsagen erforscht und sich dabei auf die Aufzeichnungen Schulenburgs bezogen:

“ Der Wassermann haust unter dem Wasser, er zieht die Ertrinkenden in den Grund. Die blauen Flecke der Ertrinkenden rühren von ihm her. Auf dem Lande ist er machtlos. Gewöhnlich ziert sein Haupt ein rotes Käppchen. Im Leinwandkittel, dessen unterer Saum nass ist, erscheint er zuweilen auf Jahrmärkten und hält Getreide feil. Aus seinem höheren oder niederen Preise, als der Marktpreis gerade ist, soll dementsprechend eine gute Zeit folgen. Reich an Örtlichkeiten, die dem Nix als Behausung dienen, ist der Spreewald.“

Der Wassermann wird in vielen Sagen mit seiner Frau und/oder seine Töchter in Verbindung gebracht. Dazu findet sich ebenfalls bei Ewald Müller:

„Die Wasserfrau sitzt oft am Ufer der Gewässer, wo sie entweder spinnt oder Leinwand bleicht. Ihr Erscheinen hierselbst bedeutet Regenwetter. Gewöhnlich ist ihr Gewand am untern Saume nass, ihre Strümpfe sind rot. Sie hält sich gern in und an Untiefen auf, kämmt sich Mittag und Abend das lange Haar und lässt keinen Schiffer vor Sonnenuntergang vorüber. Zuweilen mischt sie sich unter die tanzenden Burschen und Mädchen. Die Wasserfrau treibt ihr Wesen im Spreewalde an der Kschischoka, Gereschowa und an der Stradower Brücke.“

Zum Wassermann in der Lausitz s.a. Wikisource, eine andere Version bezieht sich auf den Radduscher Raum

Über Bomenius 120 Artikel
Jahrgang 1948, Diplomlehrer, Freier Journalist und Fotograf

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