Kultur und Kunst brauchen Macher

Hannelore Pleger liest in der KITA Raddusch

Ihr Start ins Berufsleben war eher technisch bestimmt, eigentlich fern der Musen. Die gelernte Bahn-Fernmeldetechnikerin blieb bis 1976 bei der Deutschen Reichsbahn. Aufgewachsen ist die 1949 Geborene in Sedlitz, in einer recht musikalischen Familie. Dies sollte sie später dann doch wieder zurück zu den Musen führen. Inzwischen der Arbeit wegen nach Vetschau gezogen – hier inzwischen fünfmal umgezogen- trat sie dem 1983 von Knut Petrick gegründeten Chor bei, wurde später Vorsitzende des Chors, bis in die Nachwendezeit hinein. Danach leitete sie noch 13 Jahre den Sonnenkäfer-Chor der gleichnamigen Kindereinrichtung in Vetschau. Als 1994 der Vetschauer Kulturverein gegründet wurde, trat sie diesem als eines der ersten Mitglieder bei. Hier sah sie ihre Aufgabe in der Vorbereitung der Stadtfeste, wie dem Frühlingsfest und dem Weihnachtsmarkt. „Welche Arbeit in der Vorbereitung liegt, kann nur der ermessen, der ganz vorn dabei ist, der Organisation und Sponsoring meistert“, schätzt sie diese Arbeit ein, der sie heute noch nachgeht. Inzwischen hat sie seit 2010 den Vorsitz des Kulturvereins inne, sie hat ihn quasi vom verstorbenen Vorsitzenden Fritz Kellermann ererbt.

Hannelore Pleger mit Dagmar Schierack (li.) und Kerstin Preuß

Hannelore Pleger, längst Rentnerin, aber fern von irgendwelchen Ausruhgedanken, organsiert mit ihren Vorstandsleuten praktisch das kulturelle Leben in Vetschau. Zehn bis zwölf Veranstaltungen gilt es vorzubereiten – und das ist nicht mit einfachen Anrufen zu schaffen! Hannelore Pleger: „Ohne Helfer und Sponsoren, hier möchte ich die Vetschauer Ärzte und die Apotheker nennen, wäre manches nicht machbar, manch Hochkarätiges nicht in die Stadt zu bekommen. Dank auch eines anonym bleiben wollenden Spenders, der Unterstützung durch Sparkasse und der EnviaM, konnten wir uns endlich eine hochpreisige mobile Beschallungsanlage leisten!“ Größte Freude bereitet es ihr, wenn das Publikum zahlreich erscheint und später mit den Worten scheidet: „Das war aber eine schöne Veranstaltung, wir kommen gern wieder!“ Auch nach Jahren hat sie immer noch Lampenfieber, sie sorgt sich, ob letztlich alles klappt und ob Künstler und Zuschauer zufrieden sein werden. Das Lampenfieber löst sich dann bald auf, wenn sie sieht, dass das Programm ankommt und die Künstler zur Bestform auflaufen.

Auch auf einer etwas anderen Schiene ist Hannelore Pleger unterwegs: Seit vielen Jahren liest sie, selbst Mutter dreier inzwischen erwachsener Kinder, im Krankenhaus Lübben vor dankbaren und aufmerksamen kleinen Patienten. Das Vorlesen findet sie inzwischen so wichtig und wertvoll, dass sie das in enger Zusammenarbeit mit der Vetschauer Bibliothek auch in allen Kindergärten der Stadt anbietet und durchführt. „Kinder sind ein sehr aufmerksames und geduldiges Publikum. Etwas nachdenklich werde ich, wenn ich gelegentlich gefragt werde, ob ich nicht mal bei ihnen zuhause vorlesen könnte, die Eltern hätten so wenig Zeit“, berichtet sie aus ihrer Arbeit mit den Kindern. „Den Vorschulkindern möchte ich zeigen, welche Welt sich ihnen erschließen wird, wenn sie erst lesen können – vielleicht motiviert das ein wenig, zum Lesen lernen und zum lebenslangen Lesen.“ Sie befindet sich da ganz im Sinne einer „Warnung“ der Vetschauer Bibliothekarinnen, in deren Räumlichkeiten das Schild prangt: „Vorsicht! Lesen gefährdet die Dummheit!“

Zum 25-jährigen Vereinsjubiläum 2019 hat sie sich mit ihren sieben engeren Mitstreiterinnen ein anspruchsvolles Programm einfallen lassen. Im April wird es ein großes Konzert in der wendisch-deutschen Kirche geben, zahlreiche weitere Veranstaltungen werden das Jubiläumsjahr bereichern. Hannelore Pleger geht auf für ihren Verein, es erfüllt sie mit Stolz, Veranstaltungen zu organisieren. Dennoch erfüllt es sie mit Wehmut, wenn nicht immer alles bis auf den letzten Platz belegt ist. Hannelore Pleger: „Ich wünsche mir, dass die Vetschauer – und damit meine ich ausdrücklich auch die Ortsteile- unsere Angebote noch besser annehmen. Kultur vor der Haustür ist nicht überall und selten so preiswert zu haben!“

Über Bomenius 103 Artikel
Jahrgang 1948, Diplomlehrer, Freier Journalist und Fotograf

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