Radduscher Störche im medialen Fokus – Internet rettet Storchenleben

Radduscher Internetstörche

Meist geschieht das Online-Beobachten des Brutgeschehenes der Radduscher Störche eher unbemerkt von den Seitenbetreibern. Erst wenn Bilder ausbleiben oder sich Dramatisches ereignet, melden sich zahlreiche User in den sozialen Netzwerken sowie in den Foren und drücken ihre Sorgen aus. So auch jüngst eine Strausberger Grundschulklasse, die das Ausbleiben des Altstorches und die Rettung der Küken vor dem Hungertod mit viel Aufmerksamkeit nicht nur im Unterricht, sondern auch aus dem heimischen Kinderzimmern verfolgte. Mitverantwortung für die Natur, Sorge um die Umwelt und Entwicklung eines Mitgefühls für alle Lebewesen sind existenzielle Dinge, die das Leben der Menschen begleiten oder begleiten sollten. Mit dem Blick ins Nest wird dies gefördert: es wird erkannt, wie abhängig alles von allem ist, wie mühsam die Nahrungsbeschaffung ist und wie schwierig es ist, eine Brut ins Leben zu bekommen. Wenn nun ein Elterntier ausfällt, wie letztens bei einem Verkehrsunfall, bedeutet dies normalerweise auch den Tod der Küken, denn ein Elternteil ist allein nicht in der Lage, Aufsicht und Futterbeschaffung zu bewältigen (die RUNDSCHAU berichtete). Aufmerksame Internetuser haben den Ausfall bemerkt und die Storchenfreunde alarmiert. Ohne Webkamera wäre das Drama wohl erst bemerkt worden, wenn die Küken bereits verendet wären. So konnte dank schnellen Reaktion und der Unterstützung durch die Storchenauffangstation der Familie Heindel das Leben der beiden verbliebenen Küken gerettet werden. Der Horst ist aber dennoch nicht verwaist, denn Junggesellinnen oder Junggesellen nutzen ihn für Zwischenstopps und auch für Übernachtungen. Bestimmt werden sie den Horst im nächsten Jahr fürs Brutgeschäft annehmen, so die Hoffnung aller Storchenfreunde.

Die Sorge der tausenden Internetnutzer, nun nicht mehr das Brutgeschehen live verfolgen zu können, war für die Radduscher Storchengruppe, für den NABU und dem Seitenbetreiber Andreas Rehm Anlass genug, schnellstens die Berichterstattung aus dem anderen Nest, gegenüber der Kaiserlichen Postagentur, aufzunehmen. Innerhalb weniger Tage wurde auf dem Dach der Agentur mit freundlicher Unterstützung von Daniel Walaschek eine weitere, noch bessere, Kamera mit höherer Auflösung, die auch das Lesen der Beringung ermöglicht, installiert. Die Mittel dafür werden über einen Spendenaufruf und durch Eigenanteile des NABU gewonnen. Damit in den wenigen verbleibenden Brutwochen bereits berichtet werden kann, ist der Radduscher Hotelier Torsten Seidel in Vorleistung gegangen. „Das Drama um das Radduscher Nest hat mich sehr berührt“, schrieb User Eberhard Megel ins Forum. „Schön, dass das Küken gerettet werden konnten. Gerne habe ich gerade 100 Euro für eine weitere Kamera gespendet. Wünsche alles Gute für eure so wichtige Arbeit!“

www.storchennest.de, mit Link zur alten Kamera und zur Vetschauer Kamera, dort auch der Spendenaufruf des NABU

 

Peter Becker/peb1, 18.06.18

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Jahrgang 1948, Diplomlehrer, Freier Journalist und Fotograf

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