Feuer und Wasser

Historische Aufnahmen (Archiv Nemitz)

Paul Piesker; Lehder Kahnfeuerwehr (Öl)

Doppelkahnfeuerwehr (Foto: P. Becker)

So gegensätzlich beides erscheint, so hängt im Spreewald beides zusammen, aber auf eine etwas andere Art, als der oberflächliche Betrachter meinen mag. Die Häuser der Spreewälder sind von reichlich Wasser umgeben, im Brandfall wäre also reichlich Löschwasser vorhanden. Das mag ein Vorteil sein, ist aber auch ein großer Nachteil. Noch heute gibt es in im Spreewalddorf Lehde viele Gehöfte ohne Straßenanschluss, im Brandfall könnte die Lübbenauer Feuerwehr nicht vorfahren. Der einzige Weg ist dann oft nur der Wasserweg, der an fast jedes Haus führt. Eine Motorspritze könnte dann tatsächlich die reichlichen Wasservorräte nutzen, aber erst mal muss der Feuerwehrkahn vor Ort gebracht werden. Heute helfen motorgetriebene Löschkähne, schneller vor Ort zu sein. In zentraler Ortslage stationiert, sind sie bei Alarmierung und einem Besatzungsminimum schnell einsatzbereit. Dennoch sind die Häuser der Einheimischen stark gefährdet, denn Schilfdach und die Holzbauweise einiger sorgen für schnelle Ausbreitung des Feuers. Im Spreewalddorf Lehde ist daher das schnelle Eingreifen besonders wichtig, auch um das Übergreifen eines Feuers auf die manchmal eng stehenden Gebäude zu verhindern. Jeder Einwohner hat also von sich aus schon ein großes Interesse, einem Brand entgegenzuwirken oder ihn zu verhindern. Fast ist jeder Familie ist mindestens einer Mitglied der freiwilligen Feuerwehr. Die 1904 gegründete Wehr steht auch für Gemeinschaftsaufgaben zur Verfügung, sorgt für intakte Löschtechnik, übt und kümmert sich um die Organisation der Dorffeste.

Die letzten größeren Brände waren der 1973 durch eine Silvesterrakete verursachte Brand im Freilandmuseum um 2016 der Brand der Kauper Gaststätte mit einer Schadenshöhe von 200 000 Euro.

Paul Piesker, Lehder Einwohner, erinnert sich an frühere Alarmierungen: „Es galt, so schnell wie möglich einen Doppelkahn mit Bohlen zu belegen, die Handspritze raufzurollen und mit aller Manneskraft zum Brandort zu staken. Dabei griffen alle Männer zu den Rudeln, der Löschkahn war dann fast genauso schnell, wie ein Motorkahn. Am Einsatzort wurde die unterwegs schon vorbereitete Spritze sofort eingesetzt. Die Männer wurden dann auch zwischendurch manchmal von Frauen ersetzt, denn niemand konnte lange Zeit die schweren Hebel ununterbrochen bewegen.“

Es liegt auf der Hand, dass der Vorteil von reichlich Löschwasser im Dorf „dahinfriert“, wenn der Winter mit Minusgraden und Schnee die Fließe  ihrer Funktion beraubt. Jetzt kann die Feuerwehr nur noch per Schlitten an den Brandort eilen. Hauseigentümer sind verpflichtet, ein größeres Eisloch , Plaunik (wend.) genannt, freizuhalten. Das tun sie allerdings, zumindest war das früher so, aus eigenem Antrieb, denn Wasser für Tier und Mensch musste ohnehin täglich zur Verfügung stehen.

Peter Becker, Jan. 2018

 

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Jahrgang 1948, Diplomlehrer, Freier Journalist und Fotograf

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