Liuba und der Spreeomnibus

Motorboot Liuba Lübben 1909

 

 

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab es im Rahmen des stark zugenommen Ausflugsverkehrs Überlegungen und auch erste technische Umsetzungen zur Motorisierung des Bootsverkehrs. Überliefert ist, dass es sowohl dampf- als auch dieselgetriebene Boote gegeben haben soll. Vermutlich hat es auch technische Probleme gegeben, die den Verkehr, der als Linienverkehr gedacht war, wieder zum Erliegen gebracht haben

Im Juli 1909 stellt das Motorboot „Liuba“ (Dampfmaschine?) den Linienbetrieb zwischen Lübben und Schlepzig ein. Daraufhin übernimmt noch einmal ein Raddampfer diese Linie. „Neptun“ (Dieselmotor?) gehörte dem Kahnfährmann Dommain und wurde landläufig als „Spree Omnibus“ bezeichnet. Mit dem weiteren Ausbau der Spree und den ersten Planungen und Bauarbeiten zum Hartmannsdorfer Wehr, in den späten zwanziger Jahren, war auch damit Schluss.

Mit großer medialer Beachtung wurde der Linienverkehr angekündigt:

„Mit besonderem Interesse sieht man den am Montag beginnenden Probefahrten des von Herrn Oskar Ede hier selbst erbauten Motorbootes entgegen. Dasselbe ist aus Eisen- und Stahlblech konstruiert und hat eine Länge von 9 Metern und eine Breite von 1,4 Meter. Bei einer Normalbelastung von 18 Personen hat es einen Tiefgang von 25 Zentimeter. Wo also das Fahren mit dem vollbesetzten Spreewaldkahn möglich ist, da wird auch das Motorboot verkehren können. Bekanntlich hat sich die Schiffsschraube in den seichten Gewässern des Spreewaldes nicht bewährt; aus diesem Grunde hat der Konstrukteur statt derselben ein Rad gewählt, welches bei ganz niedrigem Wasserstande durch eine besondere Erfindung des Besitzers sein bisheriges Achsenlager automatisch verschiebt, so daß die Fortbewegung des Bootes nicht beeinträchtigt werden kann. Das Boot hat voraussichtlich 16 km Geschwindigkeit pro Stunde. Zum Schutz gegen Regen und Sonnenschein ist es mit einem  Zeltdach  versehen. Das hier gebaute Motorboot ist ein Seichtwasser-Verkehrsmittel neuester Konstruktion  für welches der Besitzer bereits beim Reichspatentamt  in Berlin den Patentschutz nachgesucht hat. Das Motorboot wird von Lübben aus den Verkehr nicht nur nach dem Unterspreewald, sondern auch nach allen Stationen des Oberspreewaldes vermitteln. Den zahlreichen Besuchern des Oberspreewaldes wird dadurch günstige Gelegenheit geboten, auf schnellstem Wege nach dem einem Urwalde gleichenden, mit Eichen und Buchen bestandenen Unterspreewald zu gelangen. Der z.Zt. in Angriff genommene Bau eines Kanals von Lübben bis unterhalb Lübbenau wird nach Vollendung derselben dem Motorbootverkehr sehr zu statten kommen. Erforderlichen Falles wird mit dem Bau weiterer Boote begonnen werden. Lübben dürfte durch diese Erfindung als Eingangspunkt zum Unter-und Oberspreewald mehr noch als bisher genutzt werden.“ Quelle: LBK Nr. 81 v. 13.6.1909

 

Peter Becker, Jan. 2018

 

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Jahrgang 1948, Diplomlehrer, Freier Journalist und Fotograf

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