Weihnachten bei Schauspielers

  

Sylvia Burza und Matthias Greupner beim Zubereiten ihres schlesischen Weihnachtsgerichtes

Der Topf mit den zwei Deckeln oder wie das Leben so spielt

Eigentlich hat der Topf schon einen Deckel. Und dennoch, sprichwörtlich hat er seine zwei Deckel gefunden, die auf ihn passen. Oder andersherum: Zwei Deckel suchten sich den gleichen Topf aus. Verwirrt? Hier die einfache Erklärung: Matthias Greupner, heute Schauspieler an der Bunten Bühne Lübbenau, wuchs im sächsischen Pirna auf. Zur Weihnachtstradition gehörte stets ein schlesisches Gericht, zubereitet von der aus Breslau stammenden Großmutter Johanna. „Weihnachten ohne diese Köstlichkeit war undenkbar“, erinnert sich Matthias Greupner. Nach Berlin wurde ihm das Festmahl gebracht, wo er inzwischen als Jungschauspieler arbeitete. Der Großvater setzte sich zu Weihnachten in den Zug, auf dem Schoß Omas Kochtopf, und brachte ihm das Nationalgericht. Irgendwann blieb der Topf im Haushalt von Matthias hängen. Nach einigen Lebens- und Wirkensstationen quer durchs Land und inzwischen am Cottbuser Theater tätig, sortierte seine damalige Lebensgefährtin mal ordentlich den Haushalt durch und gab den alten Topf in den Theaterfundus. Am Theater arbeitete inzwischen Sylvia Burza. Sie war auf der Suche nach einem großen Suppentopf, weil sie „für ihre Leben gern Suppen kocht und isst“. In ihrer Cottbuser Wohngemeinschaft gab es keinen, also borgte sie sich ihn am Theater aus. „Eigentlich war es ja ein Gänsebräter, aber schön groß und besser als keiner“, so ihre Erinnerung. Wie das Leben so spielt, lud sie ihren Kollegen Matthias zum gemeinsamen Suppenessen ein. Der staunte über den Topf: „Der sieht aus, wie der von meiner geliebten Großmutter. Darin hat sie immer unser Weihnachtsgericht zubereitet!“ „Nö, nö, das kann nicht sein, der ist aus dem Theaterfundus ausgeborgt“, kam Sylvias Antwort. Natürlich war schnell klar, wie es sich um den Topf verhielt. Seit dieser Begegnung kochen, essen und leben die beiden zusammen. Zu jedem Topf passt ein bekanntermaßen ein Deckel. Dieser Topf hat sogar seine zwei Deckel gefunden, worüber die beiden ihre Späße machen.

Jedes Jahr zu Weihnachten wird nun wieder regelmäßig nach Großmutters Originalrezept das Traditionsgericht für den Heiligabend hergestellt: Schlesische Lebkuchen-Biersoße mit Würstchen.

Rezept für 4 Personen (aufgeschrieben von Matthias Greupner):

200 Gramm geräucherter Schweinebauch

2 Rinderknacker

½ Ltr. Wasser

1 große Zwiebel

4 Pastinaken

2 Soßenlebkuchen

½ Ltr.Malzbier

¼ Ltr. Helles Bier

Zucker, Salz und Pfeffer

Dazu gehören original schlesische Weißwürste, die es zu Weihnachten bei ausgewählten Fleischern, zumeist in der niederschlesischen Oberlausitz, zu kaufen gibt. Wenn nicht vorhanden, genügen auch Wiener oder Bockwürste. Zum Gericht gehören auch Sauerkraut und Salzkartoffeln

Traditionell wird die sogenannte Heiligabendsoße schon am 23. Dezember zubereitet. Zuerst wird der Lebkuchen im Malzbier eingeweicht und eine Zeit beiseite gestellt. Den Schweinebauch und die Rinderknacker, die vorher halbiert werden, gibt man in einen größeren Topf, bedeckt dies mit Wasser und lässt es aufkochen. Die Zwiebel und die Pastinaken schälen, in sehr kleine Würfel schneiden und zufügen. Das Ganze kann nun gut zwei Stunden kochen. Wenn der Schweinebauch ausgekocht ist und zerfällt, ist der Zeitpunkt da, den eingeweichten Lebkuchen zuzugeben. Dieser sollte zerdrückt und schon zu einer breiigen Masse verrührt worden sein. Nun noch das helle Bier dazu und ständig rühren, damit sich nichts absetzt oder anbrennt.

Mit etwas Zucker, Salz, einem Schuss Essig und Pfeffer abschmecken und schon ist die Heiligabendsoße fertig. Am Heiligabend nur noch die Kartoffeln aufsetzen, die Soße und das Kraut erwärmen.

 

Peter Becker

Über Bomenius 114 Artikel
Jahrgang 1948, Diplomlehrer, Freier Journalist und Fotograf

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