Zerkwitzer Osterreiten im lutherischen Sinne

Am 20. Osterreiten beteiligten sich trotz widrigstem Wetter 26 Reiterinnen und Reiter. Sie verteilten Hoffnungsstäußchen und wünschten frohe Ostern. Von Zerkwitz ging es über Groß Beuchow, Klein Radden, Ragow und Krimnitz zurück auf die Sergelsche Koppel, dem Startpunkt.

Zum 20. Mal starteten Reiterinnen und Reiter im Lübbenauer Ortsteil Zerkwitz, um die Osterbotschaft in die umliegenden Dörfer zu tragen. Unterwegs verteilten Sie Hoffnungssträußchen und Osterkrüge, Zwischenstopps der 26 Teilnehmer waren in Klein Radden, Ragow und Krimnitz.

In Zerkwitz hatte 1998 der damals dort tätige Pfarrer Michael Oelmann das Osterreiten gemeinsam mit Jürgen Sergel, einem Landwirt aus der unmittelbaren Kirchennachbarschaft, wiederbelebt. Die ehemals heidnische Tradition der Umrundung der Felder, ein Fruchtbarkeitsritual, wurde von Michael Oelmann in den Dienst des Evangeliums gestellt. Er konzipierte das Osterreiten als ein Fest mit evangelischer Prägung, als ein Fest des Zusammenkommens, des Innehaltens und des Neuaufbruchs – ganz im lutherischen Sinne.

Seit nun schon 20 Jahren wird dieser Ausritt durchgeführt. Immer noch geht es ab Sergels Koppel los und immer noch ist Jürgen Sergel der Gastgeber für Ross und Reiter. In der Hand seiner Frau Marlies laufen die organisatorischen Fäden zusammen. In der nahen Kirche findet derweil der Gottesdienst statt, an dessen Ende die Reiterschaft eintrifft. Pfarrer Andreas Döhle, Oelmanns Nachfolger, segnet sie und nach einem mehrmaligen Umreiten der Kirche startet der Tross in Richtung Klein Radden, dem ersten Stopp. Voran reiten die Fahnenträger, darunter seit 15 Jahren Wolfgang Philipp, an seiner Seite Christin Skole, die erst zum zweiten Mal dabei ist. Unterwegs verteilen sie über 100 Hoffnungssträußchen, die die Frauen der Zerkwitzer Kirchgemeinde aus Buchsbaum gebunden haben, an die am Straßenrand Stehenden. Unter den 22 Reiterinnen und den vier Reitern herrscht eine frohe Wiedersehensstimmung. Am weitesten war Christin Szablicki angereist. Die ehemalige Kittlitzerin und jetzige Leipzigerin nahm bisher an 15 Ausritten teil. Ihr Pferd „Dreamboy“ hatte sie von Leipzig mitgebracht. Eine eher kurze Anreise hatte dagegen Carolin Peschang aus Stradow. Sie saß als Dreizehnjährige bereits im Sattel und nahm auf „Gaja“ teil. Fast schon zum Stammpersonal zählt Steffi Blaschke, die das Hoffnungskreuz mitführte: „Wir fanden es trotz des Wetters wieder sehr schön, aber leider viel zu kurz, und wir freuen uns jetzt schon auf das nächste Jahr!“ so die Groß Klessowerin am Ende der Veranstaltung, die neben Freundin Vanessa Siemer ritt.

In Klein Radden begrüßen Pfarrer Andreas Döhle und der Mundartler Hans-Joachim Jänsch Reiter wie Zuschauer. Diesen ersten Zwischenstopp haben die Reiter mehr als nötig, denn das kalte, nasse und windige Aprilwetter hat ihnen arg zugesetzt.

In Ragow gab es die Mittagspause, musikalisch umrahmt von der Bläsergruppe Intrada. Die Dorfgemeinschaft hatte alles bestens vorbereitet. Seit ebenfalls 20 Jahren hat hier Eberhard Richter die Fäden in der Hand. Dorfrauen hatten an zwei Abenden den Osterbogen geflochten, durch den der Prozessionszug ritt. Dabei übergab Jürgen Sergel einen der beiden mitgeführten Osterkrüge an ein Mädchen am Straßenrand. Theresa Fischer (11) aus Essen stand ihm am nächsten und wird ihn nun nach dem gemeinsamen Osterurlaub mit ihren Eltern mit ins Rheinland nehmen. Über Sinn und Bedeutung wurde sie von den Umstehenden aufgeklärt: Der Krug ist leer, in ihn wird die Hoffnung auf ein gutes Jahr gelegt. Im Krimnitz, der letzten Station, empfing die Lübbenauerin Stella Netzker den Krug. Schöne Geste am Rande: Pfarrer Andreas Döhle bedankte sich bei den begleitenden Polizisten, die für einen reibungslosen Ritt durch die Dörfer um Zerkwitz herum sorgten: „Mein Dank geht auch an die Behörden, die Vereine und vielen fleißigen Helfern, ohne die das Osterreiten gar nicht möglich wäre“.

 

Fotos unter http://www.bilderbecker.de/aktuell.html

Peb1/16.04.17

Über Bomenius 114 Artikel
Jahrgang 1948, Diplomlehrer, Freier Journalist und Fotograf

Ersten Kommentar schreiben

Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*